Rottenschwil

Im Werdehölzli entsteht kein Biber-Reservat – das Nutzholz ist zu kostbar

Ein Jungbiber vor zweieinhalb Jahren im Teich des Bremgarter Schulhauses Isenlauf.Andrea WeibeL/Archiv

Ein Jungbiber vor zweieinhalb Jahren im Teich des Bremgarter Schulhauses Isenlauf.Andrea WeibeL/Archiv

Die angestrebte grosszügige Lösung zugunsten einer Biberfamilie in der Nähe der Reuss ist gescheitert. Dies vor allem, weil die Holznutzung so zu stark eingeschränkt worden wäre.

Im Werderhölzli am rechten Reussufer verursacht eine Biberfamilie Probleme. Das Elternpaar und ihre zwei Jungen erstellten beim dortigen kleinen Reuss-Entlastungskanal im bewaldeten Werderhölzli einen 60 Zentimeter hohen Damm. Durchs aufgestaute Wasser wird der Waldboden mehr und mehr vernässt. Bäume drohen abzusterben, zudem befürchtet man Schäden auf den angrenzenden Kulturland- und Naturschutzflächen.

Das Problem sollte in Form eines kleinen Biber-Reservats behoben werden. Die Idee: Eine Fläche von rund zwölf Hektaren im Werderhölzli den Tieren freigeben und dadurch eine Altholzinsel entstehen lassen. Während 50 Jahren sollte die Waldeigentümerin, die Ortsbürgergemeinde Rottenschwil, auf die Waldnutzung verzichten und im Gegenzug dafür finanziell durch den Kanton (Abteilung Wald) entschädigt werden.

Deutliches «Nein» und Bedauern

Die grosszügige Reservats-Lösung kommt jedoch nicht zustande. Bei einer Konsultativabstimmung an der Ortsbürgerversammlung Rottenschwil scheiterte das Unterfangen sehr deutlich, mit 15 Nein gegen 1 Ja. Ein gewisses Verständnis brachte die Versammlung den geschützten Nagetieren zwar entgegen, ebenso dem Umstand, dass Frassschäden an Gehölz und Bäumen sowie Wasserschäden im Lebensraum der Biber entstehen. Vorbehalte wurden jedoch stärker gewichtet. Bedenken äusserte die Versammlung insbesondere im Zusammenhang mit dem Verzicht auf die Holznutzung im Werderhölzli. Diese Fläche sei recht umfangreich, sie entspreche praktisch einem Viertel der Waldfläche des Gemeindewaldes Rottenschwil, gaben Versammlungsteilnehmer zu verstehen.

Frau Gemeindeammann und Ortsbürgerin Anna Hoppler bedauert den Nein-Beschluss: «Schade, das wäre eine nachhaltige Lösung für den Biber, die Natur und die Ortsbürgergemeinde gewesen.» Selbstverständlich sei der demokratisch gefällte Entscheid der Ortsbürger zu respektieren. Anna Hoppler hofft aber, dass das letzte Wort zum Thema «Reservat im Werderhölzli» noch nicht gesprochen worden ist.

Damm wird entfernt

Wie geht es nun weiter? Demnächst kommt der Forstbetrieb Mutschellen zum Zug, der den Gemeindewald Rottenschwil bewirtschaftet. Der Forstbetrieb soll den Biber-Damm im Werderhölzli entfernen. Dass der Abbau rasch Wirkung erzielt und die Biberfamilie weiterzieht, um sich anderswo niederzulassen, bezweifeln Fachleute. «Die Biberfamilie wird sich kaum von heute auf morgen vertreiben lassen», sagt Umweltingenieur Christian Tesini von der kantonalen Sektion Jagd und Fischerei. Biberfachmann Tesini geht davon aus, dass die Biber, denen das Domizil Werderhölzli offensichtlich behagt, den Damm wieder aufbauen werden. Vermutlich werde der Damm innert weniger Tage nach dem Abbau wieder instand gestellt und funktionstüchtig sein, gibt Tesini zu verstehen.

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