Rudolfstetten

Hundehasser unterwegs? Halterin findet Cervelat mit Glasscherben

Insgesamt acht solcher Cervelat-Stücke hat eine Hundehalterin in Rudolfstetten-Friedlisberg gefunden.

Eine Hundehalterin stösst in Rudolfstetten-Friedlisberg auf mehrere Cervelaträdchen, die mit Glasscherben bestückt sind. Ein Hundetrainer erklärt, was er von Anti-Giftköder-Trainings hält.

Auf einem Spaziergang entdeckte eine Hundehalterin am Montag in Rudolfstetten-Friedlisberg beim Lotharstein mit Glasscherben gespickte Cervelaträdchen. Glücklicherweise bevor ihr Hund die präparierten Wurststücke verschlingen konnte. 

Sie erstattete bei der Regionalpolizei Bremgarten umgehend Anzeige gegen Unbekannt. Auf Facebook postete sie ein Foto der gefährlichen Wursträdchen. Schon nach einem Tag teilten über 430 Personen ihre Warnung. «Was muss das für ein Mensch sein!!!», kommentierte eine Hundehalterin und ergänzt: «Das ist kein Bubenscherz mehr. Mein Hund frisst leider alles, was er findet!!»

Der erste Fall in der Gemeinde

Das sei der erste Fall dieser Art in Rudolfstetten-Friedlisberg, der ihm bekannt sei, sagt Gemeindeschreiber Urs Schuhmacher. «Der Konflikt zwischen Hundehaltern und solchen, die Hunde nicht so mögen, ist bei uns in der Gemeinde aber immer wieder mal ein Thema», sagt er.

«Wir müssen beispielsweise ungefähr alle drei Monate auf der Gemeinde-Homepage oder in unseren Nachrichten darauf hinweisen, dass der Hundekot aufgenommen werden muss.» Er vermutet, dass der mit Scherben gespickte Cervelat damit zusammenhängen könnte.  

Ist ein Anti-Giftköder-Training wirksam?

Angeblich giftige Köder verunsichern Hundehalter immer wieder. Hundetrainer und Fachautor Roman Huber hält zu Prävention an, indem man den Vierbeinern gewisse Kommandos beibringt wie «Sein lassen!», um vorzubeugen, dass der Hund einen verdächtigen Gegenstand überhaupt in den Fang nimmt. Oder «Gib her!», damit er den Gegenstand herausgibt oder sich vom Halter allenfalls wieder rausnehmen lässt, bevor er ihn runterschluckt.

Gegenüber speziellen Anti-Giftköder-Trainings, bei denen der Hund verdächtige Gegenstände dem Hundehalter anzeigt, ist Roman Huber jedoch skeptisch. Solche Trainings würden auch dazu führen, dass der Hund auf dem Spaziergang nur noch Gegenstände suche und anzeige, weil er auf Belohnung hoffe. «Ob ein solcher Spaziergang dann noch entspannt sein kann und ob der Hund dann den vergifteten Cervelat tatsächlich anzeigen statt fressen würde, bleibt dahingestellt.» 

«Prävention ist viel wichtiger», ist Huber überzeugt. «Dazu gehört auch, dass Hundehalter den Hundekot aufnehmen, bei Begegnungen mit Spaziergängern, Joggern oder Reitern den Vierbeiner zu sich rufen oder an die Leine nehmen und dem Hund Grenzen setzen», sagt Huber. So gäbe es viel weniger Konflikte und demzufolge auch weniger Hundehasser. Für Notfälle sei es zudem ratsam, dass Hundehalter einen Ersthilfekurse absolvieren würden.

«Facebook-Warnungen schürt Angst»

Dass die Anzahl Giftköder in letzter Zeit zugenommen hat, glaubt Huber nicht. Da aber in den sozialen Medien immer wieder Warnungen gepostet werden, sei die subjektive Wahrnehmung eine andere.

Die Kantonspolizei Aargau rät von solchen Warnungen auf Facebook ab. «Das schürt vor allem die Angst, hilft aber wenig, den Täter zu schnappen», sagt Mediensprecherin Barbara Breitschmid. Der Täter werde kaum am gleichen Ort nochmals zuschlagen. Sie empfiehlt, in jedem Fall eine Anzeige zu erstatten und eine toxikologische Untersuchung des Tierkadavers vornehmen zu lassen. So könne der Verdacht einer Giftattacke bestätigt werden.  

Mehrere Giftköder-Attacken im Jahr 2017 

Im vergangenen Jahr wurden mehrere Giftköder-Attacken im Kanton Aargau bekannt. Im April starb Hündin Chelsea an einem Nervengift. Auch die Tierklinik konnte ihr nicht mehr helfen. Es war nicht der erste Fall in Brittnau: Auf der Gemeindekanzlei waren zuvor diverse Meldungen über gefundene Giftköder, etwa präparierte Wursträdchen, im Gemeindegebiet eingegangen. Mindestens zwei Hunde seien gestorben, vermeldete damals die Gemeinde. 

Gemeinde Brittnau warnt vor einem Hundehasser

14. April 2017: Gemeinde Brittnau warnt vor einem Hundehasser

In den letzten Tagen verendeten zwei Hunde, nachdem sie vergiftete Köder gefressen hatten.

Im September entdeckte eine Einwohnerin in Schinznach-Bad am Waldrand in der Umgebung Pfarrweg einen Giftköder. Sie meldete dies der Gemeinde, die daraufhin eine Warnung im Mitteilungsblatt publizierte. Verletzte oder gar verstorbene Tiere wurden glücklicherweise keine gemeldet. 

Am Waldrand von Schinznach-Bad will eine Einwohnerin Giftköder gesehen haben. (Archiv)

  

Einen Monat später starb eine Schäferhündin in Siglistorf, nachdem sie auf einem Spaziergang einen Giftköder gefressen hatte. Die leitende Kantonstierärztin Erika Wunderlin riet damals den Hundehaltern dringend, bei auffälligen Symptomen ihres Hundes umgehend einen Veterinär aufzusuchen, damit dieser das Tier mit entsprechenden Medikamenten stabilisieren kann. 

Doch nicht immer sind es Hundehasser, die für den unvermittelten Tod eines Tieres verantwortlich sind. So beispielsweise im Fall der Hündin Haily vom vergangenen Februar. Eine Autopsie ergab, dass sie nicht vergiftet wurde, sondern ein grosses Stück Käse im Rachen stecken blieb. Todesursache: Littering. 

«Abfall und Speiseresten können gefährlich sein für Tiere»

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Polizeisprecher Bernhard Graser sprach am Mittwoch eine Warnung aus für Hundehalter – für alle, die sich vor vergifteten Ködern in der Region Brugg fürchteten, gab es immerhin Entwarnung.

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