Wohlen

Historisches Handwerk: Er restauriert mit viel Herz und alten Baustoffen ein 200-jähriges Haus

Simon Heusser hat das alte Haus an der Steingasse 47 in Wohlen gekauft und restauriert es nun in enger Zusammenarbeit mit der Kantonalen Denkmalpflege.

Das historische Gebäude an der Steingasse 47 in Wohlen ist nicht seine erste Restauration – wohl aber seine Liebste. Alte Häuser sind Simon Heussers Leidenschaft.

Schon während seiner Ausbildung zum Schreiner habe er seine Vorliebe für Restaurierungen entdeckt: «Mein Lehrmeister war gelernter Restaurator und hat viele Restaurierungen gemacht.» Das habe ihm immer Freude bereitet und so hat er nach dem Abschluss seiner Lehre und der anschliessenden Berufsmaturität anderthalb Jahre in diesem Metier gearbeitet.

Das Haus ist zu ihm gestossen

Unterdessen ist der 30-Jährige selbstständig. Mit seiner Firma «Heusser Handwerk und Gestaltung» restauriert er, zusammen mit seinem Mitarbeiter, für seine Kunden Häuser. Er baut sie aus oder um und gestaltet auch eigens Möbel dafür.

Das Haus an der Steingasse macht er aber für sich. Da er sich den Auftrag dazu als Chef seiner Firma selber erteilt hat, kann er mit dieser Vollzeitbeschäftigung auch noch etwas verdienen.

Doch wie kommt man von einer Wohnung in Stäfa, wo Heusser zum Zeitpunkt des Kaufes wohnhaft war, zu einem Haus in Wohlen? «Das Haus ist eigentlich auf mich gestossen», lacht er. Er habe schon länger die Augen nach einem restaurierbaren Gebäude offengehalten, und der Verkäufer der Steingasse 47 habe jemanden gesucht, der das Hauser erhalten will.

So sei er auf Umwegen zu Heusser gelangt. Bei ihm war er genau an der richtigen Adresse. «Mir ist es ein Anliegen, dass man Kulturgut erhält», sagt Heusser.

Es ist ihm auch wichtig, dass sein aktuelles Projekt zu einem späteren Zeitpunkt nicht einfach zerstört werden kann. Darum entschied er sich dazu, einen Antrag bei der kantonalen Denkmalpflege einzureichen, damit seine Herzensangelegenheit unter Schutz gestellt wird. Ein weiterer Antrieb zur Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege war für ihn die Finanzierung (Lesen Sie hier).

Neben der finanziellen Unterstützung schätzt Simon Heusser auch den Austausch mit den Spezialisten des Kantons sehr: «Bei einem Auftrag kann man sich meist mit einem Architekten oder Bauführer besprechen. Mich interessiert die Meinung der Denkmalpflege, und so geht dieser Austausch nicht verloren.»

Bis jetzt laufen die Umbauarbeiten gut. Obwohl Heusser und sein Mitarbeiter nicht wütend wären, wenn es endlich wieder etwas wärmer würde, hat sie die Kälte nicht bei der Arbeit gehindert. «Wenigsten können wir unseren Pausenraum heizen, das hilft», schmunzelt der Schreiner.

Auch Profis brauchen mal Hilfe

Wo immer es geht, legen die beiden Männer selber Hand an. Doch es gibt Gebiete, von denen sie die Finger lassen. «Ich bin Schreiner und mache auch gewisse Zimmermannsarbeiten. Den Rest lasse ich aber primär machen», erklärt Heusser. Denn gerade bei Sanitär, Heizung und Strom müsse man einerseits ein konzessionierter Betrieb sein und anderseits die nötigen Spezialwerkzeuge und Erfahrung haben.

Zum Glück hat er ein grosses Handwerker-Netzwerk wo man sich gerne aushilft und beratschlagt. «Das reibungslose Zusammenspiel der verschiedenen Berufsgattungen ist ein wichtiger Teil, um den Umbau effektiv voranzutreiben.»

Bis wann das Haus fertig restauriert sein soll, ist noch nicht bestimmt. «Ich habe mal gesagt, zwischen zwei und maximal drei Jahren. Aber ich möchte mich da noch nicht festlegen. Wenn ich mir drei Jahre Zeit nehme, kann ich viel mehr selber machen. Sonst bräuchte ich Unterstützung», erzählt er.

Dass bei den Arbeiten bis jetzt noch keine bösen Überraschungen aufgetaucht sind, freut Heusser: «Das Haus ist, wie erwartet, in einem guten Zustand. Das ist nicht selbstverständlich. Man weiss doch nie, was beim Umbauen von so alten Gebäuden noch zum Vorschein kommt.»

Keine Zeit, um zu pendeln

Eine Stunde müsste Simon Heusser täglich pendeln, um von seinem jetzigen Wohnort Dübendorf nach Wohlen und wieder zurückzukommen. «Das ist mir zu aufwendig», sagt er. Aus diesem Grund hat er neben seinem eigentlichen Projekthaus ein Nebengebäude erstellt, das er in ein paar Wochen schon wir bewohnen können.

«Ich werde mich hier anmelden und dann wird das mein Wochenaufenthaltsort. Die Pendlerzeit kann ich nämlich besser investieren», lacht Heusser.

Das Haus, in dem drei Wohnungen entstehen sollen, wird er sicher nicht verkaufen. «Der Plan ist, dass ich die Wohnungen vermiete.» Er könnte sich gut vorstellen, dass er selber eine davon beziehen wird. Doch so genau weiss er das noch nicht:«Ich habe keine Ahnung, wo es mich als Nächstes hinzieht.» Denn vielleicht verschlägt ihn der nächste Auftrag wieder in eine andere Ecke der Schweiz.

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