Oberwil-Lieli
IG Solidarität bietet Gratis-Asylwohnung an – Ammann Glarner lehnt ab

Eine Privatperson bietet eine Liegenschaft für Asylbewerber an. Für die Gemeinde wäre diese Lösung kostenneutral, doch SVP-Ammann Andreas Glarner will von einem solchen Angebot nichts wissen.

Fabian Hägler
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Am 27. September fand in Oberwil-Lieli eine Demonstration für die Aufnahme von Flüchtlingen statt.

Am 27. September fand in Oberwil-Lieli eine Demonstration für die Aufnahme von Flüchtlingen statt.

Am 1. Mai stimmt die Bevölkerung von Oberwil-Lieli an der Urne darüber ab, ob die Gemeinde künftig Flüchtlinge aufnehmen soll. Knapp einen Monat vorher macht die IG Solidarität Oberwil-Lieli, die sich für die Aufnahme einsetzt, dem Gemeinderat ein ungewöhnliches Angebot.

«Eine Privatperson hat sich bei uns gemeldet und uns gebeten, der Gemeinde eine 6,5-Zimmer-Mietwohnung als Asylunterkunft anzubieten», sagt Martin Uebelhart, Mediensprecher der IG. Die Liegenschaft eigne sich bestens für die Aufnahme von zwei Familien, hält Uebelhart fest.

Oberwil-Lieli müsste gemäss dem kantonalen Verteilschlüssel neun vorläufig aufgenommene Flüchtlinge im Dorf unterbringen – diese könnten laut dem IG-Sprecher in der angebotenen Wohnung leben. «Für die Gemeinde wäre dies erst noch kostenneutral», sagt Uebelhart. Dies, weil Personen aus dem Umfeld der IG die Differenz zwischen dem Beitrag des Kantons für die Unterbringung und der ortsüblichen Jahresmiete bezahlen würde.

Konkret: Der monatliche Mietzins für die Wohnung beträgt 2500 Franken, das macht 30'000 Franken im Jahr. Der Kanton würde laut Uebelhart eine Jahrespauschale von 20'000 Franken entrichten, die restlichen 10'000 Franken würden die Privatpersonen übernehmen. «Und zwar für fünf Jahre, sie haben sich schriftlich dazu verpflichtet.» Damit wäre laut dem IG-Sprecher ein Hauptargument der Gegner einer Flüchtlingsaufnahme entkräftet, «nämlich die Kosten, die der Gemeinde entstehen».

Wohnung ab 1. Juli verfügbar

Martin Uebelhart sagt, das Haus sei per 1. Juli bezugsbereit. «Wird an der Referendumsabstimmung vom 1. Mai das Budget angenommen, so kann der Gemeinderat dem Kanton unverzüglich mitteilen, dass die Gemeinde die ihr zugewiesenen asylsuchenden Menschen aufnimmt und dass eine Unterkunft für zwei Familien bereit steht.»

Gar nicht begeistert vom Angebot der IG ist SVP-Gemeindeammann Andreas Glarner. «Zuerst muss auf jeden Fall die Abstimmung abgewartet werden, vorher ist das kein Thema», sagt er. Glarner kritisiert weiter, der Standort der angebotenen Wohnung sei ungünstig. «Sie liegt direkt neben dem Kindergarten, wir können uns nicht aussuchen, was für Flüchtlinge wir erhalten, deshalb kann der Gemeinderat ein solches Risiko nicht eingehen», hält er fest.

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