Muri
Hier gibt es unzählirge Christkinder – von nackt bis königlich

Eine Sonderausstellung des Museums Kloster Muri konnte dank Schätzen aus einer Privatsammlung eröffnet werden.

Eddy Schambron
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Barbara Reif hört auf; ihre letzte Sonderausstellung zum Thema Christkinder Ende letzten Jahres brachte es sogar in die «Tagesschau». Archiv/ES

Barbara Reif hört auf; ihre letzte Sonderausstellung zum Thema Christkinder Ende letzten Jahres brachte es sogar in die «Tagesschau». Archiv/ES

Eddy Schambron

Die Ausstellung ist ein absoluter Glücksfall, betont Barbara Reif, Kuratorin des Museums Kloster Muri: Ab Freitag sind im Singisenflügel des ehemaligen Klosters seltene «Christkinder und andere weihnachtliche Schätze» aus einer bedeutenden Privatsammlung zu sehen. Die Sonderausstellung zeigt etwa 20 prächtige Jesuskindfiguren und sogenannte Klosterarbeiten zum Thema aus der Barockzeit, der Blütezeit des Klosters Muri.

«Es ging nicht darum, eine Krippenausstellung zu machen, wie es viele gibt», erklären Reif und Urs-Beat Frei, Spezialist für christliche Sakralkultur und Kurator aus Luzern. Im Zentrum steht das Jesuskind als Einzelfigur. «Ein Besuch dieser Schau erlaubt es den Besucherinnen und Besuchern, sich in Ruhe und mit einem eindrücklichen Erlebnis auf die Weihnachtszeit einzustimmen sowie sich mit der Bedeutung dieses Festes vertieft auseinanderzusetzen», ist Reif überzeugt.

Nacktheit als theologische Aussage

Dass Gott Mensch geworden ist, bildet einen zentralen und unterscheidenden Inhalt des christlichen Glaubens, der sich auf die ganze abendländische Kultur ausgewirkt hat. Das lasse sich bis hinein in die Diskussion um die modernen Kinderrechte verfolgen, bemerkt Frei. Die Darstellung des göttlichen Kindes hat im Laufe der Jahrhunderte ganz unterschiedliche Formen angenommen - von nackt, weil man sehen sollte, dass Gott tatsächlich Mensch geworden ist, bis wunderschön gekleidet, manchmal liegend, oft stehend.

Das Jesuskind ist als Welterlöser, als guter Hirt, als himmlischer Bräutigam oder bereits mit den Leidenswerkzeugen zu sehen. Die Figuren der Sonderausstellung stammen aus der Schweiz, Deutschland, Italien, Spanien und sogar aus Indien (Goa) und sind aus Holz, Wachs, Terracotta oder Elfenbein hergestellt.

«Jede Jesusfigur hat ihre Besonderheit, sei es aufgrund ihrer künstlerisch herausragenden Qualität, sei es aufgrund ihrer theologischen Aussage und Bedeutung oder auch ihres individuellen, oft innigen Ausdrucks», erklärt Frei. Er wird am Sonntag, 4. Dezember, um 17 Uhr, über Aspekte der Jesuskindverehrung vom Mittelalter bis in die Gegenwart reden. Titel des Vortrags mit Bildern: «Gross bist du, wenn schon noch klein.»

Wichtig für das Museum

«Sonderausstellungen sind elementar für ein Museum, um attraktiv zu bleiben und um auf sich aufmerksam zu machen», sagt Reif. In Muri sind entsprechende Möglichkeiten sowohl räumlich als auch finanziell sehr beschränkt. Umso glücklicher ist die Kuratorin, dass jetzt, nach «Verblümt» im September/Oktober, mit viel Fronarbeit verschiedener Beteiligter sowie den Exponaten aus einer Privatsammlung wieder eine besondere Ausstellung ausgerichtet werden kann.

«Aus dem eigenen Fundus wäre das nicht möglich gewesen.» Mit einfachen Mitteln ist es auch gelungen, in den zwei Ausstellungsräumen einen stimmungsvollen Rahmen zu schaffen. Ein bisschen träumen Reif und Frei auch davon, künftig in Muri einen Schwerpunkt für sakrale Kunst zu entwickeln. Ein solches Zentrum gibt es in der Schweiz noch nicht.

Ausstellung «Christkinder»: 25. November bis 15. Januar, Freitag bis Sonntag, 13.30 bis 16 Uhr, öffentliche Führungen jeweils Sonntag um 14 Uhr. Eröffnungsfeier am Freitag, 25. November, 18 Uhr, mit musikalischer Umrahmung durch Johannes Strobl, Sonntag, 4. Dezember, 17 Uhr, Vortrag «Gross bis du, wenn schon noch klein» von Urs-Beat Frei. Eintritt: Ausstellung 5 Franken, Museum und Ausstellung 12 Franken, Kinder gratis, Führung kostenlos.