Die Aargauer nahmen es sportlich. Denn sie leben nicht vom Bier, sondern betreiben das Braugeschäft nur in der Freizeit.

«Hopfen und Malz, Gott erhalts»: Nach diesem Motto mischen Hunderte von Hobbybierbrauern die nationale Profibierbrauerszene auf. «Der Beruf spielt keine Rolle», sagt Berufsoffizier Dani Schwizer aus Besenbüren, der das «Bäsi-Bräu» erfand. Landwirte, Kaufleute, Juristen und Computerspezialisten brauen eigenes Bier und produzieren in kleinen Mengen eigene Spezialitäten und Kreationen.

Riechen, schmecken, trinken

30 Bierbrauer beugen sich an der Bierprämierung über dunkle, gelbe und helle Biere und prüfen den Schaum, den Geruch, den Geschmack, die Bittere, die Essenz und den Kohlensäuregehalt der vorgelegten Produkte. Die Brauer verrichten ihr Geschäft neutral. 70 Biere sind zum Test eingereicht worden. Die Flaschen sind mit einer Kartonröhre abgedeckt, sodass man die Marke nicht erkennen kann. Die Juroren haben im Maximum 45 Punkte zu verteilen. Schäumt ein Bier nicht, wie es müsste, oder verfehlt es beim Geschmack oder dem Geruch die Stiltreue, gibt es Abzüge.

Die Jury braucht für ihre Arbeit einen ganzen Tag. Sie absolviert zwei Testrunden und in Zweifelsfällen eine dritte Runde. Dann ist Schluss. Die Biergläser werden fortgeräumt, die Preisverleihung kann beginnen. Die Basler haben die Nase vorn.

Ob Pils, Weizenbier, Kloster- oder Altbier, Stouts, Porters und Rauchbier: Die Hobbybierbrauergilde ist kreativ und tüftelt unablässig an neuen Rezepturen herum. In der Szene sind grundsätzlich alle Düfte erlaubt. Nur schmecken soll das Bier zuletzt halt dann doch. «Jeder kann das Bierbrauen lernen. Aber es ist fast unmöglich, zweimal das tupfengleiche Bier herzustellen», sagt Gerichtsschreiber und Hobbybierbrauer Peter Dürsteler aus Winterthur, der in der alten Sulzer-Fabrik braut.

Auch offen für Experimente

Dass der Biergeschmack von einem Sud zum anderen variiert, bedauern die Bierbrauer überhaupt nicht. Im Gegenteil: Sie stellen die Vielfalt über alles und nützen Marktnischen, die ihnen die grossen Bierbrauereien offen lassen. Es sind experimentierfreudige Menschen, die es sich auch nicht nehmen lassen, Früchte, Kräuter und Gewürze ins Bier zu mischen. Nur toxische Zutaten und Stoffe, die gegen das Betäubungsmittelgesetz verstossen, sind nicht erlaubt. Das Bier ist und bleibt ein Lebensmittel, und dieses soll dem Genuss und nicht in erster Linie dazu dienen, die Sinne zu vernebeln.

In der Hobbybierbrauerszene ist man unter Freunden. Anders als in der kommerziellen Bierbrauerbranche tauscht man die Erfahrungen unter sich aus. Wie stark ein Bier aus der eigenen Hausbrauerei sein darf, bestimmt der Brauer im Rahmen des Erlaubten. Der Fiskus erfasst auch die Freizeitbrauer: Sie müssen an Vater Staat eine Biersteuer bezahlen. Aber diese sei so klein, dass sie den Braten nicht fett mache, bestätigen Hobby-Bierbrauer. «Wenn ich meine Selbstkosten decken kann, bin ich heilfroh», sagt einer aus der Gilde.

Freiämter Brauerszene lebt

Eines braucht das Bierbrauen garantiert: Zeit, sehr viel Zeit. Das wussten schon die alten Ägypter, die das Bier erfanden und es an die Römer weitergaben. Die Klosterbrüder pflegten die Tradition seit dem Mittelalter. So bestand auch im Kloster Muri einst eine Hausbrauerei.

Die Bierbrauerkunst, respektive das Bierbrauerhandwerk erwachte im Freiamt in den letzten Jahren wieder. Mehrere kommerziell geführte Brauereien sind hier gegründet worden. Nebst diesen professionellen Betrieben führen die Hausbrauer ein Schattendasein. Aber auch sie tüfteln lustvoll weiter und lassen sich von den Grösseren und den ganz Grossen keineswegs entmutigen.