Boswil
Hoher Stromverbrauch: Asylbewerber erhalten zwei Franken weniger

Der Boswiler Gemeinderat hat Asylbewerbern die Wochenpauschale von 63 Franken wegen zu hohen Stromverbrauchs gekürzt. Die Migranten fühlen sich ungerecht behandelt – und weisen auf andere Probleme in der Unterkunft hin.

Eddy Schambron
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In der kleinen Küche kochen die 14 Asylbewerber selber.

In der kleinen Küche kochen die 14 Asylbewerber selber.

Eddy Schambron

Zwei Franken. Das ist der Preis, den die 14 Asylbewerber aus Afghanistan, die in einem alten Haus in Boswil leben, bezahlen müssen, weil sie zu viel Strom verbraucht haben. Anstatt 63 Franken für sieben Tage erhielten sie am letzten Mittwoch von der Gemeinde nur 61 Franken. Diese Reduktion wollten sie zuerst nicht hinnehmen. Sie solidarisierten sich gegen diese ihrer Meinung nach kollektive Strafe und sprachen sogar beim Amt für Migration und Integration (MIKA) vor. Schliesslich akzeptierten die Asylbewerber den Entscheid und damit die Kürzung der Pauschale, nachdem die ebenfalls involvierte Regionalpolizei ihnen dies empfohlen hatte.

«Wink mit dem Zaunpfahl»

Gemeinderätin Gabi Schönenberg, Betreuerin der Asylsuchenden und auch im Gemeinderat zuständig für das Asylwesen, bestätigt den Sachverhalt. «Die Asylbewerber haben in der kalten Jahreszeit sehr oft die Fenster geöffnet und so buchstäblich aus dem Fenster hinaus geheizt. Das hat hohe Stromkosten nach sich gezogen.» Sie habe die 14 Männer mehrmals darauf hingewiesen, dass das nicht gehe und sie ebenfalls ermahnt, das Licht nicht permanent brennen zu lassen. «Es ist schliesslich auch Steuergeld, das hier verbraucht wird.» Die Ermahnungen hätten allerdings nichts gefruchtet, und so sei der Abzug von zwei Franken beschlossen worden – «als Wink mit dem Zaunpfahl» an die Asylsuchenden, ihr Verhalten zu ändern. «Es ist wie bei allem: Über das Portemonnaie erreicht man am ehesten eine Veränderung.» Dieses Vorgehen sei mit dem Kanton abgesprochen. Ansonsten seien die Asylbewerber sehr anständig und korrekt, unterstreicht Schönenberg. «Andere Probleme gibt es nicht.»

Wärme und Gerüche

Rezaie Mohammed Akram bestreitet nicht, dass die Asylsuchenden oft das Fenster geöffnet hatten. «Wenn jemand in der Küche kocht, dringen Wärme und Gerüche in die oberen Zimmer, die wir bewohnen», erklärt er. Die Luft sei deshalb oft stickig, und um den Aufenthalt dort erträglich zu machen, sei häufiges Lüften notwendig. Das Licht brenne nur, wenn es benötigt werde. Allerdings sei bei 14 Personen in einem Haus wohl immer jemand wach und brauche Licht.

Nicht nur Frage des Geldes

«Bei unserer Weigerung, den gekürzten Betrag anzunehmen, ging es uns nicht um die zwei Franken», sagt der Sprecher der Asylbewerber. Das knappe Geld, die Tagespauschale von acht Franken für den Kauf von Lebensmitteln oder Bahnbilletten, sowie einen Franken Taschengeld reiche ohnehin fast nicht, um über die Runden zu kommen. «Aber wir fühlen uns ungerecht behandelt.» Und es gebe in der Boswiler Asylunterkunft noch andere Schwierigkeiten. Das alte Haus sei schlecht geeignet für 14 Bewohner. Schönenberg – Rezaie Mohammed Akram spricht von «Chefin» – löse zudem anstehende Probleme nicht oder nur zögerlich. «Seit zwei Monaten funktioniert zum Beispiel das WLAN nicht oder nicht richtig, obwohl wir das schon mehrfach gesagt haben».

Nächste Woche erhalten die 14 Asylbewerber in Boswil ihre Pauschale wieder ohne Abzug, versichert Schönenberg. Einerseits ist die kalte Jahreszeit vorbei und die Fenster können geöffnet bleiben, andererseits ist, so hofft die Gemeinderätin, die Botschaft bei den Leuten aus Afghanistan angekommen. «Das mit dem Licht, das geht in Ordnung, das ist ja nicht wirklich problematisch und braucht auch nicht so viel Strom».