Berikon

Im Rhetorikclub Mutschellen wird das Reden vor Publikum geübt

Fliessend sprechen will geübt sein: Daniele Lorusso referiert über Schnäuze. Kursleiter Thomas Skipwith (3. von links) notiert.

Fliessend sprechen will geübt sein: Daniele Lorusso referiert über Schnäuze. Kursleiter Thomas Skipwith (3. von links) notiert.

«Als ich nur mit Maschinen arbeitete, merkte ich, wie mir die Übung im Reden fehlte», erinnert sich Daniele Lorusso. Er ist eines der zwölf Mitglieder des Rhetorikclubs Mutschellen. Seit dem 28. August treffen sie sich in Berikon alle zwei Wochen.

Leute verschiedensten Alters und Berufsfelder treffen sich in Berikon, um an ihren rhetorischen Fähigkeiten zu feilen.

Thomas Skipwith ist Mitgründer mehrerer Schweizer «Toastmasters» Rhetorikclubs. «Das Schöne ist, dass hier jeder risikofrei seine Fertigkeiten trainieren kann», beschreibt er den Reiz des Kurses. «Man hat die Möglichkeit, sich im geschützten Rahmen weiterentwickeln zu können.» Skipwith ist überzeugt, dass sich Reden und Präsentieren üben lassen. «Auch ein Tennisspieler kann sich den Erfolg nicht nur durch Theorie aus dem Buch aneignen.» Jedoch brauche auch das Sprechen vor Publikum Disziplin. «Nur indem man immer wieder hinsteht und vor Leuten spricht, kann man sich eine gewisse Routine aneignen», meint Skipwith. Deshalb kommt im Rhetorikclub Mutschellen auch jedes Mitglied zum Zug und erhält danach ein ehrliches Feedback.

Klar strukturierte Treffen

Im Bürgisserhus in Berikon liegen Tabellenblätter und Listen auf den Tischen, Neuankömmlinge begrüssen sich entspannt mit Vornamen und Handschlag.

Die Treffen der Toastmasters laufen zwar informell, jedoch klar strukturiert ab: Im Voraus werden Rollen verteilt, so führt ein Moderator durch den Abend, Bewertungskriterien werden festgelegt, der Zeitnehmer weist die Redner in ihre Schranken. Auch diese sollen sich auf ihren Auftritt vorbereiten. Manchmal ist jedoch auch Flexibilität gefragt: Redner Daniele Lorusso hat wenige Tage vor dem Treffen spontan ein neues Thema gewählt: «Io mi faccio crescere i baffi (ich lasse mir einen Schnurrbart wachsen)» heisst seine Rede. Darin referiert Lorusso über die «Movember»-Bewegung: Männer lassen sich im November einen Schnauz wachsen, aus Solidarität zu Prostatakrebserkrankten. «Ich habe erst kürzlich von dieser Bewegung gehört und sie spontan für meine Rede gewählt», erzählt Lorusso. Früher im IT-Bereich tätig, arbeitet er heute in einer Grossbank. «Hier lerne ich, auch Themen authentisch zu vertreten, hinter denen ich nicht direkt stehe. Sich verkaufen zu können, kann ein Schutz sein.» Die Teilnehmerin Heidi Burch ergänzt: «Wir sind hier wegen der Feedbacks – positiven wie auch negativen.» Während Kritik im Geschäftsleben nicht selten gehässig sei, ginge es hier darum, besser zu werden. Ausserdem habe man hier die Gelegenheit, Hochdeutsch zu sprechen.

Reden aus dem Stegreif

Im zweiten Teil des Abends ist die Spontaneität der Anwesenden gefragt: In den Stegreifreden muss eine Minute lang zu einem Thema improvisiert werden. Am heutigen Treffen dreht sich alles um «Verpackungen». Kleider können verpacken, Geschenkpapier und Schmuckschachteln. Doch auch Reden können Verpackungen sein, gut gemacht sogar glänzende.

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