Zwei Clowns stolpern in die Manege, in ihren Händen halten sie einen Papierflieger. Nach etlichen abgebrochenen Versuchen segelt das Stück Papier wenige Meter und gleitet zu Boden: Damit ist die Faszination der Clowns fürs Fliegen geweckt.

Tobias Muntwyler zeigt den beiden, dass es noch einiges spektakulärer geht als mit einem Papierflieger. Seine Diabolos fliegen so hoch hinauf, dass nur das Zirkuszelt ihnen Grenzen setzen kann. Dann lässt er sie rund um seinen Körper tanzen, als wären es Mücken, die eine Lampe umschwirren.

Premiere Circus Monti in Wohlen

Premiere Circus Monti in Wohlen

Auch Amaury Vanderborght will hoch hinaus. Oben am Vertikalseil angekommen, wickelt er sich ein, lässt sich fallen, und entlockt dem Publikum damit einige ängstliche Laute, bevor es in Applaus ausbricht, als er seinen Fall kurz vor dem Manegeboden stoppt.

Es klappt nicht recht

Von den Artistinnen und Artisten inspiriert, starten die Clowns immer wieder neue Versuche, sich in die Lüfte zu erheben. Egal ob mit Ballons, einer erhöhten Startposition oder Propellern, es will einfach nicht recht klappen mit dem Fliegen.

Anders sieht das bei den Trapezkünstlerinnen Léonie Pilote, Kristina Dniprenko und Maya Kesselman aus. Sie bewegen sich am Trapez mit Eleganz in die Höhe.

Weniger graziös, dafür mit viel Power lässt sich Chris Pettersen von seiner Trickleine in die Höhe befördern. Er beweist dem Publikum, dass auch ein Seil reicht, um nach einem Salto sicher zu landen. Die Kombination der Trickline mit einem Schlappseil verwandelt eine Seiltanznummer in eine neuartige Attraktion.

Am Boden bleiben Sebastian Schlotzhauer und Mario Muntwyler. In die Höhe fliegen jedoch die Bälle und Keulen der Jongleure. Das ist besonders schön anzusehen, wenn die beiden die Bälle synchron herumwirbeln.

Immer langsamere Teller

Während das Publikum bei Sohn Mario staunen darf, bringt es Vater Johannes Muntwyler mit seinen tanzenden Tellern an den Rand der Verzweiflung. Auf Stangen, die in der Manege verteilt sind, kreisen Teller, werden immer langsamer und drohen, hinunterzufallen.

Weil immer mehr Teller dazukommen, wird es je länger, je hektischer, wenn Muntwiler hin und her rennt, um den Tellern den nötigen Schwung zu geben. Auch wenn dafür ein bisschen Porzellan in die Brüche geht: eine absolut spektakuläre Nummer.

Etwas entspannter, dafür umso verträumter ist das Trio Anneaux an den Chinesischen Ringen. Akrobatik mit viel Gefühl und einer unglaublichen Leichtigkeit. Dasselbe könnte man auch über Kristina Dniprenko sagen, die auf ihrem Rhönrad durch die Manege rollt, als wäre es an ihren Füssen angewachsen.

Léonie Pilote und Alba Faivre klettern leicht wie Raubkatzen den Chinesischen Mast hinauf. Es sind aber nicht einzelne Nummern, die den Zirkusabend so gelungen machen.

Eine perfekte Mischung

Viel mehr ist es die fantasievolle Zusammenführung von ganz unterschiedlichen Nummern, die Gestaltung der Details, die fein abgestimmte Musik und David Melendy und Céline Rey als Clowns, die die Nummern zu einem Gesamtkunstwerk machen. Eine Mischung aus Action- und Märchenwelt.

Pop-Up, so heisst das neue Programm des Circus Monti. Pop-up-Bücher, das sind die grossen Kinderbücher mit den dicken Seiten, aus denen sich beim Umblättern Dinosaurier, Autos oder Blumen erheben.

Wie sich ein solches Thema in eine Zirkusvorstellung umsetzen lässt, war wohl für die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer bis zum Beginn der gestrigen Premiere schwer vorstellbar.

Wer sich am Freitagabend einen Moment lang vom Programm losreissen und ins Publikum blicken konnte, dem wurde klar, wie gut die Zirkusfamilie dieses Thema umgesetzt hat: Offene Münder, grosse Augen und immer wieder diese staunenden Laute, die auch Kinder von sich geben, wenn sie die Seiten des Pop-up-Buches umblättern.