«Im Mittelalter, da waren die Seifensieder am Stadtrand angesiedelt. Genau wie Henker, Ledergerber und Prostituierte. Man hat ihnen die Schlachtabfälle gebracht, damit sie die Knochen auskochen konnten, und das hat fürchterlich gestunken», erzählt Nicola Casanova.

Die Zufikerin, die vor zwanzig Jahren begonnen hat, Seife herzustellen, lebt selbst am Rand des Dorfes. In ihrer Garage riecht es aber nicht nach Schlachtabfällen, sondern nach Zitrone und Oliven, nach Heu und Orangen – unzählige Düfte, die die Nase überraschen.

Das Fett, das nebst Lauge und Wasser für jede Seife benötigt wird, stammt nicht aus Knochenmark, stattdessen wird heute Öl verwendet. «In der Industrie kommt häufig Palmöl zum Einsatz, das benutze ich aber aus ethischen Gründen nicht», erklärt Casanova. Am liebsten würde sie alle Rohstoffe aus der Region beziehen.

Auf Olivenöl kann sie aber nicht verzichten: «Würde ich grösstenteils Rapsöl verwenden, würde das Produkt zu weich, und Sonnenblumenöl wird schnell ranzig. Jedes Öl hat seine Besonderheiten, das eine schäumt mehr, ein anderes sorgt dafür, dass die Haut mit besonders viel Mineralien versorgt wird – deshalb verwende ich häufig eine Mischung.»

Mehr als Seife

«Duschmödeli» nennt Casanova die wohlriechenden, bunten Steine. «Bei Seife haben die Leute das Gefühl, man könne sie nur für die Hände benutzen.» Die Duschmödeli können dagegen das Duschgel ersetzen. Das Sortiment umfasst zudem Haar- und Rasiermödeli, Deos und andere Pflegeprodukte.

Zu Beginn sott die Zufikerin ihre Seife nur für den Eigengebrauch. 2010 hängte die technische Einkäuferin ihren Beruf jedoch an den Nagel – ein Vorgesetzter hatte ihr das Leben schwer gemacht. «Ich sass also zu Hause, und meine bessere Hälfte schob Panik – im Leben sollte man schliesslich einen Plan haben», erzählt sie grinsend.

Da beschloss sie, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Von der Internetseite über Produktfotos und Herstellung bis zu den Steuern macht sie alles alleine. «Eigentlich bin ich nicht Seifensiederin, sondern Betriebswirtin», sagt Casanova. Seit knapp zwei Jahren kann die Zufikerin von ihrem Geschäft bescheiden leben.

Drei Gramm Papier

Warum aber sollten die Leute Duschmödeli für ihre Körperpflege kaufen anstelle von Seifen und Shampoos vom Grossverteiler, die viel günstiger sind? Casanova holt zur Erklärung einen Korb mit über einem Dutzend Fläschchen, in denen sich Flüssigkeiten und Pülverchen befinden.

«All diese Inhaltsstoffe werden in einer gewöhnlichen Seife vermischt, und zwar noch ohne die Duftstoffe», erklärt sie. Das Produkt müsse von grossen Maschinen verarbeitet werden, auf dem Transport extreme Temperaturdifferenzen überstehen und jahrelang gelagert werden können.

Deshalb enthält es mehr Chemie und weniger Öl – das kann die Haut austrocknen. Da ist es nicht verwunderlich, wenn Casanova erzählt: «Ich habe viele Kunden, die mit Hautproblemen zu mir kamen.» Dem Korb gegenüber stehen drei Flaschen: Öl, Wasser und Lauge, die Grundstoffe ihrer Seifen. Nach dem Duschen mit der Naturseife benötigt man nicht einmal Bodylotion, weil sie die Haut bereits ausreichend fettet und keinerlei chemische Zusatzstoffe enthält.

Ein weiterer Aspekt ist der ökologische: Nebst dem, dass soweit möglich regionale Produkte verwendet werden, wird ein Duschmödeli lediglich in 3 Gramm Papier verpackt. «Allein wegen des Duschmittels produziert ein Paar pro Jahr etwa 3 Kilogramm Kunststoffabfall. Rechnet man das auf die Stadt Bern hoch, kommen rund 41 Tonnen zusammen», rechnet sie vor.

Die Herstellung

Die Duschmödeli entstehen in der Garage, die Casanova zur Seifenfabrik umfunktioniert hat. Nur die Lauge muss sie draussen mit dem Wasser anrühren, weil hierbei giftige Dämpfe entstehen. Nach etwa einer halben Stunde werden die zuvor abgewogenen und temperierten Öle hinzugefügt. Dann siedet die Flüssigkeit, plustert sich auf und fällt wieder in sich zusammen, je nach Ölmischung eine Stunde bis fünf Viertel.

Am Schluss fügt Casanova natürliche ätherische Öle hinzu, bei manchen Duschmödeli auch Kräuter, Milch oder Honig. Die Düfte stehen in einem Regal, in grünen Glasflaschen, bei denen zusätzlich vermerkt ist, ob es eine Kopf-, Herz- oder Basisnote ist – je nach Intensität und Beständigkeit.

Die dicke Masse giesst Casanova in mit Backpapier ausgelegte Holzformen. Nach einem Tag werden sie herausgenommen und mit einer Art überdimensionalem Eierschneider in Stücke geschnitten. Nach weiteren zwei bis vier Wochen Trocknung werden die Duschmödeli verpackt, damit die ätherischen Öle erhalten bleiben.

Wenn Casanova erzählt, wie sie die Mödli herstellt, wenn man einen Blick in die Garage wirft und mit geschlossenen Augen die Düfte auf sich wirken lässt, wird rasch klar, dass dieses Produkt mit einer industriell gefertigten Seife nicht viel gemeinsam hat.