Sie heissen Theilersbirne, Schweizer Hose, Tobiässler, Brettacher oder Schöner von Kent – und alle sind sie alte Sorten. Im Freiamt sollen die Hochstämmer wieder heimisch werden. Gottfried und Benjamin Bächler, Vater und Sohn, überzeugte Landwirte und «Oeko-Freaks», welche die Zusammenhänge in der Natur verstehen, wollen einen Obstgarten mit alten, bewährten Apfelsorten anlegen, damit sie in einigen Jahren den eigenen Apfelsaft herstellen können.

Das trifft sich ausgezeichnet mit der Idee von Rotary International, dass jeder Rotarier einmal einen Baum pflanzen solle. Hier kam dann der Rotary-club (RC) Reusstal ins Spiel. Astrid Gebert Käppeli, engagierte Umwelt- und Naturschützerin aus Winterschwil, arbeitet schon seit Jahren an der Idee einer Vernetzung der Siedlungsränder in den landwirtschaftlich genutzten Ebenen des Freiamts mit einem Korridor von Hochstammbäumen. Spontan ist die Ehefrau von RC Reusstal-Mitglied Hans-Mathias Käppeli-Gebert auf Vater und Sohn Bächler zugegangen. Ihr Vorschlag: Den Parkplatz der Alten Kirche Boswil rundum mit schattenspendenden Hochstammbäumen versehen, um die Autos der Kulturkonsumenten vor Überhitzung zu schützen.

Eineinhalb Stunden Fronarbeit

So kam es, dass 25 Rotarier mit Kind und Kegel, ausgerüstet mit allerlei landwirtschaftlichem Gerät und tauglichen Schuhen, am Samstagmorgen auf dem Bächlerhof aufmarschierten und nach kurzer Instruktion wacker ans Werk gingen. Beni Bächler hatte die Grasteller schon mal ausgehoben und die armdicken Pfähle mit der Traktorschaufel kerzengerade und im richtigen Abstand eingedrückt. Die 45 in Baumschulen gepflegten, siebenjährigen, drei Meter hohen Zöglinge mit den wundersamen Namen – Birnen, eine Kastanie, zwei Nussbäume, zwei Wildkirschen und 36 verschiedene, ausgewählte alte Apfelsorten – standen nach eineinhalb Stunden freudig geleisteter Arbeit schön angebunden auf der wettergeschützten Seite ihres Pfahles; die Helden kehrten heim. Aber nicht, ohne vorher, zusammen mit Bächlers, ein herrliches Pilzrisotto und als Vorgeschmack auf die zu erwartenden Tafelobstfreuden schon mal drei Apfelmus aus alten Sorten genossen zu haben. (AZ)