Aristau
«Im Schulzimmer hatten wir ständig Kopfweh»

Weil der Formaldehydwert in den Schulzimmern zu hoch war, sind in Aristau 65 Primarschüler ausquartiert worden. Viele sagen, sie hätten das giftige Gas bemerkt. Vor dem Umzug hätten sich die Kinder aber nicht beschwert, so die Schulleitung.

Andrea Weibel (Text und Fotos)
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Den Aristauer Schülern gefällt der unerwartete Raumtausch – viele von ihnen glauben, das Gas im Schulzimmer bemerkt zu haben.

Den Aristauer Schülern gefällt der unerwartete Raumtausch – viele von ihnen glauben, das Gas im Schulzimmer bemerkt zu haben.

Andrea Weibel

Letzte Woche ist in der Schule Aristau ein erhöhter Formaldehydwert gemessen worden (az Aargauer Zeitung vom 16. Januar). Darum hatten die Primarschüler am Montag frei und werden seit gestern Dienstag in anderen Räumen der Gemeinde unterrichtet, während Abklärungen in den Schulzimmern laufen.

«Kopfweh hat stark zugenommen»

Die Schüler sind gut über die Situation informiert. «In der Schule gibt es Gas, von dem man Bauchweh und Kopfweh bekommen kann. Darum sind wir jetzt im Kindergarten statt im Schulhaus», erklärt der Erstklässler Daniel (7). Er habe davon aber nichts bemerkt, fügt er hinzu.

Anders ist dies bei seinen Kameraden. Sehr viele von ihnen sagen, sie hätten im letzten Jahr viel häufiger unter Kopfschmerzen und Unwohlsein gelitten. Georges und Manuel (beide 10) aus der 4. Klasse erklären: «Im Schulzimmer hatten wir in den letzten Monaten ständig Kopfweh.»

Ihr Klassenkamerad Jerron (10) scheint sogar eine weitere Nebenwirkung des Gases festgestellt zu haben: «Ich habe vier Nachkommastellen der Zahl Pi vergessen. Als ich vor einem Jahr an die Schule gekommen bin, konnte ich zehn Stellen auswendig, jetzt nur noch sechs.»

Folgen sind unwahrscheinlich

«Wir haben damit gerechnet, dass sehr viele der Schulkinder nun von Beschwerden reden könnten, nachdem wir sie über mögliche Auswirkungen von Formaldehyd aufgeklärt haben», bestätigt Schulleiter Niels Anderegg. «Medizinisch ist es möglich, dass einzelne Schüler die Folgen des Gases gespürt haben. Allerdings gab es bis jetzt nie entsprechende Meldungen seitens der Eltern.» Er vergleicht die Situation mit dem Besuch der Laustante: «Wenn sie zur Untersuchung kommt, beginnt es auch alle Kinder am Kopf zu jucken, obwohl sie gar keine Läuse haben.»

Natürlich würden echte Beschwerden ernst genommen, sagt Anderegg. Allerdings sei der Formaldehydwert grundsätzlich nicht bedenklich, «es handelt sich beim Umzug um eine Präventivmassnahme», betont Schulpflegepräsident Marco Jörg.

«Nur leichte Überschreitung»

Der vom Bund festgelegte Richtwert liegt bei 120 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. «In einem Schulzimmer haben wir einen Wert von 130 gemessen, also nur eine leichte Überschreitung, die noch kaum Auswirkungen haben sollte», hält Jörg fest. Denn die zulässige maximale Arbeitsplatzkonzentration liege bei 370 Mikrogramm pro Kubikmeter.

In einem Schulzimmer wurden Schafwollmatten aufgehängt, die den Formaldehydwert senken sollen. Nun wartet die Schule auf die Testresultate, die Ende Woche erwartet werden. «Falls sie gut ausfallen, sollten wir bald in die Klassenzimmer zurückkehren können», sagt Anderegg. «Bis dahin sehen wir die Zeit als eine Art geschenkte Spezialwoche an, die den Kindern Spass macht,
obwohl sich am Stundenplan nichts ändert.» Das bestätigen auch die Schüler. Die 4. und 5. Klasse ist im nahen Vereinslokal untergekommen. «Am liebsten würden wir immer hier zur Schule gehen», sind sich Ronja und Angelo (beide 9) einig.