Abnehmen

«Ich darf Sauce essen – Mama, da will ich hin!»

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Vier Jugendliche aus Wohlen berichten, wie sie durch «Food4Teens» und ganz ohne Diät aus der Fettleibigkeit gefunden haben

«Unser Ziel ist es nicht, dass die Jugendlichen bei uns abnehmen», erklärt Ernährungsberaterin Ewa Jönsson. «Sie sollen nur nicht weiter zunehmen. Denn durch ihr Wachstum verteilt sich das Gewicht. So kommen sie aus der Fettleibigkeit heraus zum Normalgewicht.»

Genau das ist das Geheimnis des Programms Food4Teens in Wohlen. «Es hat aber nichts mit Diät zu tun», ist Jönsson wichtig zu betonen. Das bestätigen auch vier Jugendliche, die derzeit am Programm teilnehmen: «Wir dürfen essen, was wir wollen», erzählt Alain (15), der beinahe am Ende des zweijährigen Kurses angelangt ist. «Aber man hat uns gezeigt, worauf wir bei den Nahrungsmitteln achten sollen, wo sich die heimlichen Dickmacher verstecken und wie wir es schaffen, nicht immer zwischendurch Süsses zu naschen.» Spass am Essen ist die Devise.

Essen als Erfolgsrezept

Die Erfolgsgeschichte, die Nils (12) zu berichten hat, hat genau an diesem Punkt begonnen: Er wollte einfach keine Diät machen. «Wir haben lange ein passendes Programm gesucht, aber ich hatte an jedem etwas auszusetzen», ist der begeisterte Badmintonspieler ehrlich. «Dann habe ich den Flyer von Food4Teens gesehen. Dort stand, hier dürfe man auch Saucen essen. Da habe ich gesagt, ‹Mama, da will ich hin!›», erinnert er sich und lacht.

Tatsächlich dürfen die Jugendlichen essen, was sie wollen. «Es ist nicht förderlich, sich zu zwingen, auf irgendetwas zu verzichten», bestätigt die Ernährungsberaterin. So darf Géraldine, die früher päckchenweise Gummibärchen gefuttert hat, diese noch immer essen. «Aber jetzt geniesse ich es mehr. Ich esse jeden Tag nach dem Essen ein bis zwei Gummibärchen, das reicht mir», strahlt die 12-Jährige stolz.

Sport gibt Energie

Neben dem Ernährungsteil, bei dem Ewa Jönsson mit den Jugendlichen und deren Eltern einkaufen geht und ihnen zeigt, dass beispielsweise Light-Produkte zwar weniger Kalorien, dafür viel mehr Zucker enthalten, gehören zwei weitere Teile zu Food4Teens. Nämlich Sport und Psychologie.

«Bei uns ist es wichtig, dass die Teens nicht nur während des Programms viel Sport treiben, sondern eine Sportart für sich entdecken können, die sie auch nachher aktiv in einem Verein oder einer Gruppe weiterführen», beschreibt Minufit-Trainerin Margrit Seiler, die für den sportlichen Teil verantwortlich ist.

Bestes Beispiel dafür ist die 16-jährige Désirée. «Ich war schwer übergewichtig und fühlte mich total unwohl, vor allem, wenn wir in der Schule turnen mussten», sagt sie. Durch das Programm hat sie unzählige Sportarten ausprobiert. Doch erst im Gespräch mit Margrit Seiler hat sie entdeckt, was sie machen will: tanzen. «Es hat mir sofort gefallen», ist sie begeistert. «Denn dort hat mich niemand ausgelacht, ich durfte mit der Tanzgruppe auftreten und habe gemerkt, wie das auch meinem Körper gut tut.» Dass sie auch als schwer übergewichtiges Mädchen in die Gruppe aufgenommen wurde, erscheint Seiler sehr lobenswert. «Das wird leider nicht überall so gemacht, dabei sollte das doch die Regel sein.»

Désirée hat sehr viel abgenommen und fühlt sich heute viel wohler als früher. Sie spielt jetzt auch gerne Volleyball in der Badi, ohne Angst zu haben, ausgelacht zu werden. «Allein hätte ich das nicht geschafft», ist sie sich sicher. Dem stimmt auch der Computerfreak Alain zu, der heute unzählige Sportarten betreibt.

Knoten im Elternhaus lösen

Den dritten Teil, die Psychologie, leitet bei Food4Teens die Familientherapeutin Monika Gygax. «Mit ihr kann man über alles reden. Sie hat uns ihre Handynummer gegeben, wir können sie immer anrufen», ist Désirée dankbar. Tatsächlich habe das Übergewicht besonders bei Kindern oft damit zu tun, dass sie Probleme hätten, und niemand da sei, mit dem sie reden könnten. «Oft muss man erst Knöpfe im Elternhaus lösen, bevor die Kinder ihre Körper in den Griff bekommen», weiss Ewa Jönsson. Deshalb richte sich der Kurs an Familien, nicht nur an Kinder.

«Wir haben auch gelernt, dass wir nicht immer Süsses essen müssen, wenn unsere Freunde das tun», erzählt Nils. «Wir können zum Beispiel sagen, wir hätten schon gegessen. Oder wir können immer einen Apfel dabei haben. Es ist nicht schwer, sich gesund zu ernähren. Man muss nur wissen, wie.»

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