Wohlen

«Ich bin gewaltig enttäuscht worden» – kündigt jetzt Badmeister Meier?

Am 7.7. um 7 nach 7 geht die neue Wohler Badi auf. Die Vorfreude ist riesig. Nur nicht beim Badmeister. Der ist richtig sauer.

«Ich kann einfach nicht verstehen, dass man mit mir so umspringt. Seit 25 Jahren bin ich bei der Gemeinde Wohlen angestellt, habe als Badmeister immer alles gegeben, jedes Jahr Hunderte von Überstunden gemacht, und jetzt werde ich vom Gemeindeammann zum Dank dafür abgekanzelt», sagt Stefan Meier.

Konkret will er sich zu dem, was in den vergangenen Tagen geschehen ist und der AZ von verschiedenen Seiten zugetragen worden ist, nicht äussern. Er sagt am Telefon mit gebrochener Stimme nur noch: «Ich bin gewaltig enttäuscht worden und ich werde mich umgehend nach einer neuen Stelle umsehen und kündigen, sobald ich eine gefunden habe.»

Stellenwechsel abgeblockt?

Was ist passiert? Stefan Meier, hat vor einigen Jahren, bevor er im Winter jeweils als Eismeister auf der Eisbahn arbeitete, in der kalten Jahreszeit die Mannschaft im Werkhof verstärkt. Dort war jetzt eine (Ganzjahres-)Stelle ausgeschrieben. Stefan Meier hat sich, laut zuverlässigen Informationen, dort beworben. Offenbar ist ihm vorerst von den Verantwortlichen signalisiert worden, dass er gute Chancen auf den Job habe, und man habe mit ihm auch darüber gesprochen, dass er beim Bauamt etwas später anfangen und so die Saison in der neuen Badi sauber abschliessen könne.

Doch dann wurde er von Gemeindeammann Arsène Perroud zu einem Gespräch geladen. Dieser hat ihm eröffnet, er sei für die offene Stelle im Werkhof nicht wählbar. Laut Schilderungen von Leuten, denen sich Meier in der Folge anvertraut hat, ist damit für ihn eine Welt zusammengebrochen.

Es stellen sich verschiedene Fragen. Wieso mischt sich der Gemeindeammann in eine Personalie ein, wenn doch laut dem neuen Führungsmodell für Personalrekrutierungen die Bereichs- und Abteilungsleiter zuständig sind und nicht mehr die Gemeinderäte? Und: Ist Stefan Meier der Job beim Bauamt verwehrt worden, weil man es sich mit den Verantwortlichen der Sportpark Bünzmatt AG – Betreiberin des neuen gleichnamigen Sportparks und «Tochtergesellschaft» der Gemeinde Wohlen – nicht verderben wollte?

An Persönlichkeitsschutz halten

Zur zweiten Frage schreibt Arsène Perroud: «Personalentscheide kommentiert der Gemeinderat aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht öffentlich. Ich bitte um Verständnis.» Und zur ersten erklärt er: «Auch im neuen Führungsmodell gilt in der Gemeinde Wohlen weiterhin das Primat der Politik.

Dies wurde im Rahmen der politischen Diskussion über die revidierte Gemeindeordnung und das neue Führungs- und Verwaltungsmodell mehrfach ausgeführt und von den politischen Parteien gefordert. Weiter nehme ich – wie bereits ausgeführt - zu personellen Entscheiden keine Stellung.»

Unglücklich gelaufen

Die Sache ist unglücklich gelaufen, und es bleibt viel Raum für Vermutungen. Zumindest vorerst. Gräbt man etwas tiefer, wird die Sache etwas klarer. Es ging offenbar nicht (primär) darum, mit der Nichtberücksichtigung von Stefan Meier als neuer Werkhofmitarbeiter der Sportpark Bünzmatt AG den Start in den Betrieb zu erleichtern.

Die Gründe für den abschlägigen Bescheid an den Stellenbewerber liegen (auch) anderswo. Konkret dazu äussern will (und darf) sich von den Verantwortlichen niemand. Und vielleicht ist das für den verdienten Wohler Badmeister, der bald nicht mehr Wohler Badmeister sein will, sogar auch besser so.

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