Es sind Sportferien – doch an Schlitteln oder Ski fahren vor der Haustüre ist derzeit nicht zu denken. 13 Grad zeigte gestern das Thermometer an, frühlingshafte Temperaturen, die Wintersport im Freiamt unmöglich machen. Stimmt nicht ganz – eine Wintersportart ist möglich: Eislaufen. Die Eisbahn in Wohlen hält den Temperaturen stand, hat aber zu kämpfen.

Martin Meier, einer der drei Wohler Eismeister, spricht über die Problematik auf dem Eis: «Das Schlimmste ist der warme Wind. Er trägt die Eisschicht ab und es bildet sich viel Wasser, welches dann aufwendig abgesaugt werden muss.» So geschehen die letzten paar Tage. Zwischen 20- bis 30-mal fuhr der Eismeister mit der Eismaschine jeweils über die Fläche, um das Wasser abzusaugen.

Eismeister Martin Meier kümmert sich um das Eis und um die Besucher. Der 45-Jährige ist im Sommer auch Bademeister.

Eismeister Martin Meier kümmert sich um das Eis und um die Besucher. Der 45-Jährige ist im Sommer auch Bademeister.

Trotzdem mussten am Montag die Hälfte der Eisbahn gesperrt und das Training des Eishockey-Seniorenteams abgesagt werden. Die Freizeitsportler, die sich auf die offene Hälfte wagten, warnte Meier: «Wenn ihr stürzt, bekommt ihr ein nasses Füdli.» Und fragte sie scherzend: «Sind eure Unterhosen wasserdicht?»

Eis-Spass in Wohlen – trotz wenig eisigen Temperaturen.

Der Wind killt das Eis

Gestern Dienstag war das Eis wieder in einem Top-Zustand. «Heute ist es fast wie vergoldet», sagte Eismeister Meier. Es sei zwar warm, aber windstill. «Der Wind killt das Eis.» Dank den am Morgen noch kühleren Temperaturen, konnte Meier heisses Wasser darübergiessen. Das gefror sofort und es bildete sich eine glatte Eisfläche.

Eveline Abegg aus Fenkrieden ist überrascht über den momentan guten Zustand des Eises: «Was gibt es Besseres, als mit den Kindern draussen in der Sonne Schlittschuh laufen zu gehen?» Ihre Töchter Xavira und Xenija sind acht und zehn Jahre alt. «Hier gefällts uns super!», sagen die beiden jungen Sportlerinnen.

Vor allem in der Ferienzeit kommen Familien auf die Eisbahn, die eine gute Alternative bietet, um Wintersport zu betreiben. Laut Meier ist der Ansturm während der Schulzeit grösser, da viele Schulklassen aufs Eis möchten und auch die Vereine Anspruch erheben. «Manchmal muss man den Klassen sogar absagen, da wir kaum noch Kapazitäten haben.»

Das Einzugsgebiet der Wohler Sportanlage umfasst über 60 Gemeinden. «Die vielen Besucher zeigen, dass das Eisfeld seine Berechtigung hat», sagt Urs Meier, Präsident der Genossenschaft Kunsteisbahn Wohlen. Man gebe Vollgas, um den Besuchern bis zum Saisonende das Eislaufen zu ermöglichen.

Doch der Einsatz hat seinen Preis: In einem normalen Jahr geben die Eisbahnbetreiber rund 70 000 Franken für den Strom aus. «Am Ende dieser Saison werden es 30 bis 40 Prozent mehr sein», sagt der Präsident der Genossenschaft. Ein Betrag, welcher der Kasse der Eisbahn wehtut. Meier weiss bereits: «Das wird unsere teuerste Saison.»

Strom braucht vor allem der Kompressor, der das Eis kühlt. Weil die Temperaturen derzeit selbst bei Nacht nicht unter den Gefrierpunkt fallen, läuft er Tag und Nacht. Meistens auf Hochtouren. Es ist derselbe Kompressor, der bereits bei der Eröffnung 1976 für eine gekühlte Eisfläche sorgte. Wie lange hält er bei diesen frühlingshaften Temperaturen überhaupt noch durch? Urs Meier: «Bei Temperaturen über 15 Grad oder Föhn ist Schluss.»

Hoffen auf den Neubau

Mit dem geplanten Neubau wäre man künftig besser gegen das Wetter gewappnet und würde auch in warmen Wintern deutlich weniger Strom verbrauchen. Das auch, weil eine Überdachung der Eisfläche sowie zwei Wände geplant sind. Damit kann der warme Wind zumindest zum Teil ausgebremst werden.

Zur Debatte steht auch der Wechsel auf eine Kunststoffeisbahn. Mit ihr wäre das Wärmeproblem gelöst. Dennoch begeistert die Idee Martin Meier nicht: «Richtiges Eis ist immer noch am besten.»

Der in Wohlen lebende Eismeister verbrachte acht Jahre seines Lebens in Kanada, kennt sich also aus mit Eis und Schnee. Trotzdem läuft er selber nicht Schlittschuh. «Meine Schlittschuhe sind diese», sagt Meier und zeigt auf seine Arbeitsschuhe. Es ist seine erste Saison als Eismeister. Im Sommer ist er Badmeister. Auch da steht er am liebsten am Rand (der Becken). «Ich bin ein Badmeister, der zwar ein Brevet hat, aber selber nicht so gerne schwimmt.«

Mitte März endet die Saison. Doch bis dahin sorgen die Wohler Eismeister für blankes Eis. Vorausgesetzt, das Wetter lässt es zu.