Muri
Im Roth-Haus gibt es jetzt Gölä statt Hudigäggeler

Im Wohnheim mit Beschäftigungsstätte für Schwerstbehinderte Roth-Haus in Muri kommt es zu einem markanten Wandel. Mehr jüngere Bewohner stellen das Personal vor neue Herausforderungen.

Eddy Schambron
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Eliane Nogara arbeitet mit Christopher in der Beschäftigungsstätte, im Hintergrund Heimleiter Uwe Tischer. Schambron

Eliane Nogara arbeitet mit Christopher in der Beschäftigungsstätte, im Hintergrund Heimleiter Uwe Tischer. Schambron

Eddy Schambron

Die Klienten sind jünger, die Herausforderungen an das Personal steigen – und es macht allen Freude: Das Schwerstbehindertenheim Roth-Haus macht einen markanten Wandel durch und soll auch baulich den neuen Bedürfnissen angepasst werden. «Anstelle von volkstümlicher Musik dröhnt schon mal Gölä durch den Raum», fasst Heimleiter Uwe Tischer kurz und prägnant die Situation zusammen.

Das Personal des Roth-Hauses schob schon bisher keine ruhige Kugel, sondern betreute die Klientinnen und Klienten mit viel Engagement. Aber mit den jüngeren Bewohnerinnen und Bewohnern, zwischen 18 und 25 Jahre alt, kommt eine neue, «schöne, aber auch gewöhnungsbedürftige Dynamik» ins Haus, wie sich Tischer ausdrückt.

Mit konkreten Auswirkungen: Die Spätschicht arbeitet neu bis 22 Uhr, weil die junge Klientel nicht wie die Älteren um 20 Uhr ins Bett geht. Und die Jungen haben andere Ansprüche an Beschäftigung, Unterhaltung, Ausgang, Zerstreuung. «Für das Team ist das eine riesige Herausforderung», stellt Wohngruppenleiter Claude Baeriswyl fest. «Die Arbeit wird auf jeden Fall lebendiger, die Kommunikation ändert sich, wir müssen unsere Strukturen den neuen Bedürfnissen anpassen.»

Weil sich das Roth-Haus am Konzept der Funktionalen Gesundheit orientiert, werden die Tagesabläufe für jeden Klienten möglichst normalisiert gestaltet. «Wir bieten nicht einfach die Dienstleistung der Pflege, sondern lassen unsere Klientinnen und Klienten möglichst am Alltag teilhaben, beispielsweise durch ihre Mithilfe in der Küche.» Das gefällt vor allem den jüngeren Bewohnerinnen und Bewohnern und fordert die Profis zusätzlich.

Herausfordernd für das Personal ist aber auch, dass die jungen Klienten ungefähr so reagieren, wie es Pubertierende tun. Damit sind Sexualität und Aggression genauso Themen wie Nähe und Distanz. «Das verlangt nach viel Verantwortungsgefühl und einer entsprechenden Aus- und Weiterbildung», macht Tischer klar. Ebenfalls neu ist, dass – anders als bei älteren Klienten – die Eltern der jungen Heimbewohner mitreden, sich einbringen, im Kontakt bleiben. Das bedeutet einerseits einen Mehraufwand an Kommunikation, birgt auf der anderen Seite allerdings die Chance, die betreuten Menschen besser zu verstehen.

«Die Eltern kennen ihre Kinder umfassender als wir», sagt Baeriswyl, der die Veränderungen im Heim als auch für das Team als Bereicherung wahrnimmt.

Gegenwärtig gehören 10 der insgesamt 28 Bewohnerinnen und Bewohner zur jüngeren Generation. Dieser Anteil wird sich zwangsläufig erhöhen. Diese Menschen werden von gut 70 Mitarbeitenden, die sich 4000 Stellenprozente teilen, betreut.

Ein attraktives Angebot der Stiftung Roth-Haus ist die Beschäftigungsstätte, die auch von sieben externen Klienten tagsüber besucht wird. Manchmal gefällt es dem einen oder anderen dort so gut, dass er selber gleich ins Wohnheim einziehen will.

Glücklich ist die neue Heimleitung schliesslich darüber, dass vom Kanton grünes Licht für die Gestaltung von Einzelzimmern gegeben wurde. Diese werden im Zusammenhang mit den neuen Qualitätsrichtlinien ab 2015 vom Kanton auch gefordert. Weil die bestehenden Räumlichkeiten dafür zu wenig Platz bieten, hat der Stiftungsrat beim Kanton einen Anbau beliebt gemacht.

Je nach kantonaler Finanzlage kann dieser ab etwa 2019 realisiert werden; jetzt wird von der Stiftung das detaillierte Raumprogramm erarbeitet. «Ältere Bewohnerinnen und Bewohner sind sich Zweierzimmer zum Beispiel aus der Pflegi gewohnt. Aber die jüngeren Klienten und ihre Eltern wünschen sich Einzelzimmer», macht Tischer klar, dass sich der Generationenwechsel bis in die baulichen Belange hineinwirkt.

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