Benzenschwil
Hier wachsen bald auch Marronibäume – damit wird dem Klimawandel Rechnung getragen

Es sind rund 70 Bäume auf einer Fläche von 1000 Quadratmetern, die in der Nähe des Bahnübergangs Benzenschwil gefällt wurden. Nun werden neue gepflanzt – weil sich die Bedingungen geändert haben, verzichtet man auf Eschen.

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Sieht schlimm aus, kommt aber gut: Förster Tobias Wiss und Gemeinderat Daniel Schmid vor dem geschlagenen Waldstück in Benzenschwil.

Sieht schlimm aus, kommt aber gut: Förster Tobias Wiss und Gemeinderat Daniel Schmid vor dem geschlagenen Waldstück in Benzenschwil.

Eddy Schambron

Was nach Kahlschlag aussieht, ist keiner, wie Förster Tobias Wiss vom Forstbetrieb Reuss-Lindenberg festhält. «Wir mussten die Bäume unter anderem wegen der Sicherheit fällen; die Gefahr, dass einige von ihnen bei einem weiteren Sturm auf die nahestehenden Häuser gefallen wären, war zu gross.»

Wiss hat sich in Absprache mit der Ortsbürgergemeinde Merenschwand als Waldbesitzerin und im Einklang mit der geplanten Holznutzung entschieden, nicht nur einzelne Bäume herauszunehmen, sondern die ganze Fläche zu schlagen. «Der Bestand wäre instabil geworden, hätten wir nur einzelne Bäume gefällt», sagt der Förster.

Im Nachhinein ist er froh um seinen Entscheid. «Es stellte sich heraus, dass der überalterte Buchenbestand weitgehend krank war. Das sah man ihm von aussen gar nicht an». Die Eschen litten an der sogenannten Eschenwelke, eine Pilzerkrankung. «Nötig wurde der Holzschlag nicht zuletzt auch, weil auf diesem Waldstück, früher ein Privatwald, lange Zeit keine forstlichen Eingriffe gemacht wurden.» Und eigentlich hätten die jetzt durchgeführten Arbeiten schon vor einem Jahr ausgeführt werden sollen. Aber dann kam der Sturm Burglind 2018 dazwischen.

Transparent und grün

Der Merenschwander Gemeinderat Daniel Schmid freut sich, dass mit dem Forstunternehmen Wiss AG in Dietwil eine leistungsfähige und regionale Firma die Forstarbeiten übernehmen konnte. «Die Arbeiten wurden selbstverständlich zu konkurrenzfähigen Preisen vergeben», räumt er Unterstellungen aus, dass in Merenschwand «Heimatschutz» betrieben werde. «Da ist alles transparent.» Aber die Ortsbürgergemeinde habe insofern profitiert, als die Wiss AG sofort zur Stelle war und das Holz, dank frühzeitigem Schlag, trotz gedrückter Preise, gut verkauft werden konnte.

Aus Merenschwand gingen zwölf Eisenbahnwagen Käferholz nach Österreich, aus dem gesamten Revier, das auch die Gemeinden Buttwil und Geltwil und damit 280 Hektaren Wald umfasst, waren es 20 Bahnwagen. Zudem wird vom Forstbetrieb Reuss-Lindenberg auch die Beförsterung für die Gerechtigkeiten Wiggwil, Beinwil und Mühlau sichergestellt. «Wir hatten 2018 einen tiefgrünen finanziellen Abschluss», stellt Schmid zufrieden fest. Dem Bahntransport wurde dem Lastwagentransport aus Gründen des Umweltschutzes der Vorrang gegeben.

Wald verändert sich

Wo es jetzt etwas kahl aussieht, werden in den nächsten Wochen junge Bäume gepflanzt. Es werden, neben der natürlichen Buchen-Verjüngung, vor allem Eichen sein, die hier heranwachsen. «Wir müssen dem Klimawandel Rechnung tragen», erklärt Wiss. Eichen trotzen den wärmeren Sommern besser als Buchen, Eschen werden möglicherweise fast ganz verschwinden, die gewohnten Nadelbäume haben es schwer. Wiss wird deshalb auch einige Douglasien setzen. Und versuchsweise zwölf Marroni-Bäume. «Das Waldbild wird sich durch den Klimawandel verändern, der Wald wird lichter werden, stärker durchmischt mit einem höheren Laubholzanteil.»

Ob die Wahl, die die Förster heute mit jungen Bäumen treffen, angesichts der veränderten klimatischen Bedingungen die richtige ist, wird sich erst sehr viel später erweisen. Immerhin: «In sechs bis sieben Jahren werden die ersten Benzenschwiler Marroni heranreifen», sagt Wiss. Anwohner haben ihm zugesichert, dass sie zu den Bäumen schauen werden. Und vielleicht sind sie schon jetzt in Gedanken daran, die Holzkohle zur Glut zu bringen, um die Früchte zu braten.

Sturm macht Strich durch die Planung

Die Nutzung des Waldes wird jeweils auf 15 Jahre hinaus festgelegt. In Merenschwand beträgt der sogenannte Hiebsatz 22'500 Kubikmeter oder 1500 Kubikmeter pro Jahr. Zwischen 2010 und 2017 wurde er jeweils leicht unterschritten, mit dem Sturm Burglind 2018 jedoch deutlich überschritten. Gut 4500 Kubikmeter mussten zwangsgenutzt werden, davon 1658 Käferholz, 2275 Kubikmeter wegen Windfall, 50 wegen Schnee und 25 Kubikmeter wegen Pilzbefall, wie die Statistik des Forstbetriebs Reuss-Lindenberg ausweist. Im Vergleich: 2017 betrug die Zwangsnutzung lediglich 73 Kubikmeter. Der jetzt noch verfügbare Hiebsatz pro Jahr bis 2024 liegt bei knapp 1150 Kubikmetern.

Die Veränderungen im Wald, welche die Förster im Hinblick auf das Klima und die künftige Nutzung vornehmen, zeigen sich auch in der Statistik: 2012 wurden beispielsweise 1000 Nadelbäume, davon 800 Fichten und 500 Laubbäume, gepflanzt. 2018 waren es 850 Nadelbäume, davon je 250 Lärchen und Douglasien, sowie 1400 Laubbäume, davon 400 Eichen. (ES)

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