Hasenberg

Hoffnungen für Gault-Millau-Tempel zerschlagen – die Usagi-Yama AG ist konkurs

16 Gault-Millau-Punkte hat der Gourmet-Tempel Ryokan Usagiyama auf dem Hasenberg. Seit Anfang Jahr ist der Betrieb geschlossen, denn das bestbewertete Aargauer Restaurant steckt in finanziellen Nöten. Diese waren zu gross: Nach 16 Jahren auf dem Hasenberg hat die Betreiber-Familie Kurahayashi Konkurs für ihre Usagi-Yama AG angemeldet. Die Zukunft des «Gault Millau»-Restaurants ist weiterhin ungewiss.

Laut Website hätte das Restaurant Usagiyama auf dem Hasenberg, der ehemalige Aargauer Gourmet-Tempel, heute wieder eröffnen sollen: «Mutmassliche Wiedereröffnung: 1. März 2019. Weitere Informationen folgen. Besten Dank für Ihr Verständnis. Mit freundlichen Grüssen: Familie Kurahayashi», steht seit Mitte Januar auf der Website.

Doch: Es gibt keine weiteren, vor allem keine aktuellen Infos. Auch die Telefonnummer ist von der Website verschwunden. Wählt man jene, unter der die Wirtsleute im Januar noch erreichbar waren, heisst es: «Die Nummer ist nicht mehr in Betrieb, schauen Sie im Telefonbuch nach.»

Michelin-Stern noch im Februar

Auch vor Ort weist nichts darauf hin, dass das im aktuellen, Ende 2018 erschienen «Gault Millau» mit 16 Punkten bestbewertete Aargauer Restaurant demnächst wiederöffnen könnte. Auch im «Guide Michelin», der erst im Februar 2019 erschienen ist, bekommt das Usagiyama noch Bestnoten.

Der Betrieb habe seinen zwischenzeitlich verlorenen Stern wieder zurückerhalten, steht im Gourmet-Führer. Allerdings doch mit einem Verweis darauf, dass das Lokal auf dem Hasenberg vorübergehend geschlossen sei.

Im Hotel Ryokan, das zum Gastro-Komplex in Widen gehört, läuft derzeit ebenfalls nichts. Zimmer kann man nicht mieten: «Keine Angebote», heisst es auf den Buchungsplattformen. Auch Reservationen für einen späteren Zeitpunkt sind dort nicht möglich.

Das Usagiyama mit seinen drei Betrieben Gourmet-Restaurant, À-la-carte-Restaurant und Sushi-Bar ist seit Neujahr geschlossen. Grund sind finanzielle Probleme der Betreiberfamilie Yoshiko und Masafumi Kurahayashi. Masafumi Kurahayashi hatte diese Anfang Jahr gegenüber der Aargauer Zeitung bestätigt, damals aber noch gehofft, den Betrieb weiterführen zu können.

Konkursverfahren läuft

Diese Hoffnungen sind zerschlagen. Das Konkursamt Aargau hat über die Usagi-Yama AG den Konkurs eröffnet, das Verfahren läuft. Nicht Bestandteil davon ist das markante Gebäude auf dem Hasenberg. Es gehörte laut Konkursamt nicht der Familie Kurahayashi.

Wie es weitergeht, ist unklar. Eine rasche Wiedereröffnung zeichnet sich nicht ab. Zumal weder das Konkursamt Aargau etwas Konkretes weiss noch die Gemeinde Widen, die dem Nachfolger der bisherigen Betreiberfamilie ja eine Wirtebewilligung ausstellen müsste. Yoshiko und Masafumi Kurahayashi sind nicht erreichbar, sie seien ins Ausland abgereist, heisst es auf dem Mutschellen. Sie haben sich dafür wohl in die Eisenbahn oder ein Flugzeug gesetzt. Die Ryokan-Firmenfahrzeuge stehen auf dem Parkplatz neben dem Hotel, die Kennzeichen sind abmontiert.

Nicht der erste Konkurs

Yoshiko und Masafumi Kurahayashi haben den Gourmet-Tempel auf dem Hasenberg 16 Jahre lang geführt. Vorerst durchaus erfolgreich. Doch 2014 gab es den ersten Konkurs. Die Gläubiger guckten dabei weitgehend in die Röhre, denn anstelle von Masafumi Kurahayashi trat nach dem Verfahren seine Gattin Yoshiko offiziell als Geschäftsführerin auf.

Kurahayashi hat im Januar gegenüber der AZ den anhaltend schlechten Geschäftsgang bestätigt: «Nach dem Konkurs von 2014 lief es vorerst wieder besser, danach ist der Umsatz aber erneut jedes Jahr zurückgegangen.»

Das Problem hatte er mit der zunehmenden Konkurrenz begründet: «Als wir vor 16 Jahren hier angefangen haben, gab es in der engeren und weiteren Region vier japanische Restaurants. Heute sind es rund 40 Betriebe.» Vor allem in der Stadt Zürich sei die Auswahl heute gross: «Das bekamen wir immer mehr zu spüren. Wer fährt schon von Zürich auf den Mutschellen zum Sushi-Essen, wenn er dies in der Stadt selber auch in guter Qualität bekommt.»

Das Gourmet-Restaurant, sagte der Wirt im Januar, sei, vor allem an den Wochenenden, nicht schlecht gelaufen. Doch damit hätte man die Umsatzrückgänge in den beiden anderen Restaurants nicht auffangen können: «In der Sushi-Bar», sagte Kurahayashi damals, «sassen oft über Mittag lediglich zwei Personen.»

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Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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