Kelleramt

«Ich verstehe mich als Waldsprecher»: Urs Huber ist seit 25 Jahren Revierförster im Freiamt

Förster Urs Huber in Oberlunkhofen beim Überbleibsel einer 150 Jahre alten Eiche, die 1999 dem Orkan Lothar zum Opfer fiel.

Förster Urs Huber in Oberlunkhofen beim Überbleibsel einer 150 Jahre alten Eiche, die 1999 dem Orkan Lothar zum Opfer fiel.

Urs Huber kümmert sich im Kelleramt um 555 Hektaren Wald in sechs Gemeinden. In seinen Jahren als Förster hat sich sein Beruf verändert – auch aufgrund des Klimawandels.

Wenn er von seinen Wäldern spricht, wirkt es so, als würde er von einem guten alten Freund erzählen. Er hat ihren Wandel über fast vier Jahrzehnte hinweg hautnah miterlebt. Einige Jahre nach seiner Forstwartlehre hat Urs Huber am 1. Januar 1996, also vor 25 Jahren, die Stelle als Gemeindeförster von Oberlunkhofen und Zufikon angetreten.

Im Jahr 2000 bekam er zusätzlich die Wälder der Gemeinde Jonen zugeteilt und wurde Betriebsleiter des neu gegründeten Forstbetriebs Kelleramt. Danach kamen Arni, Islisberg und Eggenwil dazu. Der 53-Jährige ist heute Revierförster im Kelleramt, Zufikon und Eggenwil. Huber trägt die Verantwortung über insgesamt 555 Hektaren Wald in sechs Gemeinden.

Der Klimawandel bringt neue Herausforderungen

Als Förster sei es laut Huber wichtig, dass man fortlaufend den Wald und wie er sich verändert, aufmerksam beobachtet. So lerne man den Wald kennen und kann ihn nachhaltig forsten. Wichtig sei dabei, dass man zukunftsorientiert denkt: Er erwähnt dabei einen Zeithorizont von einem Jahrhundert.

«In den letzten Jahren gab es überdurchschnittlich viel Schadholz», fährt er fort. Für ihn liegt auf der Hand, dass der Klimawandel dafür verantwortlich ist: «Seit zehn Jahren haben wir wenig Niederschlag, was sonderbar ist. Und es ist nun mal so, dass wir viele Fichten in unseren Wäldern haben. Deren Wurzeln sind nicht sehr tief, sie haben daher einen Nachteil gegenüber anderen Baumarten. An den neuen Feuchtigkeitsstand ist die Fichte nicht gewohnt. Aus diesem Grund produziert sie weniger Harz, was sie anfälliger für Borkenkäfer macht. Und das führt zu mehr Schadholz», erklärt Huber. «Man muss vermehrt Bäume pflanzen und pflegen, die die neuen Klimabedingungen verkraften.»

Huber denkt, dass es sinnvoll wäre, wieder mehr Eichen in den Kellerämter Wäldern zu haben. Diese seien aufgrund ihrer tiefen Wurzeln «klimafit». Die Eichen trotzen Stürmen, Hitze, Kälte und Trockenheit besser als andere Bäume.

Forstbetrieb lässt das Holz nicht einfach verfaulen

Das Schadholz führt zum nächsten Problem: «Das Holz zu verkaufen, ist nicht einfach. Der Holzmarkt in Europa ist offen. Konkret heisst das: Wir haben einen preislichen Nachteil gegenüber anderen europäischen Ländern.» Das bedeute aber nicht, dass der Forstbetrieb das Holz einfach verfaulen lasse. Das Holz eigne sich sehr gut für die Erzeugung von Wärme. So kann es zwar verwendet werden – was besser ist als gar nicht –, aber es sei absurd, so Huber, da es sich um sehr gute Holzqualität handle. Er zeigt sich frustriert darüber, dass die Schweiz nicht das volle Potenzial ihrer Wertschöpfung nutzt.

«Ich will immer das Beste und Nachhaltigste für den Wald»

Auf die Frage hin, wie sich dadurch im Laufe der 25 Jahren seine Arbeit für den Betrieb verändert habe, antwortet Huber: «Die Zeitdauer, während der wir im Wald arbeiten, beträgt nur noch einen Viertel im Vergleich zu früher. Nebst der Waldarbeit verbringe ich viel Zeit im Büro bei administrativer Arbeit. Zudem kümmere ich mich um Bauamtsarbeiten für die Gemeinden sowie Aufgaben in den Bereichen Landschaftspflege und Gewässerunterhalt. Oder den Unterhalt der offiziellen Wanderwege. Aus diesem Grund sind meine Betriebe trotz des Nachteils auf dem Holzmarkt wirtschaftlich sehr gut aufgestellt.»

Wenn die Arbeit Freude macht und motiviert

«Ich verstehe mich als Waldsprecher. Ich will immer das Beste und Nachhaltigste für den Wald. Denn der Waldbesitzer, also die jeweilige Gemeinde, hat einen Anspruch darauf, dass ich den Wald so bewirtschafte, wie es vom Kanton verlangt wird», sagt Huber. Bei der Führung seiner Forstbetriebe sei es für ihn wichtig, den Mitarbeitern möglichst viel Freiheit zu lassen. «Das gibt meinen Mitarbeitern Motivation – das ist der wichtigste Treiber für das Funktionieren eines Teams. Jeder meiner Mitarbeiter hat Freude an der Arbeit.» Das Schönste in seinen 25 Jahren als Revierförster sei einerseits gewesen, dass innerhalb seines Forstbetriebs nie ein schwerwiegender Unfall geschehen sei. «Zumal mein Beruf nicht gerade der ungefährlichste ist», fügt er an.

Und andererseits, dass er immer von allen Mitarbeitern und der Gemeinde sehr gut begleitet worden sei und grosse Wertschätzung erhalten habe. Dies auch in Form von diversen Auszeichnungen, die ihm verliehen wurden.

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