Der zurückgetretene Gemeindeammann von Oberwil-Lieli, Andreas Glarner (SVP), hat in den vergangenen zehn Jahren für viel Aufregung und Diskussionen gesorgt, weit über die Gemeindegrenzen hinaus. Unter seiner Führung hat sich der Gemeinderat für einige Bürger zu hart nach rechts ausgerichtet. Darum haben sich Rita Brem und Roger Gündel als Gemeinderäte aufstellen lassen, um neuen, eher links-grünen Wind ins Gremium zu bringen.

Die Rechnung ist nicht aufgegangen. Der Souverän hat den drei Bisherigen Ilias Läber, Christoph Emmenegger und Sven Saladin das Vertrauen ausgesprochen. Neu in den Rat haben sie den parteilosen aber ebenfalls dem bürgerlichen Lager zugehörigen Stefan Strebel sowie Gabriela Bader-Füglistaler (beide parteilos) gewählt. «Das Ergebnis ist sehr, sehr, sehr gut», freut sich Annemarie Hofer, Präsidentin der SVP-Ortspartei. «Unser abtretender Gemeindeammann hinterlässt grosse Fussstapfen. Um in diesen weiterzugehen, braucht es bewährte Kräfte. Das ist sicherer, als wenn jetzt Querschläger dazwischen kämen.»

Roger Gündel, nach eigener Aussage ein «Spinatgrüner», ist einer dieser beiden «Querschläger», die versucht haben, neue Sichtweisen in den Gemeinderat zu tragen. Er beurteilt das Wahlergebnis pragmatisch: «Für mich bedeutet das, dass die Bevölkerung die Kontinuität will. Ich hatte das Gefühl, ein Grüner hätte dem Gemeinderat gut getan. Aber scheinbar war die Angst vor Veränderungen zu gross.» Veränderungen sind nicht das, wonach Annemarie Hofer der Sinn steht: «Wir werden immer als ‹konservativ› abgestempelt. Dabei kommt das von lateinisch conservare, was soviel bedeutet wie bewahren, das Bewährte erhalten. Die Abstimmungszahlen zeigen deutlich, dass das Volk unsere Partei und unsere Meinung bestätigt.»

Für Roger Gündel ist die Niederlage nicht so schlimm: «Die bisherigen Gemeinderäte sind nicht so angriffig, wie es Andreas Glarner war. Dass er weg ist, ist die grösste Verbesserung. Ich glaube, die jetzt Gewählten sind alle konsensfähig. Es ist eigentlich schade, dass sie nicht vorher schon mehr Einfluss genommen haben.» Ihm sei klar, so Gündel weiter, dass sich mit ihm oder Rita Brem im Gemeinderat nichts grundlegend geändert hätte. «Rita Brem und auch ich waren schon vorher so, dass wir primär gearbeitet haben und nicht politisiert. Das wird jetzt auch nicht anders. Ich arbeite weiter, und wenn ich auch nicht meine Ideen oder Vorschläge direkt in den Gemeinderat einbringen kann, dann habe ich immer noch die Möglichkeit, mich an der Gemeindeversammlung zu Wort zu melden, wenn ich meine Meinung einbringen will.»