Freiamt
Hitzesommer beschleunigt Bauarbeiten – doch sinken die Kosten?

Viele Strassensanierungen im Freiamt sind dem Zeitplan voraus. Möglich gemacht hat dies der heisse Sommer. Eine Antwort auf die Frage, ob die Arbeiten damit auch günstiger werden, fällt dagegen nicht so einfach aus.

Dominic Kobelt
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Baustellem im Freiamt
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Bauarbieten sind zwischen Niederwil und Stetten für die Reussbrücke Gnadenthal nötig. (Archiv)
Baustellen im Freiamt

Baustellem im Freiamt

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Auf Freiämter Strassen wird fleissig gebaut. Da ist von den Autofahrern teilweise viel Geduld gefordert. Gut zu wissen, dass die Arbeiten wenigstens schnell vorankommen – einige Baustellen wurden viel früher fertig als ursprünglich geplant: Die Bünzbrücke in Wohlen konnte rund zwei Monate früher eröffnet werden, und dies trotz hochwasserbedingten Verzögerungen bei Baubeginn. Auch die Arbeiten an der Kantonsstrasse zwischen Birri und Ottenbach, die seit einer Woche wieder geöffnet ist, sind rascher vorangekommen als geplant.

Ist dies dem warmen Sommer zu verdanken? «Ja, besonders schnell vorangekommen ist man dank der Vollsperrung und den trockenen Witterungsverhältnissen», sagt Benno Schmid, Leiter Kommunikation des Departements Bau, Verkehr und Umwelt. Auf die Kosten habe die verkürzte Bauzeit allerdings kaum einen Einfluss gehabt. «Nur die Behinderung für alle Verkehrsteilnehmer war kürzer, was aber sehr entscheidend ist.»

Schneller heisst nicht günstiger

Bei anderen Baustellen, so bei der «Aufhebung Niveauübergang» in Boswil/Bünzen hatte das gute Wetter über den Sommer durchaus einen positiven Einfluss auf die Kosten. «Bei nasser Witterung können zum Beispiel Zuschläge für die Deponie anfallen, und eine längere Dauer kann mit Kosten für die Baustelleneinrichtung verbunden sein.» Bedeutet «schneller fertig» denn nicht automatisch auch «günstiger»? «Die Arbeiten werden nach Ausmass verrechnet und nicht nach Zeitaufwand», erklärt Schmid. Für das Projekt habe man ein sehr günstiges Submissionsergebnis erhalten. «Die Höhe der Schlussrechnung hängt nicht ausschliesslich von gutem Wetter ab. Hier müssen alle Faktoren berücksichtigt werden, die sich positiv und negativ auf die Kosten auswirken», gibt er aber zu bedenken.

Ist denn der zügige Baufortschritt in Boswil/Bünzen ebenfalls dem Wetter zuzuschreiben? «Nicht nur», sagt Schmid, «er ist auch dem koordinierten Vorgehen der Unternehmung zu verdanken.» Diese habe, wo es möglich war, mit mehreren Equipen die Baustelle besetzt. «Aber auch die Bauleitung hat mit ihrer Präsenz und schnellen Reaktion auf Rückfragen die Baustelle positiv beeinflusst», so Schmid. Es kam aber auch zu Verzögerungen: Schwierigkeiten bereitete am Anfang der harte Boden für die Spundarbeiten, wodurch mehr Intervalle für die SBB-Strecke erforderlich wurden als ursprünglich geplant. Das gute Wetter hat dazu beigetragen, die Verzögerungen aufzuholen.

Radweg Eggenwil–Künten

Auch die Arbeiten am Radweg zwischen Künten und Eggenwil befinden sich grossmehrheitlich im vorgegebenen Zeitplan. Es werden hier gleich drei Arbeitsgruppen eingesetzt. Mit dem Start im späten Frühling wurde mit angenehmen Witterungsbedingungen geplant, die dann auch eingetroffen sind. «Erst ein angenehmer, trockener Herbst und ein freundlich gesinnter Winter werden eine spürbare Auswirkung zeigen», sagt Schmid. «Die Nagelwand ist trotz sehr guter, effizienter Arbeit leicht im Verzug, was aber seinen Ursprung bei den unerwartet vielen auszubauenden oder abzusprengenden Findlingen hat.»

Auch die bisher ausgeführten Arbeiten zur Umgestaltung der Bernstrasse in Rudolfstetten-Friedlisberg konnte durch die idealen Witterungsverhältnisse ein wenig schneller ausgeführt werden. An dieser Baustelle sind zwei Bauequipen im Einsatz. Massgebend für die Geschwindigkeit ist unter anderem der Untergrund, und wie viel Werkleitungsbau-Arbeiten innerhalb des Projekts auszuführen sind. Weiter massgebend seien die Komplexität der einzelnen Bauteile, ob sich die Baustelle innerorts oder ausserorts befindet und die Länge der Bauetappen. «Gemäss momentaner Abschätzung kann der Deckbelag bereits 2016 eingebaut werden, in der Planung war 2017 vorgesehen», so Schmid. Auch bei diesen Arbeiten seien die Kosten etwa gleichbleibend, unabhängig von der Baustellendauer.

Brücke Gnadenthal

Die Bauarbeiten der Brücke Gnadenthal sind am 10. August gestartet, die Baustelle besteht also seit etwas mehr als zwei Monaten und ist voll im Zeitplan. Da sich die Baustelle noch in der Anfangsphase befindet, lässt sich noch nicht sagen, ob das gute Sommerwetter einen bedeutenden Einfluss gehabt hat. «Sicherlich konnten die ganzen Vorbereitungsarbeiten, wie zum Beispiel das Roden der beanspruchten Waldflächen oder das Herrichten des Installationsplatzes auf der Seite Stetten, unter idealen Voraussetzungen durchgeführt werden», erklärt Schmid. «Speziell wetterabhängige Bauarbeiten fanden aber in diesen ersten zwei Monaten nicht statt.»

Ausschreibung verlangt mehrere Arbeitsgruppen

Zusammenfassend lasse sich sagen, dass das gute Wetter im Sommer 2015 bezüglich Einhaltung der Bautermine sicher geholfen habe, sagt Benno Schmid, Leiter Kommunikation des Departements Bau, Verkehr und Umwelt. «Entscheidend ist aber, dass wir bei jeder Baustelle den Einsatz von mehreren Arbeitsgruppen verlangen.» Dies werde bereits bei der Submission der Arbeiten so ausgeschrieben und bei der Auftragserteilung verlangt. Das Ziel sei eine hohe Kapazität. «Bei den erwähnten Baustellen wurde teilweise sogar mit drei Arbeitsgruppen gleichzeitig gearbeitet. Bei den erwähnten Baustellen haben wir eine hohe Kadenz mit entsprechend hoher Arbeitsleistung.» Die Bauzeit im Vergleich zu den Baukosten sei entsprechend kurz. (az)