Reportage

Im Notfall wegen einer rostigen Stecknadel: «Da ist noch ein Stück drin»

Auf dem Röntgenbild ist das Nadelstück im Fussballen gut erkennbar.

Auf dem Röntgenbild ist das Nadelstück im Fussballen gut erkennbar.

Um eine Reportage im Spital Muri richtig erleben zu können, legte sich die AZ-Redaktorin selbst unters Messer. Nein, natürlich nicht. Doch sie war froh, zufällig auf dem Notfall zu sein.

Mit dem Patienten, der eine Tetanus-Spritze bekam, konnte ich mitfühlen. Eine Woche war seit meiner vergangen. Am Freitag war ich im Garten in meinem Schuh auf eine rostige Stecknadel getreten. Was tun? Nadel raus, Wunde säubern, desinfizieren, verbinden, weitergärtnern.

Erst, als ich am Abend Pause machte, schwoll der Fuss an. Da musste ich eben die netten Leute vom Notfall bemühen – beziehungsweise von der Notfallpraxis daneben, die weniger schlimme Fälle wie meinen an Abenden und Wochenenden übernehmen und so den Notfall entlasten.

Die diensthabende Hausärztin schnitt die Wunde auf, dass es bluten konnte, gab mir die Tetanus-Spritze und entliess mich mit Antibiotika und Schmerzmitteln. «Wenns am Montag nicht besser ist, gehen Sie zum Hausarzt», hatte sie gesagt. Es war leider nicht besser. Aber gleich zum Arzt? Stattdessen spielte ich Volleyball und redete meinem Fuss gut zu. Und fragte am Donnerstag die freundlichen Fachleute im Notfall. Wenn ich schon einmal da war.

«Definitiv entzündet»

«Was sind die fünf Anzeichen einer Entzündung?», fragte der Assistenzarzt Chirurgie seinen Unterassistenten. Der begann aufzuzählen, und nickte bei jedem Punkt. «Ja, der Fuss ist definitiv entzündet.» Auch er fand, wenn ich schon einmal da war, könnte man mich auch gleich untersuchen. Levente Safar, Assistenzarzt Chirurgie der Spätschicht, schickte mich zum Röntgen.

Da bewahrheitete sich seine Befürchtung: «Da ist noch ein Stück drin.» Das sofort rauszuschneiden, wäre unklug. «Durch die Entzündung ist es möglich, dass die Betäubung nicht richtig wirkt, das wäre sehr schmerzhaft. Ausserdem ist es schwierig, eine so kleine Nadel überhaupt zu finden, was noch mehr Schmerzen verursachen könnte.»

Er besprach sich mit seinem Vorgesetzten und der wiederum mit seinem. Sie kamen zum Schluss, aufzuschneiden, um eine Drainage zu legen, also Gaze und Antibiotika unter die Haut, um die Entzündung zu bekämpfen. Die Nadel suchen könne man nächste Woche.

«Das wird sehr schmerzhaft»

Eine Stunde musste ich auf den Eingriff warten, denn auf einmal kamen jede Menge wichtigerer Notfälle rein. Safar entschuldigte sich mehrfach, doch langweilig war mir nicht: Alle Mitarbeiter des Notfalls waren ab und zu nachschauen gekommen, wie es mir geht.

Sie scherzten und waren überaus liebenswert, warnten mich aber auch, dass Eingriffe am Fuss sehr schmerzhaft seien. Das wiederholte Safar, bevor er die Betäubungsspritze zückte. Durch eine Entzündung könne eben auch das Anästhetikum weniger wirken. Und die Spritze schmerzte wirklich. Doch danach spürte ich überhaupt nichts mehr. Auch der Assistenzarzt war sichtlich erleichtert. «Wäre schön, wenn das bei allen so leicht ginge», fand er.

Als ich das Zimmer verlassen konnte, erkundigten sich alle, wie es gelaufen sei. So behütet, fühlt sich ein wunder Fuss gar nicht mehr so schlimm an. «Ja, das Team ist toll», stimmte Stationsleiterin Andrea Suter zu. «So macht auch die Arbeit Spass.» Einstimmig fanden sie aber, auf den anderen Stationen müsse ich nicht gleich Patient werden, die Beobachterrolle genüge. Und: «Gut, dass du auf dem Notfall warst, das hätte sonst eine sehr schlimme Entzündung werden können.»

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