Jemandem Zeit schenken, dem es weniger gut geht, als einem selber. Das war der Grundgedanke, der Muriel Brem und Ruedi Fürer zur Freiwilligenarbeit in der St. Josef-Stiftung brachte. Beide betreuen seit vielen Jahren einen Bewohner der Stiftung – und tun das auch nach langer Zeit noch mit viel Herzblut.

Wenn sie von ihren Schützlingen sprechen, fangen ihre Augen an zu leuchten und ein Lächeln tritt auf ihr Gesicht. «Man erhält so viel zurück, sogar mehr, als man gibt», erzählt Brem lächelnd. Über die Jahre hinweg sei zwischen ihr und dem Bewohner ein enges Verhältnis entstanden, obwohl aufgrund der Behinderung keine Worte hin und her gehen. Das sei ein riesiges Geschenk, findet auch Ruedi Fürer.

Freude auch nach 15 Jahren

Als er sich mit 60 Jahren frühpensionieren liess, entschied er sich, seine neue Freizeit mit einem Bewohner der St. Josef-Stiftung zu teilen, die damals unter der Leitung von Schwester Reto stand. «Für sie finden wir sofort jemanden», habe diese zu ihm gesagt.

15 Jahre später ist aus seinem Schützling ein junger Mann geworden. Viel mehr habe sich nicht geändert. Nach wie vor unternehmen die beiden einmal pro Woche Ausflüge durch das Städtchen, besuchen Baustellen oder fahren mit dem Bremgarten-Dietikon-Bähnli. «Und der krönende Abschluss in jeder Woche: zusammen im Restaurant JoJo eins ziehen», strahlt der heute 76-Jährige.

Für die Arbeit, die von insgesamt 45 Freiwilligen in der St. Josef-Stiftung im Rahmen einer individuellen Betreuung oder auch in der Tagesstätte geleistet wird, sind die agogische Leiterin Daniela Oehrli und Stiftungsleiter Thomas Bopp sehr dankbar. «Uns ist es wichtig, dass sich die Freiwilligen auch zugehörig fühlen», erklärt Bopp. Neben einem Essen und Vergünstigungen im JoJo kommt die Stiftung auch für Weiterbildungen im Bereich der Freiwilligenarbeit auf.

Mehr Freiwillige gesucht

Obwohl bereits viele Bewohner von Freiwilligen betreut werden, gibt es immer noch solche, die auf eine Bezugsperson warten. «Dringende Fälle sind es im Moment fünf», so Oehrli. «Ausserdem sind einige der Freiwilligen schon über 80», berichtet sie weiter. Für diese sei es körperlich oft nicht mehr möglich, einen Rollstuhl zu schieben. Sie werden zu «Gruppen-Omas und -Opas», wie Oehrli sie liebevoll nennt. Sie lesen den Bewohnern beispielsweise Geschichten vor und müssen lediglich in der Betreuung abgelöst werden.

Um einen Bewohner der Stiftung zu betreuen, brauche es keine Ausbildung, sondern nur Offenheit. Viele Leute haben Berührungsängste, doch die seien nicht nötig, im Gegenteil: «Es würde vielen Leuten guttun, wenn sie häufiger in Kontakt mit Behinderten kämen», ist Brem überzeugt. Auch der Stiftungsleiter sieht diese Begegnungen als ein Geschenk: «Eine Freundschaft ohne Worte, wo gibts das heute noch?» Oehrli fügt lachend an: «Und dann noch ohne Handy.» Für Interessierte ist sie die Ansprechperson. «Wir sind offen für Menschen mit den unterschiedlichsten Interessen», ist ihr wichtig.

Interessierte Freiwillige melden sich bei Daniela Oehrli unter 056 648 46 22 oder daniela.oehrli@josef-stiftung.ch