Eine Königin wird bei ihrem Hochzeitsflug von acht bis zehn Drohnen (männlichen Bienen) begattet. Danach legt sie drei bis vier Jahre lang in den warmen Monaten täglich bis zu 1500 Eier. Nur im Winter macht sie Pause. Bei solchen Zahlen mussten mehrere Besucherinnen der Belegstation Möösli im Weiler Schoren leer schlucken. «Die Arme», rutschte es einer Besucherin heraus, andere nickten mit mitleidigem Blick. Doch Bruno Heggli, Präsident des Imkervereins Muri und Umgebung, erklärte: «Das kann man natürlich nicht mit dem Kinderkriegen vergleichen. Der Bienenkönigin scheint das nichts auszumachen. Ausserdem wird sie rund um die Uhr von ihrem Hofstaat von rund 15 Bienen gepflegt, gefüttert und umsorgt. Sie schauen also, dass es ihr an nichts fehlt.» Bei diesen Worten zeigt er auf die Königin, die hinter einer Glasscheibe mit ihrem Volk auf den Waben herumkrabbelt. Sie ist mit einem grossen roten Farbklecks auf dem Rücken gekennzeichnet. Und tatsächlich erkennt man ihren Hofstaat, der stets um sie herum aufgestellt ist, Kopf zu ihr. Ohne den roten Fleck auf dem Rücken würde man sie schon erkennen, denn sie ist bei näherem Hinsehen deutlich grösser als ihre Arbeiterinnen und die Drohnen. «Aber wir sind ja darum besorgt, dass es ihr gut geht, da ist es wichtig, dass wir sie gut sehen», so Heggli.

Wie dieser Punkt auf ihren Rücken kommt, zeigt der Murianer Vizepräsident Marc Müller an seinem Stand, einem von vielen am Tag der offenen Tür in der Belegstation, der sehr viele Neugierige angelockt hat. «Es ist schön, das Thema scheint die Leute zu interessieren», freut sich Heggli.

Bienen sind wichtig

Bienenzucht sei tatsächlich ein sehr wichtiges Thema, findet auch Markus Müller, Leiter der Belegstation, also dort, wo Drohnen gezüchtet werden, die dann die Königinnen begatten. «Die ganze Bestäubungsleistung der Bienen ist enorm wichtig. Sie macht rund 75 Prozent des Wertes der Bienen aus. Der Honig, den wir von ihnen erhalten, ist nur ein Viertel ihres Wertes.» Und diese Werte gelte es zu erhalten. Heggli führt aus: «Für das heutige Bienensterben kann man bei vielen die Schuld suchen. Aber am Ende kann ich in den Spiegel schauen und zu meinem Spiegelbild sagen: ‹Wir beide können was tun.›» Die Imker, die ihre Bienen nämlich sorgfältig behandeln, die viel Zeit für sie aufbringen und viel Wissen einsetzen können, die schaffen es auch, starke, robuste Völker zu haben, denen beispielsweise Varoa-Milben wenig anhaben können, findet der leidenschaftliche Imker selbstbewusst. Doch um das alles tun zu können, braucht es am Ende auch Kunden, die den Honig kaufen, und Leute, die mithelfen, den Bienen Nahrung zu liefern – die Landwirtschaft und die Gärtner, und zwar auch die Hobby- und Balkongärtner.

Viel Spass für Kinder

Die Oberfreiämter scheinen das mit dem Wetter im Griff zu haben, denn obwohl die Prognose schlecht war, zog das wunderschöne Herbstwetter sehr viele Leute an den Infoanlass der beiden Imkervereine Oberfreiamt sowie Muri und Umgebung. Und wenn die Kinder sich Bienenvölker von ganz nahem anschauen und gar mit Elektroden Mittelwände aus Bienenwachs in Rahmen schmelzen dürfen, vergessen sie bald, dass sie womöglich einmal Angst vor den emsigen kleinen Tieren gehabt haben.

Mehr Infos zu Bienen und den beiden Vereinen unter www.bienen-ag.ch