Richi Müller

Im Garten statt im Auto: Aargauer Fahrlehrer fehlt der Kundenkontakt

Die Brüder Richi und André Müller (von links) sind beide Fahrlehrer

Die Brüder Richi und André Müller (von links) sind beide Fahrlehrer

Mehr als vier Wochen sind schon vergangen, seit er das letzte Mal den Zündschlüssel umgedreht hat. An jenem Montagabend Mitte März und der letzten Fahrstunde mit einem Schüler. Damals entschliesst sich Fahrlehrer Richi Müller, der zusammen mit seinem Bruder André seit 1994 die Fahrschule Müller mit Standorten in Wohlen, Muri und Boswil führt, zu diesem Schritt. «Die Anzeichen verdichteten sich in diese Richtung. Der Verband hat uns diese Massnahme empfohlen, die wir auch zum Schutz unser Schüler so umsetzen wollten. Schon eine Woche vorher spürten wir, dass immer mehr Schüler kurzfristig krank absagten», sagt Müller.

Zwei Tage später wäre das Aus von offizieller Seite sowieso gekommen. Seither sind Fahrstunden und Kurse mit Auto und Motorrad verboten und auch das Strassenverkehrsamt nimmt keine Führer- oder Theorieprüfungen mehr ab. Die Motoren der vier Autos der Fahrschule bleiben kalt.

50 Fahrschüler konnten die Ausbildung noch nicht beginnen

Der Lockdown fällt in eine ungünstige Jahreszeit, gerade im Frühling beginnt zum Beispiel die Töffsaison. «Grob geschätzt hätten in den letzten vier Wochen rund 50 neue Fahrschüler bei uns die Ausbildung begonnen. Zudem sind wohl rund zehn Führerprüfungen ausgefallen», gibt Richi Müller einen Überblick über die Zahlen. Die Fahrschüler können zwar derzeit im praktischen Bereich nicht unterrichtet werden, trotzdem sind die Müllers bei Fragen – gerade beim Theorie büffeln – hilfsbereit. «Die Schüler können uns telefonisch erreichen bei Bedarf. Die Motivation zum Lernen soll möglichst hoch bleiben in dieser Zeit», sagt Müller. Wenn der Lockdown aufgehoben wird, kann er sich vorstellen, dass es zu einem Ansturm auf die Fahrstunden kommen wird. «Es ist denkbar, dass wir dann während der Sommerferien deutlich mehr zu tun haben, weil sich alle Termine nach hinten verschieben.»

Langweilig ist es den Müllers trotz Corona-Lockdown nicht geworden, auch wenn der direkte Kontakt mit den Kunden fehlt. «Statt im Auto zu sitzen, habe ich ein Alternativprogramm gehabt. Ich habe viele Büro-Arbeiten erledigt und Dinge vorbereitet. Ich stehe täglich wie sonst um 7 Uhr auf. Daheim konnte ich mich intensiv der Gartenarbeit widmen, für meine Eltern einkaufen gehen und mehr Zeit für die Familie haben. Aber natürlich sind wir froh, wenn es wieder losgeht», sagt der Fahrlehrer – und freut sich, wenn er wieder den Zündschlüssel drehen darf.

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