Musik, insbesondere die Geige, spielte schon immer eine zentrale Rolle im Leben von Ferdinand Weissenbach. In der Primarschule hatte er seinen ersten grossen Soloauftritt bei «Junge Freiämter Talente stellen sich vor», vor mehreren hundert Leuten stand er im Casino Bremgarten auf der Bühne.

Vor wenigen Tagen hat er es nun sogar bis ins Hallenstadion geschafft: Mit dem Alumni Sinfonieorchester Zürich durfte er Andrea Bocelli begleiten. «Vor 9000 Leuten, mit einem weltbekannten Sänger, das war ein einmaliges Erlebnis», erzählt der Bremgarter.

Mehrmals habe er an diesem Abend Gänsehaut bekommen. «Man hat die Emotionen, die aus dem Publikum kamen, regelrecht gespürt. In den Momenten, in denen wir die weltbekannten Melodien gespielt haben, war das Gefühl überwältigend.»

Dass Ferdinand sich für Musik begeistert, spürte seine Mutter Dora schon, als er noch gar nicht auf der Welt war. «Als wir uns Westside-Story ansahen, hat er sich in meinem Bauch bewegt, er war unruhig wie noch nie», erinnert sie sich. Auch als Baby hat Ferdinand auf Musik reagiert. «Wenn ich Blockflöte spielte und mit dem Fuss den Takt angab, dann hielt er sich an meinem Zeh fest.»

Musik blieb immer ein Hobby

Als er drei Jahre alt war, mietete Familie Weissenbach die erste Geige für Ferdinand. Eine Sechzentelgeige, viel kleiner als eine normale Geige. Aber Ferdinand wollte nicht geigen. Erst als die Familie bei einem Ausflug auf die Rigi ein Trio mit Bassgeige hörte, sagte Ferdinand: «Ich will Bassgeige spielen.»

Kurzerhand montierte Ferdinands Vater an eine alte Geige einen kleinen Stecken, sodass sein Sohn das Instrument wie eine Bassgeige spielen konnte. Mit fünf Jahren kam er dann auf die «normale» Geige zurück und hatte auch den Wunsch, das Instrument richtig zu lernen. Fortan besuchte er den Geigenunterricht der Musikschule, später hatte Ferdinand professionellere Geigenlehrer.

An der Kanti Wohlen überlegte er sich, ob er Musik studieren möchte, entschied sich aber dagegen. Zweifellos hätte aus dem Bremgarter auch ein Berufsmusiker werden können. Seine Entscheidung bereut er nicht: «Mir ist es lieber, die Musik ist ein Hobby. Mir war immer wichtig, dass ich nicht Geige spielen muss, sondern aus reiner Freude musizieren kann», so der 33-Jährige.

Diese Freude spiegelt sich auch heute noch in seinem Gesicht, wenn er von seinem Auftritt im Hallenstadion erzählt. Dabei hätte er sich beinahe dagegen entschieden: «Als ich angefragt wurde, wollte ich zuerst absagen, weil ich so viel zu tun hatte», erinnert sich Weissenbach, der Politikwissenschaften studiert.

«Aber dann dachte ich, es wäre so cool, da mitzuspielen, das musst du einfach machen.» Und es hat sich gelohnt. Ferdinand kommt ins Schwärmen, wenn er von diesem besonderen Sonntag erzählt: Das Ambiente, Sicherheitsleute, die die Kabine bewachen, die Lichtshow, Bocelli begeistert das Publikum, tosender Applaus. Seine Mutter ergänzt stolz: «Ferdinand war auf der Leinwand zu sehen.»

Gut eingespieltes Orchester

Und wie war Andrea Bocelli selbst? «Er war mir sehr sympathisch, allerdings hatte ich wenig Gelegenheit, ihn kennen zu lernen», erzählt Weissenbach. An der Generalprobe, die von zwei bis fünf Uhr angesetzt war, ist Bocelli erst um halb fünf aufgetaucht.

«Wir waren beim Proben und er kam singend auf die Bühne, das war toll. Aber wir konnten nicht mal alle Stücke mit ihm durchspielen, wir konnten nur eine Viertelstunde mit ihm zusammen proben», erzählt er. Für den Auftritt war das kein Problem. «Im Orchester sind wir gut aufeinander eingespielt. An gewissen Stellen musste man einfach gut auf den Dirigenten schauen. Schwieriger war es, die Noten im Auge zu behalten, weil sie durch die wechselnden Lichter schwer zu lesen waren.»

Und was wünscht sich der begeisterte Musiker für die Zukunft? «Dass ich zu neuen Engagements komme, zum Beispiel würde ich gerne Kammermusik spielen oder solistisch auftreten.»