Bremgarten
Hexenverfolgung: Warum Agatha Huber auf den Scheiterhaufen kam

Der Historiker Fridolin Kurmann berichtet in den Beriker Chleeblättern über die Hexenverfolgungen.

Jörg Baumann
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Am 9. Oktober 1574 wurde die 80-jährige Agnes Muschin in Bremgarten als Hexe hingerichtet. Auf dem Weg zum Scheiterhaufen wurde sie mit glühenden Zangen gezwickt. ZENTRALBIBLIOTHEK ZÜRICH SAMMLUNG WICKIANA

Am 9. Oktober 1574 wurde die 80-jährige Agnes Muschin in Bremgarten als Hexe hingerichtet. Auf dem Weg zum Scheiterhaufen wurde sie mit glühenden Zangen gezwickt. ZENTRALBIBLIOTHEK ZÜRICH SAMMLUNG WICKIANA

zvg

Am 15. Mai 1580 verbrannte Agatha Huber aus Unterlunkhofen auf dem Scheiterhaufen. Die Anklage lautete auf Hexerei. Huber war eine der 74 Frauen und 5 Männer, die zwischen 1487 und 1701 vom Zürcher Kleinen Rat wegen Hexerei hingerichtet wurden. Darüber schreibt der Bremgarter Historiker Fridolin Kurmann in den Beriker Chleeblättern, dem Publikationsorgan des Kulturvereins Berikon.

Der Teufel als Anstifter

Agatha Huber und ihre Familie gerieten unverschuldet nach einer Missernte in arge Not. Dabei verlor sie ihr Lehensgut. Da soll ihr im Baumgarten ein schwarz gekleideter Mann begegnet sein, der sich später als Luzifer zu erkennen gab. Er hielt ihr die elende Lage vor Augen und versprach ihr, der Familie aus der Misere zu helfen. Denn dazu habe er Geld und Gold genug. Zuvor müsse Agatha Huber an Luzifer glauben, ihm folgen und Gott verleugnen. Darauf trieb er mit der Frau Unzucht.

Das Sündenregister von Agatha Huber war lang. So soll sie dem Mädchen Regeli in des Teufels Namen einen Apfel gegeben haben. Darauf wurde Regeli drei Tage lang krank. Die Schwester Regelis soll, verhext von Agatha Huber, sogar gestorben sein. Beim Nachbarn biss ein Kalb ins Gras, nachdem es Agatha Huber angehaucht hatte. Weiter sollte Agatha Huber es zugelassen haben, dass der Teufel die Kuh einer Nachbarin angerührt habe, die danach keine Milch mehr gab.

Wegen dieser angeblichen Vergehen wurde Agatha Huber am 11. Mai 1580 verhaftet. Die Häscher steckten sie in das heute noch bestehende Verliess im Hexenturm in Bremgarten und folterten sie grausam, bis sie die ihr zur Last gelegten Taten gestand. Weil der Stadt Bremgarten nur die niedere Gerichtsbarkeit zustand, entschied die hohe Gerichtsbarkeit in Zürich über Leben und Tod. Dort verhörte ein Ausschuss des Kleinen Rates Agatha Huber ein zweites Mal, worauf sie ihr Geständnis widerrief. Sie habe dieses nur wegen der Folter in Bremgarten gemacht. Die Zürcher drohten Agatha Huber erneut die Folter an. Darauf gab die unglückliche Frau auf und landete schliesslich auf dem Scheiterhaufen.

Bremgarten besonders ungnädig

In Bremgarten sei die Hexerei besonders heftig verfolgt worden, schreibt Kurmann. Die Hexenverfolgungen seien ein Phänomen West- und Mitteleuropas in der frühen Neuzeit vom 16. bis in den Beginn des 18. Jahrhundert. Sie gehörten also nicht, wie viele glauben, ins finstere Mittelalter.

Voran ging auch nicht etwa die Kirche. Vielmehr waren staatliche Instanzen die treibenden Kräfte, oft unter Druck der Bevölkerung. Kurmann weist darauf hin, dass die Hexenverbrennungen der Denkweise und dem magischen Weltbild der damals lebenden Menschen entsprachen. Eine blosse Berührung oder ein Anhauchen eines Menschen, konnte diesen oder ein Tier nach den herrschenden Vorstellungen krank machen. Dazu kam in der frühen Neuzeit eine lange andauernde wirtschaftliche und geistige Krise. «In solchen Situationen sind Sündenböcke leicht zur Hand. Das war nicht nur früher so», bilanziert Kurmann. Hexenverfolgen gebe es überdies noch heute in Afrika, Asien oder Südamerika.