Oberlunkhofen
Hobby-Modellflieger brauchen ein Baugesuch – aber gebaut wird nichts

Im Gebiet Moos-Ferech in Arni gehen seit drei Jahren Fans ihrem Hobby Modellflugzeug nach. Doch Gegner der Hobbyflieger scheinen erfolgreich zu sein: Das Aargauische Verwaltungsgericht verordnete der Gemeinde ein Baubewilligungsverfahren.

Lukas Schumacher
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Am Samstag im Gebiet Moos-Ferech in Oberlunkhofen: Ferngesteuertes Helikoptermodell, das mit einem kleinen Strommotor ausgerüstet ist und per Akku funktioniert. Lukas Schumacher

Am Samstag im Gebiet Moos-Ferech in Oberlunkhofen: Ferngesteuertes Helikoptermodell, das mit einem kleinen Strommotor ausgerüstet ist und per Akku funktioniert. Lukas Schumacher

Lukas Schumacher

Wiehert da der Amtsschimmel, respektive der Gerichtswallach? Obgleich nichts gebaut wird, nicht einmal ein Toilettenhäuschen, nahm das Aargauische Verwaltungsgericht die Gemeinde Oberlunkhofen in die Bauherrenpflicht. Soeben musste die Gemeinde für den Modellflugzeug-Betrieb im Gebiet Moos-Ferech ein Baugesuch öffentlich ausschreiben.

Seit drei Jahren gehen Fans im Fluggebiet der Gemeindegrenze zu Arni ihrem Hobby nach. Dies mit Zustimmung der Besitzer des Landwirtschaftslandes und mit dem Einverständnis der Gemeindebehörde.

Die Hobbyflieger dürfen zum Starten und Landen der Modelle eine kleine Gemeindestrasse benützen. Ausserdem regelte der Gemeinderat Oberlunkhofen die Modellfliegerei mit einigen Bestimmungen im Polizeigesetz der Gemeinde.

Reklamationen aus Arni

Die Auseinandersetzung um den Modellflugbetrieb begann Anfang 2013. Zwei Anwohner eines Wohnquartiers in Arni unweit des Fluggebiets verlangten beim Gemeinderat Oberlunkhofen die Durchführung eines Baubewilligungsverfahrens und die sofortige Einstellung der Fliegerei. Ihr Hauptargument: übermässiger Lärm.

Der Gemeinderat verneinte die Bewilligungspflicht, gleichzeitig bestätigte er die im Sommer 2012 festgelegten Beschränkungen des Flugbetriebs im Polizeireglement der Gemeinde.

In diesem Regelwerk steht, dass an den Wochenenden und Feiertagen nur Flugmodelle erlaubt sind, die mit den leiseren Elektromotoren ausgerüstet sind, nicht aber Modelle mit den lauteren Benzinmotoren. Im Reglement sind auch tägliche Betriebs- und Ruhezeiten fixiert, die für den Modellflugplatz Moos-Ferech gelten.

Mit dem Entscheid des Gemeinderats waren die beiden Arner nicht einverstanden. Sie reichten beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) des Kantons Aargau eine Verwaltungsbeschwerde ein. Auch das BVU verneinte die Bewilligungspflicht, worauf der Anwalt der Arner die Beschwerde ans Verwaltungsgericht weiterzog.

«Kein Spielplatz»

Das Aargauische Verwaltungsgericht gab den beiden Arnern Recht. Es bejahte die Baubewilligungspflicht und brummte der Gemeinde eine Entschädigungszahlung von 3500 Franken und dem Kanton Aargau eine Zahlung von 1000 Franken auf.

In der Begründung führt das Verwaltungsgericht an, es müsse von einem regelmässig an Wochenenden stattfindenden Modellflugbetrieb mit einer Vielzahl von Starts und Landungen auf der Gemeindestrasse ausgegangen werden. Daher sei die Bezeichnung «Spielplatz», den die Gemeinde und das BVU verwendet hatten, unrichtig.

Stattdessen handle es sich um einen Flugbetrieb, den verschiedene Personen, auch auswärtige, regelmässig ausübten. Eine solche Nutzung sei als «bewilligungspflichtiger gesteigerter Gemeingebrauch» aufzufassen. Dies im Sinne von Paragraf 103, Absatz 1 des kantonalen Baugesetzes.

«Zu grosses Risiko»

Den Verwaltungsgerichtsentscheid hätte der Gemeinderat Oberlunkhofen beim Bundesgericht anfechten können. Der Gemeinderat verzichtete darauf, obschon die Erfolgsaussichten in Lausanne laut einem Juristen durchaus intakt gewesen wären.

«Das Risiko ist uns zu gross», sagte Oberlunkhofens Gemeindeschreiber Erwin Eichenberger. Bei einer Niederlage am Bundesgericht hätte die Gemeinde Kosten in beträchtlicher Höhe übernehmen müssen.

So beugte sich der Gemeinderat, wenn auch kopfschüttelnd, dem Urteil des Verwaltungsgerichts. Er gleiste ein Baugesuch für den Modellflugbetrieb im Gebiet Moos-Ferech auf.

Das Baugesuch der Einwohnergemeinde liegt zur Einsichtnahme im Gemeindehaus Oberlunkhofen öffentlich auf, und zwar bis zum 14. Juli. Bis dann kann man schriftlich Einwendungen zum Baugesuch machen.

Eine lose Gruppierung Gleichgesinnter

Im Gebiet Moos-Ferech in Oberlunkhofen geht keine Modellfluggruppe ihrem Hobby nach. Hier, über dem Landwirtschaftsgebiet zwischen der Zücher-/Kelleramtstrasse und der Litzistrasse, wird «wild geflogen». Eine lose Gruppierung Gleichgesinnter aus der Region pilotiert ihre mit Strom- oder Verbrennungsmotor bestückten Modellflugi. Tägliche Flugzeit: 7 bis 21 Uhr, wobei zwischen 12 und 13 Uhr eine Mittagsruhezeit eingehalten werden muss; an den Wochenenden und Feiertagen sind nur Modellflugi mit den leiseren Strommotörchen gestattet.
Beim Schützenhaus Jonen-Ottenbach auf Zürcher Boden, wenige Kilometer entfernt vom Fluggebiet Moos-Ferech, sind ebenfalls Modellflugfans mit Fernsteuerungen am Werk. Allerdings kann hier nur mitmachen, wer der dortigen Modellfluggruppe angehört. Über eine Baubewilligung für ihre Piste verfügt die Gruppe nicht. Sie besitzt lediglich eine Betriebsbewilligung. Laut einem Insider können Behörden eine rechtskräftige Baubewilligung für Modellflugbetriebe verlangen. Dies zum einen bei Neubauten und Ausbauten von Pisten oder weiteren Anlageteilen und zum andern auch bei intensiver Luftraumnutzung. (sl)