Als «grossen Wurf» bezeichnete Gemeindeammann Andreas Glarner in seiner Dankesrede den Doppelkindergarten und die Alterswohnungen, die am Samstag im Dorfteil Lieli feierlich eingeweiht wurden. Damit hat er sicher nicht übertrieben, denn das Sechs-Millionen-Projekt der Gemeinde Oberwil-Lieli darf in vielerlei Hinsicht als Meisterleistung bezeichnet werden.

Vorab natürlich der helle, bunte und fast rundum kindergerechte Kindergarten mit Zugang von der Grossächerstrasse her. Wenn man da das Haar in der Suppe suchen will, dann sind es höchstens die Treppen, welche die Kinder zwischen den Stockwerken überwinden müssen. Da besteht natürlich Sturzgefahr. «Es gibt eine klare Regel bei uns», sagt Kindergärtnerin Perla Sicher, «es wird auf der Treppe nicht gerannt. Unsere Kinder sind gut erzogen. Sie halten sich an die Regel.»

Bau in Rekordzeit

Die Hanglage, welche es nicht zuliess, den Kindergarten eingeschossig zu bauen, hat auch den Architekten vor einige Herausforderungen gestellt. «Die Topografie ist hier speziell. Sie hat schon den Aushub recht knifflig gemacht», erzählt Rolf Rey. «Wir wussten ja am Anfang noch nicht, welcher Untergrund uns hier erwartet. Aber schliesslich hat alles wunderbar geklappt.»

In Rekordzeit haben Bauherrschaft, Architekt und ausführende Unternehmen, in enger Zusammenarbeit mit den zukünftigen Nutzern das 42 Meter lange, über die Dachkonstruktion verbundene Doppelgebäude er- und eingerichtet. Dabei musste ein Höhenunterschied von sechs Metern zwischen dem zweigeschossigen Kindergarten und den tiefer liegenden acht Alterswohnungen ausgeglichen werden. «Kindergartenräume verlangen eine ganz andere Architektur als Alterswohnungen», erklärt Rey weiter, «nur schon die unterschiedlichen Raumhöhen innerhalb dieser Hanglage wieder auszugleichen, ist nicht ganz einfach.»

Das Bestechende an diesem Neubau ist tatsächlich der Umstand, dass die jüngsten Einwohner der Gemeinde hier gleichsam Wand an Wand mit den ältesten leben und lernen. Aktuell sind zwar nur vier der acht Wohnungen wirklich von Senioren belegt, aber diesen gefallen der Ausbaustandard und die Nachbarschaft. «Es ist total ruhig hier», sagt René Grieder, der mit seiner Frau eine Viereinhalbzimmer-Wohnung bezogen und diese anlässlich der Einweihungsfeier zur Besichtigung geöffnet hat. «Die Kinder sind sehr lieb und stören uns überhaupt nicht.»

Kostenvorgaben eingehalten

Gemeindeammann Glarner strahlte am Samstag mit der Sonne um die Wette. Nachdem die Bevölkerung im November 2014 das Projekt genehmigt hatte, ging es ruckzuck. «Unsere Baukommission brauchte nur fünf Sitzungen, dann stand dieses Gebäude», freut sich Glarner, «und der Architekt hat die Kostenvorgaben eingehalten, sogar noch unterschritten.»

Den herzlichsten Dank aber durfte bei der Schlüsselübergabe Kindergärtnerin Perla Sicher seitens der Bauherrschaft empfangen. «Sie hat ungeheuer viel geleistet», sagt Glarner. «Sie hat zuerst das Provisorium im Schulungsraum der Feuerwehr eingerichtet, hat da unterrichtet und dann den Umzug und das Einrichten des neuen Kindergartens durchgezogen; einfach grossartig.»

Perla Sicher ist glücklich in ihrem neuen Chindsgi: «Ganz vieles durfte ich neu anschaffen, manches habe ich auch noch vom alten Ort mitgebracht. Mir gefällt es so gut hier. Ich liebe Oberwil-Lieli.»