Muri
Hier liegt das ganze Dorf in Schachteln: Fotos von Josef Stenz werden katalogisiert

Der Fotograf Josef Stenz fotografierte einfach alles. Nun werden seine zahlreichen Aufnahmen - weit über 100'000 Negative - für die Nachwelt erhalten und katalogisiert.

Eddy Schambron
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Bernhard Matter (links) und Bernhard Kägi zum letzten Mal im Keller, in dem die zahlreichen Negative von Fotograf Josef Stenz lagerten. ES

Bernhard Matter (links) und Bernhard Kägi zum letzten Mal im Keller, in dem die zahlreichen Negative von Fotograf Josef Stenz lagerten. ES

Das Fotoarchiv des früheren Murianer Fotografen Josef Stenz ist in guten Händen. Im Auftrag der Stiftung Murikultur können Bernhard Matter und Bernhard Kägi die Arbeit fortsetzen, die sie schon unter schwierigen Bedingungen in Fronarbeit im Keller des früheren Fotogeschäftes begonnen haben – nichts weniger als die Rettung von geschätzt weit über 100 000 Negativen. Für Urs Pilgrim, Präsident der Stiftung, ein Glücksfall: «Jetzt haben wir die Möglichkeit, die Negative so zu lagern, dass sie keinen Schaden nehmen und der Nachwelt erhalten bleiben.»

Im Juni 1946 sorgten anhaltende Regenfälle für Hochwasser in den Gebieten Dorf, Egg und Hasle.
5 Bilder
Das Kreisspital für das Freiamt gabs von Foto Stenz auch als Ansichtskarte.
Diese undatierte Aufnahme gibt Zeugnis von einem der Fasnachtsumzüge im Klosterdorf.
Das Ziel des Velorennens Muri-Geltwil von 1955 lag bei der früheren Käserei in Geltwil.
Es war am 8. August 1958, als bei einer Kollision ein Güterzug beim Wild-Areal entgleiste – eine Sensation für Muri.

Im Juni 1946 sorgten anhaltende Regenfälle für Hochwasser in den Gebieten Dorf, Egg und Hasle.

Archiv Josef Stenz

Der Fotograf für alles

Josef Stenz, der 2012 verstarb und 1990 seine Berufstätigkeit als Fotograf aufgab, hat unzählige Porträtfotos gemacht, Hochzeiten und Firmungen fotografiert, für Industrie und Gewerbe Bilder geschossen sowie Land und Leute im Alltag aufgenommen. Schon sein Vater, der eine Papeterie führte, fotografierte nebenbei. Die Negative lagerten bisher im Keller des früheren Fotogeschäfts am Kreisel, das schon einige Zeit der Grolimund AG gehört und heute das RS-Computergeschäft sowie den Multi-Pizza-Kurier beherbergt. «Die Bedingungen für die Lagerung waren hier nicht ideal», stellt Beni Matter fest. Er widmet sich zusammen mit dem Fotografen Bernhard Kägi schon seit geraumer Zeit diesem wertvollen Archiv. Die beiden sind deshalb glücklich, dass es jetzt unter den Fittichen der Stiftung Murikultur ist. Damit bekommt es jenen Stellenwert und jene Betreuung, die es verdient.

Für das Dorf wichtig

«Das Fotoarchiv ist ein grosser Schatz», unterstreicht auch Urs Pilgrim, «es ist für die Dorf- und Klostergeschichte wichtig.» Das zeigte auch eine 2009, noch zu Lebzeiten von Josef Stenz organisierte Ausstellung im Singisenforum. Die Ausstellung, von Matter und Kägi zusammengestellt, ermöglichte einen Spaziergang durch mehrere Jahrzehnte des Klosterdorfes. Ob das Archiv aus dem heutigen Besitzstand an die Kulturstiftung geht, ist für Pilgrim nicht wichtig. «Wer Eigentümer ist, spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass es erhalten bleibt und die Öffentlichkeit einen Nutzen daraus ziehen kann. Das ist auch im Sinne von Josef Stenz.» Tatsächlich soll das Material in geeigneter Art der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Priorität hat die wissenschaftliche Geschichtsschreibung und damit die Stiftung Geschichte Kloster Muri.

Viel Arbeit

Bis es so weit ist, liegt vor Matter und Kägi viel Freizeitarbeit. Sie rechnen mit rund zwei Jahren, bis eine Übersicht über das Archiv und eine Katalogisierung der Negative realisiert sind. «Eine Suchfunktion soll ermöglichen, ein Negativ rasch zu finden.» Die dafür notwendige Software soll mit anderen Fotoarchiven, speziell mit kantonalen Sammlungen, kompatibel sein. Besondere Sorgfalt erfordern die alten Glasnegative und Nitrofilme, die noch von Vater Stenz aus den 30er-Jahren stammen.

Die Finanzierung des Vorhabens ist aufgegleist; die Dr.-Franz-Käppeli-Stiftung wird voraussichtlich Geld zur Verfügung stellen, damit dieses Archiv erhalten und genutzt werden kann.