Bünzen
Hier ist jeder Osterhase ein Unikat

In den Bäckereien und Konditoreien hoppeln gegenwärtig Hunderte von Osterhasen aus ihrer Form. Auch in Bünzen.

Eddy Schambron
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Nicht zu dick, nicht zu dünn dürfen die Wände des Osterhasen sein: Michelle Kuhn in der Bäckerei Kuhn in Bünzen hat die Osterhasenproduktion im Griff. ES

Nicht zu dick, nicht zu dünn dürfen die Wände des Osterhasen sein: Michelle Kuhn in der Bäckerei Kuhn in Bünzen hat die Osterhasenproduktion im Griff. ES

Eddy Schambron

Es herrscht Hochbetrieb in der Osterhasenproduktion. Aber die Bäckerin-Konditorin-Confiseurin Michelle Kuhn liebt diese Zeit. «Ich stelle sehr gerne Osterhasen her», sagt die Dietwilerin, die heute in Muri lebt. Sie arbeitet in der Bäckerei Kuhn in Bünzen und ist gegenwärtig damit beschäftigt, ein paar hundert Osterhasen in verschiedenen Grössen zu giessen. Ebenfalls am Arbeitstisch werkelt Andrea Meier; sie übt für die Lehrabschlussprüfung. Die Stimmung ist locker und unkompliziert, aber alle sind trotzdem voll konzentriert an der Arbeit.

Das ist auch nötig. Osterhasen herstellen ist eine heikle und aufwendige Sache. Zuerst werden die Gussformen geschminkt, also etwa bei dunklen Hasen mit weisser Schokolade das Auge gezeichnet oder der Schwanz gemalt. Weisse Hasen erhalten braune Augenbrauen oder sogar etwas Wiese zu den Füssen. «Das Schminken der Formen braucht mehr Zeit als das Giessen der Hasen», sagt Michelle Kuhn.

Aber diese Arbeit entscheidet letztendlich über das Aussehen des Osterhasen und ermöglicht der Herstellerin, ihre kreative Ader auszuleben. Individuell hergestellte Osterhasen unterscheiden sich von Massenware, man kann sogar sagen, dass so jeder Osterhase ein Unikat darstellt. Klar ist, dass für die Produktion nur beste Schokolade verwendet wird.

Und auch die erfordert Michelle Kuhns ganze Aufmerksamkeit. Die Temperatur ist wichtig: «30 Grad für die weisse Schokolade, bis 32 Grad für die braune und dunkle», macht sie deutlich. Das hat sie bis zu einem gewissen Punkt im Gefühl, prüft aber immer wieder mit dem Thermometer nach. Die zwei Hälften der Gussformen werden mit Klammern zusammengefügt, die warme Schokolade eingefüllt, Luftbläschen werden rausgeklopft. Die Kunst besteht auch darin, die richtige Wanddicke zu treffen. «Zu dicken Wände ergeben mehr Gewicht, was sich auf den Preis auswirkt», sagt Kuhn. Auch für Osterhasen gibt es eben so etwas wie eine «Schallgrenze» beim Preis.

Für den Boden des Osterhasen wird Schokolade dünn ausgestrichen und die Form schliesslich in die weiche Masse gedrückt. Gekühlt, wird der Osterhase schliesslich bruchfrei aus der Form geholt. Erst jetzt kann die Herstellerin genau sehen, ob ihre Arbeit gelungen, ob es zu Lufteinschlüssen gekommen ist und ob die Schminkerei am fertigen Hasen die gewünschte Wirkung erzielt. Kann man denn, wenn man 200, 300 oder mehr Osterhasen gemacht hat, Schokolade überhaupt noch riechen? «Doch, doch», lacht Kuhn, «ich mag Schokolade auch dann noch sehr gerne.»

Früh raus macht ihr nichts aus

Michelle Kuhn liebt an ihrem Beruf den Mix: jetzt Osterhasen, dann wieder Pralinen oder Backwaren. Normalerweise steht sie um 0.30 Uhr in der Backstube. Das macht ihr nichts aus: «Diese Arbeitszeit hat auch Vorteile. Wenn ich einmal sogenannt normal arbeiten muss, kommt mir der Nachmittag brutal lang vor.» Für die Osterhasen beginnt sie ihre Arbeit um 5.30 Uhr und hat dann mitten im Nachmittag wieder Feierabend.

Sollte es – wegen Ausgang oder so – einmal nicht mehr für den Schlaf in der Nacht reichen, sagt die 22-Jährige mit einem Lächeln, «kann ich das ja am Nachmittag nachholen.» Einen Blick hat die Berufsfrau stets auch auf die Produkte in anderen Bäckereien. «Es ist immer interessant zu sehen, wie andere arbeiten. Und man kann Ideen für die eigene Arbeit holen.»