Muri
Hier war Cédric Wermuth ganz brav

Tolle Bands und ein braver Nationalrat Cédric Wermuth als Barman am Frischluftkultur Open Air. Seinen Besuch am Open Air outet er als «Jahreshighlight» - und findet: «Das Gezeigte hätte mehr als 500 Besucher verdient.»

Lukas Schumacher
Merken
Drucken
Teilen
Muri
3 Bilder
Die Indie Band Who's Elektra genoss den Auftritt im stickigen Kugelzelt (2)
Cédric Wermuth (l ) als Barman im Nebenzelt im Gespräch mit dem Wohler SP-Politiker Arsène Perroud

Muri

Es gibt nichts Langweiligeres, als über einen perfekt organisierten Jugendkultur-Anlass zu schreiben, der die Organisatoren zufriedenstellt und die Besucher begeistert. Die siebte Auflage des Murianer Frischluftkultur Open Airs, so könnte man meinen, hätte durchaus Potenzial gehabt für kleine Skandale: provokative Auftritte, Lärmruhestörungen, Alkoholleichen und dergleichen hätten jenen Kreisen Auftrieb gegeben, welche die laute, unflätige Jugend gerne kritisieren.
Das Frischluftkultur Open Air 2012 aber war einmal mehr ein musikalisch hochstehender Beleg dafür, wie fast schon bedenklich brav und anständig jugendliche Open Air-Besucher heute sind. Das stimme schon, meinte Kilian Meyer, OK-Mitglied des Open Airs. «Wir haben keine Probleme mit Besoffenen, keinerlei Ausschreitungen und einen stark unterbeschäftigten Sanitätsposten.»

«Wollen klein und freakig bleiben»
21 Bands aus sechs verschiedenen Ländern haben am Frischluftkultur Open Air die Bühnen gerockt und mit teils spektakulären Auftritten zu dieser tollen Stimmung beigetragen. Indie-Rocker, Electro-Musiker und DJs wechselten sich auf den Bühne ab. Fehlt dem Frischluftkultur Open Air die genre-technisch klare Linie? «Nicht unbedingt. Unser Ziel war es stets, die Leute mit neuen Sounds zu überraschen, sie aufzuwecken und ihnen auch einmal etwas ungewohntes ins Gesicht zu schletzen», erklärt OK-Mitglied Severin Bretscher. «Wir möchten bewusst klein und freakig bleiben.» Angesichts der internationalen Besetzung und der hochstehenden Darbietungen seien die knapp 500 angereisten Besucher aber eine kleine Enttäuschung. «Was hier gespielt und gezeigt wird, ist viel mehr Leute wert.»
Genau in diesem Genre-übergreifenden Programm sehen manche Festival-Besucher den Grund für den relativ bescheidenen Besucheraufmarsch. «Ich bin nicht in erster Linie wegen den musikalischen Darbietungen hier», gibt Open Air-Besucher Fabian Obrecht zu. «Viele kommen wohl eher, weil man sich hier kennt, weil man Freunde treffen und einen coolen Abend verbringen will.»

Comeback der Kultband
Doch mindestens ein Highlight des Open Airs haben auch die musikalisch weniger interessierten Besucher kaum verpasst: das Comeback Konzert der Freiämter Kult-Band «Just A Hype», die nach rund zwei Jahren Bühnenabsenz erstmals wieder auftrat. Drummer Jonas Bürgi erzählte nach dem gewohnt begeistern-verrückten Auftritt: «Es war schlicht geil vor diesem Publikum zu spielen. Die alte Energie ist noch da, die Menge hat uns gepuscht und wir haben das Konzert voll ausgekostet.»

Wermuths Freiämter Highlight
Für einmal etwas ruhiger trat der Aargauer SP-Nationalrat und Profi-Provokateur Cédric Wermuth auf, der im Nebenzelt als Bar-Mitarbeiter hinter dem Tresen stand. «Das Frischluftkultur Open Air ist mein Freiämter Jahreshighlight», sagte der viel beschäftigte Nationalrat, der in Boswil aufwuchs und in Baden lebt. Wermuth störte die auffällig brave Stimmung am Open Air nicht. «Es stimmt schon, die Open Air- Szene ist im Gegensatz zu früher stark entpolitisiert. Das grosse Engagement und der Elan, den die Organisatoren hier Jahr für Jahr an den Tag legen, ist aber für sich schon ein überaus positives Statement für unsere Jugend.»