Dottikon

«Ich glaube nicht, dass bei diesem Fussgängerstreifen genügend getan wurde»

Schon vor zwei Jahren stand der Dottiker Fussgängerstreifen in den Schlagzeilen, als dort der 17-jährige Vincent tödlich verletzt wurde.

Schon vor zwei Jahren stand der Dottiker Fussgängerstreifen in den Schlagzeilen, als dort der 17-jährige Vincent tödlich verletzt wurde.

Zwei schwere Unfälle innert zwei Jahren am selben Fussgängerstreifen schrecken die Bevölkerung auf – ein Mitglied der IG Verkehrssicherheit Dottikon stellt die Verbesserungsmassnahmen des Kantons in Frage

Der zweite schwere Unfall beim Fussgängerstreifen auf der Bahnhofstrasse in Dottikon innerhalb von zwei Jahren hat die Diskussion um Fussgängersicherheit erneut angeheizt. Die Leser auf www.aargauerzeitung.ch sind sich einig: Die Problematik liegt in der Verständigung zwischen Fussgängern und Autofahrern.

Getönte Frontscheiben liessen Sichtkontakt nicht zu, sagt beispielsweise Heidi Widmer. Hans Omlin meint, dunkle Kleidung der Fussgänger seien ein Problem - aber auch schlecht beleuchtete Fussgängerstreifen. Dies sei beim jüngsten Unfall in Dottikon nicht das Problem gewesen, sagte gestern Stevan Skeledzic, Leiter Fachstelle Verkehrssicherheit beim Kanton Aargau, gegenüber der az. Die Beleuchtung des besagten Dottiker Fussgängerstreifens werde aber noch angepasst.

Braucht es eine Ampel?

Nicht zufrieden mit der Situation an der Bahnhofstrasse ist Maurizio Fedel von der IG Verkehrssicherheit Dottikon: «Ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass dort genügend getan wurde», sagt er und verweist auf eine vom Kanton in Auftrag gegebene Studie, die Fussgängerstreifen in anderen Gemeinden mit ähnlichem Verkehrsaufkommen untersucht hat. «Dieses Gutachten deutet darauf hin, dass in Dottikon entweder eine Fussgängerampel, eine Fussgängerinsel oder mindestens ein Inselschutzpfosten nötig wäre.» Fedel findet es zudem «unbedarft, diesen zweiten Unfall an der gleichen Stelle einfach als Zufall abzutun».

Halbierung der Anzahl Verkehrstoter

Ein Zufall ist allerdings, dass die Fernsehsendung «10 vor 10» gestern Abend eine Halbierung der Todesfälle auf Fussgängerstreifen vermeldete – 28 Tote waren es 2011, 14 im Jahr 2012. In den vergangenen zwölf Jahren lag die Zahl immer zwischen 20 und 40 Todesfällen. Das Parlament hatte deshalb das Strassensicherheitsprojekt Via sicura erweitert: Die Kantone wurden dazu verpflichtet, ihre Fussgängerstreifen sicherer zu machen. Der Verein Fussverkehr Schweiz schätzt laut «10 vor 10», dass die Hälfte der 45 000 Fussgängerstreifen in der Schweiz nicht sicher sind – es fehlt an Beleuchtung, Beschilderung und Übersichtlichkeit.

Hohe Kosten bei Verletzten

Maurizio Fedel betont, dass die Reduzierung der Todesfälle zwar erfreulich sei, es passierten aber trotzdem noch zu viele Unfälle auf Fussgängerstreifen. «Nicht jeder verunfallte Fussgänger stirbt – pro Jahr gibt es rund 300 Verletzte.» Fedel weiss wovon er spricht. Er ist Direktionsschadeninspektor einer grossen Versicherung und weist auf die entstehenden Kosten hin: «Eine mittelschwer verletzte Person kostet im Durchschnitt 200 000 bis 400 000 Franken – bei Todesfällen können die Kosten leicht in die Millionen gehen.»

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