Freiamt
Im Freiamt herrscht in den Fundbüros plötzlich Hochkonjunktur

Die plözliche Kälte der angebrochenen Wintertage und der morgendliche Stress haben Schuld. In Zügen und Bussen bleibt dieser Tage viel liegen – dabei nicht nur Schirme und Smartphones, sondern oft auch gleich die Jacke.

Andrea Marthaler
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Fundsachen: Schlüssel und Handys gehören zu den meistgefundenen Gegenständen, die bei den Fundbüros abgegeben werden. (Manuela Schaer)

Fundsachen: Schlüssel und Handys gehören zu den meistgefundenen Gegenständen, die bei den Fundbüros abgegeben werden. (Manuela Schaer)

Aargauer Zeitung

Bei nasskalter Witterung bleibt so viel wie sonst nie in Zügen und Bussen liegen. Die Fundbüros des öffentlichen Verkehrs haben Hochkonjunktur. «Die Topmonate sind, wenn es schneit», bestätigt Thomas Koch, Leiter Kundenservice bei der BDWM. Pro Tag würden fünf bis zehn Schirme in ihren Zügen liegen gelassen, dazu Mützen und Handschuhe. «Im morgendlichen Stress und bei knappen Anschlüssen vergessen die Leute viel.» Insbesondere wenn es draussen kalt, aber in den öffentlichen Verkehrsmitteln warm ist.

Auch bei der SBB füllt sich in den Wintertagen das Fundbüro. «An besonders winterlichen Tagen lassen Reisende mehr liegen», sagt Mediensprecher Reto Schärli. Selbst Jacken würden dann manchmal im Zug vergessen. Rund die Hälfte der von der SBB gefundenen Gegenstände könnten an die Besitzer zurückgegeben werden. Was nicht abgeholt wird, werde an die Fundsachenverkauf.ch GmbH übergeben.

Nach Schirmen wird selten gesucht

Auf dieselbe Wiederverkaufs-Firma setzt ab kommendem Jahr auch die PostAuto Schweiz AG. Denn während laut Mediensprecherin Monika Trost 90 Prozent der in Postautos gefundenen Wertgegenstände an die Besitzer zurückgegeben werden können, liege diese Quote bei Alltagsgegenständen lediglich zwischen 30 bis 50 Prozent. Das gilt auch für die derzeit gerne vergessenen Handschuhe, Schals und Mützen.

Bei der BDWM machte man die Erfahrung, dass insbesondere Smartphones oder Portemonnaies an ihre Besitzer zurückgegeben werden könnten, so Koch. «Sind Handys beispielsweise noch angeschaltet, können wir den Anruf entgegen nehmen, wenn der Besitzer das Gerät sucht.» Schirme oder Kleidungsstücke würden jedoch häufig nicht gesucht. «Nach drei Monaten übergeben wir, was noch gut ist, der Kleidersammlung», sagt Koch. Wertvollere Gegenstände würden hingegen der Regionalpolizei übergeben. So wurde beispielsweise auch schon ein Saxofon im Zug vergessen.

Keine Häufung bei der Repol

Die Fundbüros in der Region werden von der Regionalpolizei betreut. Im Gegensatz zu jenen der öffentlichen Verkehrsmitteln sind diese nicht witterungsabhängig. «Was wir in diesen Tagen vielleicht etwas mehr erhalten, sind Schlüssel», sagt Iren Wietlisbach von der Regionalpolizei Wohlen. Sie vermutet, dass diese aus der Tasche fallen, wenn in derselben nach Nastüchern oder Handschuhen gesucht wird. Sofern die Schlüssel bei einem Hersteller registriert sind, können sie den Besitzern zurückgegeben werden. «Wir haben aber auch viele Anfragen, bei denen die Schlüssel nicht bei uns abgegeben wurden.» Allgemein hätten sie aus den acht Gemeinden, für die sie zuständig sind höchstens 20 Fundgegenstände pro Monat.

Keine Zunahme an abgegebenen Gegenständen verzeichnet Manfred Tschannen, Chef der Regionalpolizei Bremgarten. Neben Schlüsseln würden bei ihnen viele Portemonnaies, Uhren, Brillen und Handys abgegeben. Bei Geldbörsen suche man nach Ausweisen, Handys könnten oft aufgrund der Telefonkontakte dem Besitzer zurückgegeben werden. Brillen, Schmuck oder aber auch gefundenes Bargeld würden hingegen nur selten abgeholt.

Verkauf nach Wartefrist

Wird der Eigentümer nicht gefunden, so ist der Finder nach Ablauf der Wartefrist von drei Montagen bis zu einem Jahr – je nach Wert des Gegenstandes – anspruchsberechtigt. Verzichtet der Finder, so wird der Fundgegenstand weggeworfen oder zum Beispiel über ein Schmuckgeschäft veräussert. «Bei uns in Bremgarten wird der Ertrag von Fundgegenständen für einen wohltätigen Zweck gespendet», so Tschannen.

Anders bei der Regionalpolizei Muri. Dort werden nicht abgeholte Gegenstände über das Betreibungsamt verkauft, was einen Zustupf in die Kasse gibt. Neben Schlüsseln würden viele Brillen und USB-Sticks abgegeben. Auffällig mehr Fundgegenstände als in anderen Monaten bekomme man im Dezember aber nicht, trotz Weihnachtsstress.

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