Ist nicht alles geschrieben über die Geschichte des Klosters Muri? Eben nicht. Und sicher nicht aus verschiedenen Blickwinkeln erforscht. Die Geschichtsschreibung über das Kloster Muri ist im Wesentlichen die Darstellung von Pater Martin Kiem aus den Jahren 1880/1890. «Es ist die Wahrheit von Mönchen», sagt Peter Hägler, ehemaliger Bezirksschullehrer und jetzt Geschäftsführer der Stiftung Geschichte Kloster Muri.

Und diese Wahrheit ist nicht objektiv. Deshalb hat sich die Stiftung entschlossen, die Geschichte des Klosters Muri umfassend und wissenschaftlich aufzuarbeiten. Auch die jüngsten diesbezüglichen wissenschaftlichen Arbeiten sind alt; sie stammen aus den 1960er-Jahren. «Vieles weiss man, vieles weiss man noch nicht.»

Letzteres herauszufinden, ist die Aufgabe dieses Projekts: «Seit Juni 2011 ist die Stiftung Geschichte Kloster Muri daran, das grosse Werk der Geschichtsschreibung dieser ersten habsburgischen Klosterstiftung von 1027 bis in die Gegenwart zu erarbeiten», führt Hägler aus. Anlass für eine Art Zwischenbilanz dieser Arbeiten: ein Scheck über 30 000 Franken von der UBS-Kulturstiftung.

Archive durchforsten

Diese finanzielle Unterstützung von verschiedenen Seiten ist denn auch wichtig und nötig. Am Ort der Übergabe, in der Sammlung Murensia, ist zwar «alles, was jemals über das Kloster Muri gedruckt wurde».

Aber das reicht selbstverständlich nicht, um die Geschichte des Klosters wissenschaftlich aufzuarbeiten. «Für eine solche Aufgabe braucht es Fachleute. Es gilt, die in verschiedenen Archiven gelagerten Dokumente und Unterlagen zu erschliessen. Man findet in den Archiven immer wieder Neues.»

Diese liegen nicht unbedingt vor der Murianer Klostertür, sondern sind bis ins Südtirol, in Wien, Innsbruck oder im süddeutschen Raum zu besuchen. Das bedeutet einen gehörigen Aufwand und viel Arbeit. Am Schluss mündet das Projekt in schriftlicher Form in vier bis fünf gedruckten Bänden. Der erste Band erscheint 2018 und wird die Zeit des 19. und 20. Jahrhunderts umfassen.

«Vielleicht gelingt es sogar, in einem Band die Synthese zu machen und aufzuzeigen, welchen Stellenwert in welcher Epoche verschiedene Bereiche wie Kleidung oder Landwirtschaft aufwiesen. Es wäre total wertvoll, die verschiedenen Verbindungen sichtbar zu machen.»

An der Arbeit sind auch viele junge Wissenschaftler; darauf legt Abt Benno Malfèr besonderen Wert, wie Hägler betont. Es sind auch schon verschiedene Dissertationen über das Thema verfasst worden.

Auf Geldgeber angewiesen

Das Ganze kostet viel Geld, «über 5 Millionen Franken». Entsprechend glücklich zeigt sich die Stiftung Kloster Muri auch über die Unterstützung mit 30 000 Franken durch die UBS-Kulturstiftung.

Nicht nur das Geld sei sehr willkommen. «Die Unterstützung drückt auch die Sympathie zum Kloster aus», freut sich Hägler, der zusammen mit den Stiftungsräten Röbi Häfner und Thomas Suter den Betrag verdankte.

«Das Kloster Muri ist ein Kulturgut von nationaler Bedeutung. Einen Beitrag zur lückenlosen Erforschung seiner abwechslungsreichen Geschichte beitragen zu dürfen, ehrt uns», meinte Benjamin Gabathuler, Leiter der UBS-Geschäftsstelle in Muri, bei der Scheckübergabe.

Die UBS-Kulturstiftung engagiert sich seit über 50 Jahren für die Förderung des kulturellen und künstlerischen Schaffens, den Austausch zwischen Kunstschaffenden und Gesellschaft und die Vielfältigkeit kultureller Ausdrucksformen. Insbesondere fördert sie die Entstehung, Verbreitung und Vermittlung des aktuellen Kunst- und Kulturschaffens.