Reusspark

«Ich wollte anderen helfen» – Pionierin der Demenzpflege hat Alltag von Dementen und Pflegenden auf den Kopf gestellt

Verena Hirth erhielt den Fokuspreis von Alzheimer Aargau

Verena Hirth erhielt den Fokuspreis von Alzheimer Aargau

Verena Hirth, Pionierin der Demenzpflege, erhielt von Alzheimer Aargau den Fokuspreis. Sie arbeitete im Niederwiler Reusspark.

«Es braucht Empathie, Beobachtungsgabe und Präsenz», fasst Verena Hirth die wichtigsten Anforderungen für Pflegende von Demenzerkrankten zusammen. Die 81-Jährige weiss, wovon sie spricht: Während Jahren leitete sie eine Wohngruppe für Demente im Reusspark. Daneben engagierte sie sich in der Begleitung und Beratung von Demenzbetroffenen und deren Angehörigen und war drei Jahre lang Präsidentin von Alzheimer Aargau. Am Montagabend erhielt sie anlässlich der Generalversammlung von Alzheimer Aargau und des Weltalzheimertages den Fokuspreis verliehen.

Verena Hirth (Mitte) erhält den Fokuspreis von Alzheimer Aargau.

Verena Hirth (Mitte) erhält den Fokuspreis von Alzheimer Aargau.

Anfangs herrschten Neid und Missgunst

Verena Hirth ist eine Spätberufene. Mit 49 Jahren machte die gelernte Verkäuferin und Mutter zweier Töchter ihren Berufswunsch wahr und absolvierte die zwei Jahre dauernde Ausbildung an der Pflegeschule in Brugg. «Ich wollte anderen helfen», nennt sie die Motivation für den Beruf. Als frisch diplomierte Gesunden- und Krankenpflegerin trat sie 1990 ihre erste Stelle am Kantonsspital in Baden an. «Diese Ausbildung war neu, wir frisch ausgebildeten Frauen hatten mit Neid und Missgunst der anderen Pflegenden zu kämpfen», erzählt sie. Dies war der Grund, dass sie anschliessend noch die Diplomausbildung absolvierte. Als Pflegefachfrau wurden ihr Wissen und Können nicht mehr in Frage gestellt. Bald darauf trat sie die Stelle im Reusspark an.

«Wir fragten uns, was die Bewohner wünschen»

Gemeinsam mit dem damaligen Abteilungsleiter Erich Weidmann schlug sie bei der Betreuung von Dementen neue Wege ein. «Wir fragten uns, was die Bewohner brauchen und was sie wünschen», blickt sie zurück. Hatten bis anhin die Pflegenden den Alltag der Bewohner bestimmt, wurden nun deren Bedürfnisse in den Mittelpunkt gestellt. Dazu gehörte, dass man sich regelmässig mit den Angehörigen zum Kaffee traf oder täglich einen Spaziergang unternahm. Damals betreuten zwei Pflegefachfrauen acht Demente. «Das brauchte enorm viel Energie. Bis wir alle angezogen hatten, lagen die ersten schon wieder in ihren Betten», erzählt sie schmunzelnd und fügt an, «die Pflege von Dementen ist eine Intensivpflege.»

Fachleute zu Besuch

Verena Hirth wurde gemeinsam mit ihrem Team mit der neuen Art der Betreuung zur Pionierin der «guten Demenzpflege». Nicht nur bei ihrem Arbeitgeber, sondern schweizweit. Nachdem sie die Leitung der Wohngemeinschaft für Demente übernommen hatte, verging nämlich keine Woche, in der nicht Fachleute zu Besuch kamen, um einen Eindruck vom Pflegealltag zu erhalten. Und dies ist bis heute so geblieben.

Die 81-Jährige hielt dem Reusspark über ihre Pensionierung hinaus die Treue und stand mit Rat und Tat zur Seite. Vor einigen Jahren trat sie kürzer. Doch ganz lassen kann sie es nicht. Sie besucht weiterhin Demente in ihrer Wohngemeinde Ennetbaden und steht Betreuenden zur Seite. «Dementenpflege ist die menschlichste Pflege, man kann sich dabei nicht verstecken», schwärmt sie vom Beruf, der für sie zugleich Berufung war.

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