Berikon

Im Chörenmatt-Quartier verschwinden verdächtig viele Katzen

Sieben der zehn vermissten Katzen in Berikon stammen aus dem Chörenmattquartier. Crusoe ist eine von ihnen.

Sieben der zehn vermissten Katzen in Berikon stammen aus dem Chörenmattquartier. Crusoe ist eine von ihnen.

Auf dem Mutschellen werden zehnmal so viele Katzen vermisst wie sonst im Freiamt. Betroffene Familien glauben nicht an einen Zufall und befürchten, ein Katzendieb könnte sein Unwesen treiben.

In den vergangenen 12 Monaten sind im Chörenmattquartier in Berikon sieben Katzen verschwunden. Laut der Schweizerischen Tiermeldezentrale werden im Dorf insgesamt zehn Katzen als vermisst gemeldet. Diese Zahl ist im regionalen Vergleich hoch: In Rudolfstetten werden vier Katzen vermisst; in Bremgarten, Wohlen und Waltenschwil jeweils drei. Mehr als die Hälfte der Freiämter Gemeinden melden keine entlaufenen Katzen. Durchschnittlich kommt auf eine Freiämter Gemeinde eine vermisste Katze.

Die Meldungen bei der Schweizerischen Tiermeldezentrale tätigen die Besitzer selbstständig. Über die Dunkelziffer nicht gemeldeter vermisster Katzen gibt es keine Angaben.

Unerklärliches Verschwinden

Darüber, ob die Katzen aus dem Chörenmattquartier entlaufen, anderen Familien zugewandert und nicht gemeldet oder gar entwendet werden, liegen keine bestätigten Informationen vor. Die Besitzer der vermissten Katzen jedoch befürchten Letzteres.

Für die Bewohner des Chörenmattquartiers ist das zum Teil wiederholte Verschwinden der Tiere suspekt: Kater Merlin aus Berikon verschwindet im Sommer 2014 zum ersten Mal. Einige Wochen nach seinem Verschwinden meldet sich ein Tierarzt aus Mellingen, Waldarbeiter hatten das abgemagerte Tier aufgegriffen.

Da der Kater gechipt war, konnte der Tierarzt die Besitzer ausfindig machen und informieren. Am 16. Januar diese Jahres verschwindet Merlin wieder, diesmal für sechs Wochen. Eine Familie in Scherz bei Mellingen findet die Katze in ihrem Garten und bringt sie zum nächsten Tierarzt.

Der zutrauliche Kater kam trotz eisiger Temperaturen wohlgenährt nach Hause. Die Besitzer werden misstrauisch. Seit Anfang Mai ist Merlin nun zum dritten Mal verschwunden, seither fehlt jede Spur vom grau-weiss gefleckten Kater. Er ist mittlerweile der vierte Kater, den die Familie vermisst. Der erste Kater verschwindet an Ostern 2009. In den kommenden Jahren verschwinden zwei weitere Katzen.

Drei Tage bevor Merlin das letzte Mal gesehen wurde, verschwindet auch die Katze der Nachbarin – bis anhin spurlos. Eine weitere Anwohnerin vermisst den getigerten Kater Jeamy seit vergangenen Oktober und den zweiten Kater Silent seit April. Auch diese beiden Katzen haben einen Chip implantiert.

Crusoe, ein zweijähriger Maine-Coon-Kater aus dem Chörenmattquartier, wird seit April vermisst. Rund zwei Wochen nach dem Verschwinden wird der Kater auf der Hauptstrasse in Mellingen tot aufgefunden.

Wachsamkeit ist gefragt

Dass Katzen entlaufen, ist nicht ungewöhnlich. Die Tiere gelten als Streuner, die teilweise über Tage hinweg auf der Jagd sind. Gegenüber der az Freiamt berichten die Betroffenen, dass es sich bei Merlin, Crusoe, Jeamy und Silent um zutrauliche, an Menschen gewöhnte Katzen handle. Sie seien mindestens einmal pro Tag zu Hause gewesen und nachts für einen Spaziergang nach draussen gegangen. Gerade deshalb ist die ausgebliebene Rückkehr der Katzen für die Besitzer ein Rätsel.

Zudem tauchen Merlin, Crusoe, wie auch eine weitere Katze aus Berikon allesamt in der Region Bözberg, Brugg und Mellingen auf. Die Laufstrecke von Berikon in die besagte Region misst rund 15 und 18 Kilometer. Laut den Besitzern können gewisse Katzen eine solche Strecke laufen, bei weitem aber nicht alle. Die vermissten Katzen haben sich durch ein ähnliches Verhaltensmuster charakterisiert: Sie waren im näheren Umkreis des Wohnortes unterwegs und nicht für lange Laufstrecken bekannt. Das Verteilen von Flyern im Quartier und der Gemeinde Berikon, auch das Nachfragen bei Anwohnern hat so weit nichts ergeben. Niemand hat die vermissten Katzen gesehen.

Beweise fehlen

Auch die Polizei kann kaum Hilfe bieten. «Damit wir aktiv werden können, müssen Beweise für Tierquälerei vorliegen oder Beobachtungen gemacht werden, wie die Katzen verschwinden», sagt die Medienstelle der Kantonspolizei Aargau.

Laut dem Aargauischen Tierschutzverein ist es eine schwierige Angelegenheit: «Katzen verschwinden aus unterschiedlichen Gründen. Nicht alle Gemeinden verfügen über ein Chip-Lesegerät. So kommt es heute noch vor, dass abgegebene Katzen neu vermittelt werden, ohne dass die bisherigen Besitzer informiert werden können.»

Natürlich gäbe es immer wieder Menschen, die Katzen entwendeten – dafür aber brauche es Beweise. Der Tierschutzverein empfiehlt, mit Flyern auf die vermissten Tiere aufmerksam zu machen, Nachbarn und Anwohner anzusprechen und sie um Wachsamkeit zu bitten. Der Verein unterstützt Betroffene bei solchem Vorgehen.

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