Der furchtbare Zyklop greift sich zwei weitere Kollegen von Odysseus und verschlingt sie bei lebendigem Leib. Er schmatzt und wischt sich mit der Hand den Mund ab. «Hmmm!» machen alle neun Theaterkinder und wischen sich ebenfalls mit der Hand über den Mund. Jetzt kommt Odysseus mit einer Flasche Wein zum Zyklopen, und der leert sie in einem Zug. Völlig betrunken fragt er Odysseus nach seinem Namen. Odysseus sagt: «Ich heisse Niemand.» Dann schläft das Ungeheuer ein. Odysseus zögert nicht lange. Er packt sein Schwert und sticht dem Zyklopen sein Auge aus. «Aua!» schreit der Zyklop, und «Aua!» ruft der Chor der Schauspieler. Als die anderen Zyklopen ihren Kollegen fragen, wer ihm denn das angetan habe, sagt dieser: «Niemand.»

Nur eines von vielen Abenteuern, das Odysseus auf seiner Irrfahrt nach Hause zu bestehen hat. Die besten Geschichten aus Homers Odyssee haben Silvia Roos und Stefan Roos Humbel zusammengestellt und sind jetzt gerade dabei, diese Geschichten zusammen mit 24 Kindern der Musikschule Kelleramt mit neuem Leben zu füllen.

Preisgekröntes Theater

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die beiden Macher des Theaters Roos und Humbel (siehe Text unten) mit der Sage um den Held von Troja auseinandersetzen. Ursprünglich haben sie es als Stück für Erwachsene konzipiert. Dann wurde es zu einem Musiktheater mit 40 Kontrabässen, für das Roos und Humbel 2012 den Preis des Kantons Bern für innovative Musikvermittlung erhielten. Für die Projektwoche der Musikschule Kelleramt haben sie den Stoff nochmals überarbeitet, den Text angepasst und die Musik neu arrangiert. Für dieses «Musiktheater mit Live-Trickfilm und Band» legen sich die Musikschüler des Kelleramts nun während der ganzen Woche ins Zeug, um am Samstag und Sonntag dann in zwei öffentlichen Aufführungen zu brillieren.

«Ich war mega überrascht, wie brav die Kinder sind», freut sich Silvia Roos, die als Regisseurin mit den Theaterkindern die Spielszenen einstudiert und das Bühnendekor zeichnet und bastelt. «Sie müssen öfter warten, wenn ich mit Einzelnen probe, aber das ist nie ein Problem. Sie sind alle ungeheuer motiviert und lernen die Texte und Abläufe im Nu.» Besonders angetan sind die jungen Schauspieler auch von der Technik. Die Erzähler sprechen übers Mikrofon, und die Schüler bedienen in den Szenen selber eine Handkamera, deren Bilder live auf die Grossleinwand projiziert werden.

«Und das Essen ist fein!»

Während die Theaterkinder am Schauspiel arbeiten, studieren die Orchesterkinder die Musik ein. Am Dirigentenpult steht Claudia Vollenweider, die zusammen mit Stefan Roos Humbel fortlaufend die Arrangements anpasst, wenn sie nicht so klingen, wie sie sollten, oder wenn eine Passage die technischen Fähigkeiten der jeweiligen Musiker übersteigt. Während der Proben stehen immer auch Musiklehrer der Musikschule den einzelnen Instrumentenregistern zur Seite.

Für die Schüler der 2. bis 6. Klasse, die sich für diese Projektwoche anmelden konnten, gibt es viele gute Gründe, bei «Odyssee» mitzumachen: «Das Proben gefällt mir», sagt Gitarrist Kevin Anderegg (10) aus Jonen, «und dass es genug Pausen gibt.» Timothée Tully (12) aus Oberlunkhofen spielt Schlagzeug und findet «alles zusammen lässig, weil hier so präzise gearbeitet wird – und das Essen ist fein!» Heute schon ist klar, dass diese «Odyssee» ein Happy End haben wird.

Aufführungen: 14. April, 17 Uhr, und 15. April, 11 Uhr, Aula (Mehrzweckgebäude) der Schulanlage Oberlunkhofen, Eintritt frei.