Muri
Im Altersheim wird tüchtig geschraubt: Studentinnen bauen mit Senioren Blumenbeete

Von der Vorbereitung bis zur Fertigstellung ist es ein Gemeinschaftswerk: Sechs Studentinnen bauen mit Seniorinnen und Senioren Hochbeete für Blumen und Gemüse

Eddy Schambron
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Frieda Egger und Bruno Hartmeier (links) schauen mit den Studentinnen Hans Ulrich Vetsch zu, der genau Mass nimmt, bevor er eine Schraube setzt.

Frieda Egger und Bruno Hartmeier (links) schauen mit den Studentinnen Hans Ulrich Vetsch zu, der genau Mass nimmt, bevor er eine Schraube setzt.

Eddy Schambron

Die Stimmung ist locker: Im Altersheim St. Martin in Muri werden zwei Hochbeete aus Holzbrettern gebaut, die in Zukunft den Bewohnenden mit Blumen, Kräutern oder Gemüse Freude machen sollen. Aussergewöhnlich ist, dass dies die Bewohnerinnen und Bewohner zusammen mit sechs jungen Frauen tun. Von der Vorbereitung bis zur Fertigstellung ist es ein Gemeinschaftswerk. Andrea Galizia, Joana Habermacher, Ria Hüsler, Filomena Knüsel, Ursina Lüscher und Natalie Wüst studieren an der höheren Fachschule für Sozialpädagogik in Luzern. Es ist eine Projektarbeit in ihrem zweiten Studienjahr. «Es ist schön, zu sehen, wie neugierig die älteren Leute sind und mit welcher Freude sie mitmachen», sagt Lüscher. Dankbar sind die Studentinnen für die Unterstützung von der Schreinerei Murimoos, vom Gartenbau Stutzer und der Gärtnerei Wanninger. Selbst beim Abholen sämtlicher Materialien haben die Bewohner mitgeholfen.

Es geht darum, zusammen eine gute Zeit zu verbringen und über den Bau der Hochbeete ins Gespräch zu kommen, Ressourcen zu aktivieren. Die Teilnahme ist für die Bewohnerinnen und Bewohner selbstverständlich freiwillig, und einige, die mitmachen, waren zuerst skeptisch. «Aber dann kommt schnell die Freude mit der Feststellung: Ich kann noch bohren. Es geht noch, vielleicht langsamer als früher, aber es geht», fasst Natalie Wüst zusammen, was passiert, wenn es ans Werk geht. Tatsächlich haben die Teilnehmenden Spass an der Arbeit.

Mit Unterstützung

Hans Ulrich Vetsch dreht mit dem Akkubohrer eine Schraube ins Holz. Frieda Egger, die in einer Alterswohnung lebt, hilft ihm dabei. Unterstützung erhalten sie von Bruno Hartmeier, «ein Hölziger», wie Vetsch klarmacht. Er arbeitet normalerweise im Murimoos und schaut jetzt hier, dass die Schrauben gerade ins Holz getrieben werden und dass sich niemand mit dem Hammer auf den Daumen klopft. Und er nimmt es genau: 23,9 Zentimeter misst Studentin Andrea Galizia. «Nichts da», sagt Hartmeier und machts vor, «23,7 Zentimeter müssen es sein.» Alle lachen herzlich.

Was froh macht, ist gesund

Gesundheitsförderung kann als Überbegriff dieser Projektarbeit gelten. Sie trägt den Titel «Gestaltung von Raum und gemeinsamer Zeit» und dauert eine Woche. «Wer soziale Kontakte hat, selbstwirksam mitgestalten kann und Wertschätzung erfährt, empfindet Freude, dies hält alle Menschen gesund», erklärt Andrea Galizia. Am Freitag werden sie und ihre Mitstudentinnen zusammen mit den Teilnehmenden die zwei Hochbeete beziehungsweise «die gute Zeit miteinander» auch noch feiern. Und in ein, zwei Monaten werden sie nochmals mit den Murianer Seniorinnen und Senioren zusammenkommen und ihr Projekt, mit vielen Fotos illustriert, in Erinnerung rufen.

Eine Erinnerung, die nicht nur bei den Bewohnerinnen und Bewohnern des Altersheims St. Martin nachklingen wird. «Wir wurden hier völlig unkompliziert aufgenommen. Wir können uns frei bewegen, Raum nutzen und Kaffee trinken», freut sich Ursina Lüscher. «Und Heimleiter Josef Villiger will das Projekt sogar in einer geeigneten Form weiterführen», stellt Natalie Wüst fest. Selber finden die jungen Frauen den Kontakt mit der älteren Generation ebenfalls bereichernd: «Es kommt von ihnen viel zurück, sie freuen sich, dass wir uns für sie Zeit nehmen und zeigen das auch. Sie blühen auf. Es ist anders, als wenn man in ein Altersheim kommt, alle mehr oder weniger für sich schauen und alles ruhig ist.»

Unter dem Vordach des Altersheims St. Martin will eine Schraube nicht richtig rein. Da nützt alles Drücken nichts. Bruno Hartmeier stellt fest, dass der Akku des Schraubendrehers allmählich schwächelt. «Also nicht mein Fehler», lacht Hans Ulrich Vetsch erleichtert. Mit dem neuen Akku dreht er schliesslich die Schraube wie in Butter. «Perfekt», findet Frieda Egger.