Dottikon

«Ich habe viel zu sagen» – warum Sängerin Luisa José bei DSDS ausgestiegen ist und was sie nun tut

«Ich will unbedingt etwas mit Musik machen»: Auch wenn Luisa José bei «Deutschland sucht den Superstar» nicht mehr dabei ist, will sie weiter singen.

«Ich will unbedingt etwas mit Musik machen»: Auch wenn Luisa José bei «Deutschland sucht den Superstar» nicht mehr dabei ist, will sie weiter singen.

Trotz der goldenen CD von Xavier Naidoo konnte Luisa José bei «Deutschland sucht den Superstar» nicht zum Recall nach Thailand – nun konzentriert sie sich auf Instagram, Youtube und ihre Ausbildung.

Es ist kurz vor 17 Uhr an einem Mittwochabend, die Abendsonne leuchtet in warmen Farben über einem friedlichen Wohnquartier in Dottikon. In einer der Wohnungen lebt Luisa José, Künstlername Luizella. Im Januar wurde ihr Casting bei «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS) ausgestrahlt, in dem sie von Xavier Naidoo die goldene CD und somit den Direkteinzug ins Auslandcasting in Thailand erhielt. Über eine Million Mal wurde das Video angeklickt. 

Seither ist die 18-jährige Sängerin gefragt: Ihre Follower auf Instagram sind von 21'000 auf fast 50'000 angestiegen, auf Youtube hat sie bald 2000 Abonnenten, Journalisten wollen sie für Interviews treffen.

Einen Termin mit der Aargauerin zu erhalten, ist schwierig. Doch zum ausgemachten Zeitpunkt ist Luisa nicht zu Hause, wie ihre Mutter erklärt. Sie meldet sich via Mail und kündet 20 Minuten Verspätung an. Draussen spielen die Kinder im Innenhof bereits in der Dämmerung, als sie gegen 18 Uhr mit einer knappen Stunde Verspätung eintrifft.

DSDS ist vorbei

Sobald Luisa José den Raum betritt, nimmt sie ihn ein. Sie strahlt, ist freundlich und entschuldigt sich mit einem herzhaften Lachen. Und man vergisst, dass man sich einige Minuten zuvor noch geärgert hat. Sie tritt vor die Kamera, noch bevor sie ihre Schuhe oder die Jacke auszieht, verhält sich vor der Linse wie ein Profi. Auch im Gespräch ist deutlich, dass dies nicht ihr erstes Interview ist. Über ihr Privatleben spricht sie genauso offen wie über ihre Zeit bei DSDS.

Diese ist trotz ihres erfolgreichen Castings mittlerweile vorbei. Denn für die Reise nach Thailand hätte sie ein Visum gebraucht. José lebt zwar in der Schweiz, hat aber die angolanische Staatsbürgerschaft. Für das Visum hatte sie keinen gültigen Reisepass – ihr alter Pass war abgelaufen, einen neuen bestellte sie nicht rechtzeitig. «Wir hatten richtig Stress. Wir haben alles versucht, damit es noch klappt», erzählt José. Es habe aber nicht gereicht – am Recall konnte die 18-Jährige nicht teilnehmen und musste die Sendung somit verlassen.

Für sie sei dies jedoch nicht tragisch gewesen. «Ich habe die goldene CD von meinem Idol erhalten. Besser gehts gar nicht», so die 18-Jährige. «Es wäre schon fast arrogant von mir, zu glauben, dass ich gewonnen hätte. Die Konkurrenz ist riesig.» 

Viele Türen geöffnet

Doch nur, weil sie in der deutschen Casting-Show nicht mehr mitmacht, zieht sich Luisa José nicht aus der Öffentlichkeit zurück. Durch die Sendung haben sich für sie viele Türen geöffnet, wie José erzählt. «Ich will unbedingt etwas mit Musik machen und singen. Ich habe viele Angebote erhalten, das Leben geht also weiter.»

Auch auf Instagram und Youtube bleibe sie aktiv. «Ich mache gerne mehrere Sachen gleichzeitig. Ich habe mehrere Träume und Wünsche, die muss ich ausleben», so José. Auf Instagram habe sie angefangen, ihre Gedichte zu veröffentlichen. Als sie gemerkt habe, dass ihre Follower eher die Bilder von ihr mit «Gefällt mir» markieren als ihre Poesie, habe sie sich auf den Lifestyle-Bereich fokussiert. Social Media helfe ihr dabei, Kontakte aufrechtzuerhalten.

Auch auf ihrem Youtube-Kanal geht es oft um Lifestyle-Themen. Singen und Songs covern wolle sie auf Youtube nicht: «Das ist 08/15.» Wenn, dann nur ihre eigenen Songs. An solchen arbeite sie zurzeit: «Man kann schon bald eigene Musik von mir erwarten.»

In ihren Videos zeigt sie, wie sie sich schminkt, zeigt ihre Schmucksammlung oder erzählt Geschichten aus ihrem Leben. «Ich habe viel erlebt, viel durchgemacht. Ich finde, ich habe viel zu sagen.» Mit ihren Erfahrungen könne sie vielleicht auch anderen helfen.

In der Schule gemobbt

Luisa José ist in Angola geboren und vierjährig in die Schweiz gekommen, als ihre Eltern wegen des Bürgerkriegs flüchten mussten. Wie das war, fasst sie in einem Wort zusammen: «Scheisse.» In der Schule wurde sie gemobbt, als Flüchtling in einem reichen Quartier ausgegrenzt. «Die Leute schauen und man weiss als Kind nicht, wieso. Im Kindergarten wollten gewisse Kinder meine Hand nicht halten.»

Doch sie wolle nicht in ihren negativen Erfahrungen stecken bleiben. «Das hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin, und dafür bin ich dankbar.» Positive Mitteilungen wolle sie auch auf Social Media ausstrahlen. Sie möchte Menschen motivieren, sich für andere in ähnlichen Situationen einzusetzen.

Sie habe eine afro-amerikanische Seele, sagt José. Aber durch ihr Aufwachsen habe sie auch viele «schweizerische» Seiten. So beispielsweise im Beruf: «Ich finde Wirtschaft total interessant», erzählt sie. «Es sieht vielleicht nicht so aus, aber ich habe eine Leidenschaft dafür.» Trotz ihrer Erfolge auf Social Media sei ihr die Ausbildung wichtig. Momentan ist sie im letzten Lehrjahr als Kauffrau, danach wolle sie sich weiterbilden. «Ich bin die geborene Businesswoman», sagt José.

Autor

Kelly Spielmann

Kelly Spielmann

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