Jonen
Hochwasserschutz: Ein abgespecktes Projekt ist in den Startlöchern

Das Geschäft «Hochwasserschutz» kommt bald vor den Grossen Rat – der Regierungsrat hat die Botschaft dazu verabschiedet.

Dominic Kobelt
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Illustration der Sanierung Ufermauer und Aufweitung des Bachprofils.

Illustration der Sanierung Ufermauer und Aufweitung des Bachprofils.

zvg

Die Gemeindeversammlung Jonen hat zum geplanten Hochwasserschutz schon zwei Mal ja gesagt: 1,8 Mio. Franken haben die Dorfbewohner im Zusammenhang mit dem Ausbau der Dorfstrasse bewilligt, und auch die Restkosten von 600 000 Franken wurden ohne Opposition genehmigt. Nun hat der Regierungsrat seine Botschaft an den Grossen Rat verabschiedet. Die Nettokosten für den Kanton betragen rund 2,9 Millionen Franken.

Von Beginn weg spielten bei dem Projekt finanzielle Aspekte eine grosse Rolle. Geprüft wurden die drei Varianten Hochwasserrückhalt, Hochwasserentlastungsstollen und Gerinneausbau. Die ersten beiden Varianten wären laut Variantenprüfung rund doppelt so teuer gewesen wie der Gerinneausbau, der mit fünf Millionen veranschlagt wurde. Allerdings stellte sich bei der Erarbeitung des Vorprojekts heraus, dass die Kosten wesentlich höher liegen: Die Ufermauern waren in einem deutlich schlechteren Zustand als angenommen. Zudem musste aus Gründen des Ortsbildschutzes eine «optisch gefälligere» und damit teurere Verbauungsart gewählt werden. Damit hätte das Projekt rund 10,6 Millionen gekostet. Der Variantenentscheid wurde nicht geändert, weil sich die Kosten bei allen drei Varianten etwa ähnlich erhöht hätten.

Projekt wurde optimiert

Bei der Erarbeitung des Bauprojekts zeichnete sich ab, dass die Kosten gegenüber dem Vorprojekt nochmals steigen. Dies liege an einem teilweise sehr aufwendigen und baulich anspruchsvollen Uferverbau, schreibt der Regierungsrat. Das Departement Bau, Verkehr und Umwelt habe schliesslich entschieden, das gesamte Hochwasserschutzprojekt zu optimieren.

Die Kosten konnten so auf 8 Millionen Franken reduziert werden. Nach Abzug der Bundessubvention werden die Restkosten zwischen Kanton und Gemeinde im Verhältnis 55:45 aufgeteilt. Noch ausstehend ist die «Revitalisierung» mit Renaturierung und Verbreiterung der Jona. Dies hätte 5,5 Millionen gekostet, die Gemeinde Jonen hätte sich mit rund 1 Million daran beteiligen müssen. Diese Etappe wurde auf Wunsch des Gemeinderats aus finanziellen Gründen vorläufig verschoben.

Der Hochwasserschutz wird mit verschiedenen Massnahmen sichergestellt. Unter anderem gehören dazu der Ersatz der Brücke Urnerweg und der Bogenbrücke beim Försterhaus, die Abflachung von Bachböschungen sowie kleine Dämme zur Erhöhung der Uferlinie der Jona auf dem Streckenteil Mühlematt bis Mattenhofstrasse. Im Bereich der Sennhüttenstrasse werden die bestehenden Ufermauern erhalten, wo nötig erhöht und mit einem Kolkschutz gegen weitere Unterspülungen geschützt. Im untersten Abschnitt von der Matthofstrasse bis zum Urnerweg wird die baufällige Ufermauer entlang der Dorfstrasse und den anschliessenden Liegenschaften ersetzt. Auf der rechten Bachseite werden die Ufermauern soweit möglich entfernt und die Ufer mit einer Böschung versehen. Der Schutz der Ufer wird durch sogenannte «ingenieurbiologische Bauweisen» gewährleistet, schreibt der Regierungsrat. Damit sind zum Beispiel Rutenbündel zur Abwehr von Erosionserscheinungen (Faschinen) und Wurzelstöcke gemeint. Im Bereich des Gartensitzplatzes des Försterhauses wird aufgrund des Ortsbildschutzes die bestehende Trockensteinmauer erneuert.

Heutige Situation unbefriedigend

Weiter schreibt der Regierungsrat in seiner Botschaft, es sei nicht möglich, die Jona unterhalb des Dorfes wieder in ihr altes Bett zu leiten und bei der Abwasserreinigungsanlage Unterlunkhofen in die Reuss münden zu lassen, wie es mehrfach gefordert wurde. Grund dafür ist der Aufstau des Kraftwerks Bremgarten und der damit verbundene Höhenunterschied. «Den gesamten Abfluss des Bachs mittels Pumpen in die Reuss zu befördern, ist wirtschaftlich und ökologisch nicht sinnvoll.»

Mit der Realisierung des Projekts wäre Jonen gegen ein Jahrhunderthochwasser geschützt. Momentan würde es bereits bei einem 30-jährlichen Ereignis zu Überflutungen kommen.