Werkzeuge zuhauf, Zifferblätter, Zahnräder, Lupen, eine filigrane Drehbank – die Uhrmacherwerkstatt von Walter Muff aus Muri ist im Merenschwander Postlonzihaus wieder aufgebaut. «Wir sind sehr glücklich, den Besucherinnen und Besuchern diese alten Einrichtungen und Gegenstände zeigen zu können», freuen sich Kurator Bruno Käppeli und Bruno Schellenberg, Präsident der Kulturkommission Merenschwand. Die Nachkommen des verstorbenen Murianer Uhrenmachers fanden, die Werkstatt sei im Merenschwander Ortsmuseum am richtigen Ort, und schenkten sie mit allem Drum und Dran.

Wertvolle Werkzeuge

Dazu gehören zahlreiche wertvolle Spezialwerkzeuge, Pendulen und andere Uhren, Ersatzteile für mechanische Uhren, sogar Konstruktionszeichnungen aus der Lehrzeit des Uhrmachers. Zwar habe Muff nicht in Merenschwand gearbeitet, räumt Käppeli ein. «Aber meine Generation ging an der Firmung mit dem Götti nach Muri zum Uhrenmacher Muff, um eine Uhr als Firmgeschenk auszusuchen», erinnert er sich. Dafür hatte Walter Muff sein Geschäft extra geöffnet. Und so gesehen hat die Uhrmacherwerkstatt auch einen direkten Bezug zu Merenschwand. «Es ist auf jeden Fall ein sehr wertvolles Geschenk», betont Käppeli.

Ebenfalls neu im Postlonzihaus erstellt ist die alte Backstube Müller. Hier ist zu sehen, wie früher Brote gebacken wurden. In Merenschwand gibt es schon längst keine eigenständige Bäckerei mehr.

Mit dem Film dazu

Wie damals in den frühen Morgenstunden in der Bäckerei gearbeitet wurde, sieht man nicht nur anhand alter Gerätschaften. Ein kurzer Film von 1992 zeigt, wie der damalige Merenschwander Bäcker Brotlaibe aufarbeitet, in den Ofen einschiesst und knusprig gebacken wieder herausholt. Dieser Bildschirm ist einer von mehreren, die mit kurzen Filmen Einblick in die verschiedenen Handwerke geben. Alle sind von Bruno Käppeli gedreht und zum Teil über 40 Jahre alt. Sie selbst sind somit bereits Kulturgut, das es zu erhalten gilt.

Neu mit bewegten Bildern

Überhaupt hat das bewegte Bild Einzug im Postlonzihaus gehalten: Das Ortsmuseum hat nämlich neu eine Filmpräsentationsanlage, auf der über 30 Filme angesehen werden können. Darunter hat es echte Trouvaillen. Ob die Wahl der heutigen Bundespräsidentin Doris Leuthard in den Bundesrat, die Merenschwander Kirchenrenovation von 1982 oder ein Blick in den Schweizer Alltag von 1939/ 1940 – die Filme von Bruno Käppeli sind so informativ wie eindrücklich. Selbstverständlich gibt es auch Filmmaterial aus den Anfängen des Merenschwander Ortsmuseums, das mit seiner Vielfalt schon längst zu einem wichtigen Freiämter Museum geworden ist.

Viel Handwerk

Das Museum entstand auf Initiative von Leo Weber und
der Kulturkommission Merenschwand 1987. Frondienstarbeiten von Josef Küng, Fredy Keusch und Bruno Käppeli trugen während Jahren zum Ausbau und zur Ausstellungsgestaltung bei. Schuhmacherei, Schreinerei, Wagnerei, Küferei, Drechslerei, Sattlerei, Schmiede, Metalldrückerei, Hutladen oder Dorflädeli – im Merenschwander Ortsmuseum ist ein eindrücklicher Blick in die Vergangenheit möglich. Das Museum kann nach Absprache jederzeit besucht werden. Es werden auch Führungen angeboten. «Das grösste Fest aber ist jeweils die Mostete im Herbst», stellt Bruno Käppeli fest. Kinder und Erwachsene können mithelfen, aus frischen Äpfeln Most zu pressen. Die Konsumation ist dafür gratis. Gleichzeitig wird für das kulinarische Wohl der Gäste gesorgt sein.

Mostete wie in alten Zeiten: Samstag, 25.September, ab 9 Uhr. Ein Landfrauenmarkt und lüpfige Musik umrahmen den traditionsreichen Anlass.