Wohlen

«Ich bin erstaunt, wie hoch da geboten wird»: Auktion zieht Karussellfiguren-Liebhaber an

In der Wohler Bleichi wurden am Freitag über ein Dutzend Karussellfiguren aus einem Pfändungsverfahren versteigert. Das grösste Pferd ging für über 1000 Franken weg.

«Ich bin erstaunt, wie hoch da geboten wird. Eigentlich wollte ich den Eisbär ersteigern, aber 1800 Franken dafür sind mit definitiv zu viel», sagte die ältere Dame an der Gant in der Wohler Bleichi. Elf Pferde, ein Hase, ein Eisbär, ein Tiger und ein Reh sind dort am Freitagnachmittag vom Betreibungsamt Wohlen versteigert worden – alles Figuren, die einst auf einem Karussell standen und die Kinderaugen leuchten liessen.

Die Karussell-Tiere mussten gepfändet werden, weil ihre Besitzerin die Miete für das Lokal nicht mehr bezahlen konnte, in dem sie eingelagert waren.

Karussell-Rössli Versteigerung

Mehr Eindrücke von der Versteigerung im Beitrag von "Tele M1".

Pferd zum Schnäppchenpreis

Das grösste Pferd, die Nr. 10, ging für 1500 Franken weg. «Ein Schnäppchenpreis», meinte ein anwesender Händler, «früher wurden solche Riiti-Rössli ab 12'000 Franken aufwärts gehandelt, sofern sie sich in einem guten Zustand befanden. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Geld verdienen kann man mit diesen Dingern kaum mehr.»

Mitgeboten haben aus der Runde der rund 50 Anwesenden denn auch vor allem Liebhaber: «Wir haben zu Hause eine grosse Sammlung, und doch bin ich da und will ein Pferdchen kaufen. Ich weiss auch schon welches», sagte Doris Landolt, die aus Wohlen zur Gant in der Bleichi angereist war. Sie sei schon seit Jahren mit dem Karussell-Pferd-Virus infiziert. «Wenn er dich gepackt hat, dann lässt er dich nicht mehr los», lacht sie. Mittlerweile habe sie ihren Virus auch auf ihren Mann übertragen.

Die angebotenen Figuren erachtete sie als von durchweg hohem Sammlerwert: «Sie sind alle restauriert und in gutem Zustand. Und es sind echte historische Karussell-Pferde. Bayol hat man sie in Frankreich genannt, Müller oder Heim in Deutschland.» Um Gewicht zu sparen, seien sie meist aus Lindenholz gebaut worden: «Sie durften ja nicht zu schwer sein, weil sie von den Schaustellern ja stets neu auf- und wieder abgebaut werden mussten.»

Für drei der an der Steigerung angebotenen Figuren lagen schriftliche Angebote vor, zwei davon aus dem Ausland. Für den bereits erwähnten Eisbär waren auf dem Betreibungsamt 1835 Franken hinterlegt worden, für den kleinen Hasen 2500 Franken und für ein schönes, grosses Pferd 3977 Franken. Im Steigerungslokal bot niemand mehr, die Vorabbieter bekamen von «Gantrufer» Gerold Brunner umgehend den Zuschlag. Dann gings los mit einem kleinen Rössli mit asiatischem Einschlag: «Das ist ein Tempelpferdchen, das nie auf einem Karussell gestanden und deshalb auch keinen grossen Wert hat. Es brachte 400 Franken ein, den tiefsten Preis des Nachmittags.

Bambi ging an den Jäger

Das niedliche, aus Holz geschnitzte Reh brachte mit 1100 Franken schon wesentlich mehr. Ersteigert hat es der ehemalige Sarmenstorfer Gemeindeammann Roman Lindenmann aus Passion. Er leitet die Treibergruppe der Jagdgesellschaft Sarmenstorf. Insgesamt wurde für die meisten der angebotenen Figuren recht rege geboten und die Preise in die Höhe getrieben. Knapp 20'000 Franken lagen nach rund einer Stunde in der Kasse des Wohler Betreibungsamtes. «Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis», zog Gerold Brunner eine positive Bilanz.

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