Wie war das wohl damals, als «General» Johann Heinrich Fischer, der Wirt des Gasthofs Schwanen in Merenschwand, am 5. Dezember 1830 auf sein Pferd stieg, um den Freiämtersturm gen Aarau zu führen? Bestimmt hatte er sich vor dem Aufsitzen nochmals erleichtert. Es stand ihm und seinen Mannen immerhin ein langer Ritt respektive Marsch bevor. Vielleicht hat er ihnen sogar noch väterlich geraten, ihr Wasser abzuschlagen, bevor sie das gleiche mit der Aarauer Regierung machen wollten. Und wenn dem so war, wie muss man sich diese Bedürfnisanstalt von damals wohl vorstellen? Die Spezialisten von der kantonalen Denkmalpflege können nur mutmassen, denn Pläne oder Aufzeichnungen diese Art von Geschäften betreffend gibt es vom «Schwanen» keine. Zu jener Zeit habe man seine Notdurft in der Regel in einem Bretterverschlag ausserhalb des Hauses, im Hofbereich, in der Laube, eventuell auch im Stall, direkt über einer Auffanggrube verrichtet, bestätigen die Fachleute in Aarau.

«Das WC ist die Visitenkarte eines Restaurants», sagt Martin Küng, der heute den «Schwanen» zusammen mit seinem Bruder Christoph und den Eltern, Martha und Franz Küng, führt. «Wir wollten, dass auch unsere Toiletten das widerspiegeln, was wir in der Gastronomie überhaupt anstreben», erklärt er weiter, «ein hohes Niveau.» Vor zwei Jahren haben sich die beiden Söhne des Hauses dazu entschlossen, in die Fussstapfen ihrer Eltern zu treten. Sie wussten, dass sie viel Arbeit erwartet, sahen gleichzeitig aber auch die Chancen, die im altehrwürdigen Gemäuer aus dem 17. Jahrhundert schlummerten.

Verkürztes Verfahren

Die Sanierungspläne spukten bei allen vieren schon längere Zeit im Kopf herum. Weil der «Schwanen» aber unter kantonalem Denkmalschutz steht, wussten die Küngs, dass sie nicht einfach machen konnten, was sie wollten. Umso grösser dann ihr Erstaunen, als ihre Anfrage bei der Denkmalpflege, ob sie die Gästezimmer und Restauranttoiletten renovieren dürften, nach wenigen Tagen bereits positiv beantwortet wurde. Da am Äusseren des Hauses nichts verändert wurde, konnte die Baubewilligung sogar in einem verkürzten Verfahren erteilt werden. «Dazu mussten wir nur das Einverständnis unserer Nachbarn einholen», erzählt Martha Küng. «Kein Einziger hatte etwas dagegen. Im Gegenteil, sie haben uns alle ermutigt und unterstützt in unserem Vorhaben.»

Die Sanierung der Gastzimmer dauerte ein halbes Jahr. Im Januar konnten die ersten Gäste in den drei Zweibettzimmern im zweiten Obergeschoss übernachten. Jedes Zimmer verfügt über eine eigene Nasszelle, Fernseher, Kaffeemaschine, W-LAN, Ventilator und Einbauschrank. Auf der Website des «Schwanen», www.landgasthofschwanen.ch, kann man sich die renovierten Zimmer in Ruhe ansehen.

Wasser aus dem Schwanenhals

Die Renovation der Toiletten war im Anschluss dann eine echte Parforceleistung aller Beteiligten. «Wir hatten genau einen Monat Zeit», sagt Martin Küng, «denn der Februar ist erfahrungsgemäss ein ruhiger Monat. Aber am 4. März sollten wir bereits wieder ein Bankett ausrichten.» Unter der Leitung des Planungsbüros Steinauer, Affoltern am Albis, arbeiteten sämtliche Handwerker während sieben Tagen pro Woche in zwei Schichten, um dieses Bijou zu verwirklichen. Aus der ehemaligen Hausmetzgerei und späteren Waschküche wurde das neue Damen-WC. Daneben dürfen die Herren, und aus der bisherigen Damentoilette wurde ein Behinderten-WC mit Wickeltisch und Zubehörregal. Das Tüpfelchen auf dem i sind aber die vergoldeten Wasserhähne in Schwanenform und die goldenen Schwäne, welche die WC-Rollen halten.

«Zugegeben», lacht Martin Küng, «das ist genauso eine Spinnerei wie der Kronleuchter im Damen-WC. Aber wir haben eine gute Aufteilung: Mein Vater und mein Bruder sorgen dafür, dass alles praktisch ist; meine Mutter und ich sind fürs Ästhetische zuständig.» So, wie es scheint, hat die Mauser des alten «Schwanen» damit erst begonnen. Die Jungen sprudeln vor Ideen, die Eltern freut’s, denn beide sind mittlerweile im Pensionsalter und geniessen es, mit ihren Söhnen zusammen eine wachsende Fangemeinde zu bewirten – sogar Gäste aus dem fernen Aarau.