Bremgarten

Hexenturm-Vögel kreisen über der Stadt

Die Vögel schützen und unterstützen: Stéphanie Vuichard vom Naturama in Aarau und Andres Beck, Beauftragter Fledermaus-, Segler- und Dohlenschutz Aargau, am Gemeindeseminar in Bremgarten.

Die Vögel schützen und unterstützen: Stéphanie Vuichard vom Naturama in Aarau und Andres Beck, Beauftragter Fledermaus-, Segler- und Dohlenschutz Aargau, am Gemeindeseminar in Bremgarten.

Das Gemeindeseminar des Naturamas zeigt den Mehrwert von Tieren und Pflanzen für den Siedlungsraum.

Tiere und Pflanzen entfalten ihren Reiz nicht nur in der Natur, sondern auch im Siedlungsraum: Fauna und Flora breiten sich dort aus, wo sie gute Lebensbedingungen vorfinden. Welchen Mehrwert sie einer Ortschaft bieten, zeigte das Gemeindeseminar II des Naturamas im Auftrag des Kantons in Bremgarten auf. Die Exkursion richtete sich an Exekutivmitglieder, Mitarbeitende von Bauverwaltungen, Mitglieder von Natur- und Landschaftskommissionen sowie Werkhofleiter und -leiterinnen. Zwei Dutzend Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnte Stéphanie Vuichard vom Naturama Aargau im Reussstädtchen begrüssen. Die Projektleiterin Naturförderung zeigte zusammen mit Fachleuten Möglichkeiten auf, wie die Natur innerhalb von Gemeindegrenzen nicht nur geschützt, sondern auch wirkungsvoll unterstützt werden kann.

Aber wie kommt die Verbindung zwischen einem Museum und der freien Natur zustande? Nun, das Naturama ist ein modernes Mitmach-Museum beim Bahnhof Aarau mit einem vielfältigen Angebot an Veranstaltungen, Kursen, Events sowie Führungen drinnen und draussen. Zusätzlich zu den Museumsaufgaben erfüllt das Naturama eben auch Missionen in den Bereichen Umweltbildung, Naturförderung und nachhaltige Entwicklung, wie das Beispiel des Gemeindeseminars zeigt.

Ein Leben in der Luft

Der Anfang des Rundgangs war ganz besonderen Vögeln mit ihren Brutstätten in altem Gemäuer gewidmet – den Mauerseglern beim Hexenturm an der Reussgasse. An ihrem Beispiel konnte gezeigt werden, dass Tiere auch im Siedlungsraum an und zwischen den Gebäuden geeignete Nischen zum Nisten, zur Nahrungsaufnahme und zum Leben finden. Der Mauersegler verbringt fast sein ganzes Leben in der Luft. Einzig zum Brüten benötigt er Hohlräume unter Dächern, Ziegeln, Maueröffnungen oder eben Nistkästen. «Leider findet diese Vogelart immer weniger Brutmöglichkeiten, da im Zuge von Renovationen älterer Gebäude viele Nischen verschwinden. Um so erfreulicher ist es, dass sich die Mauerseglerkolonie in Bremgarten behaupten kann», betonte Stéphanie Vuichard, die auf dem Rundgang einen Spezialisten dabei hatte: Andres Beck, Beauftragter Fledermaus, Segler- und Dohlenschutz Aargau. Beide zeigten den interessierten Exkursionsteilnehmern verschiedene Vogelpräparate.

Ein eindrückliches Ergebnis von der guten Zusammenarbeit eines Hauseigentümers mit Naturschützern wurde in der Unterstadt am Beispiel eines Mehrfamilienhauses gezeigt, wo bei dessen Fassadensanierung ein grosser Holzkasten als Behausung für Fledermäuse montiert werden konnte.

Mit einem Blickwechsel auf den Boden wurde erläutert, wie man noch weitere Tierarten fördern kann, die sich nicht vom Boden abheben können. Mit verschiedenen Nist- und Versteckmöglichkeiten, einer guten Nahrungsquelle und einer kleintiergerechten Vernetzung lässt sich die einheimische Fauna in einer Siedlung unterstützen. Seien es in Bremgarten die Igel auf dem Friedhof oder die Eidechsen an einem Stück erhalten gebliebener Stadtmauer. Sebastian Meyer von der Abteilung Landschaft und Gewässer des Kantons machte bei dieser Gelegenheit auf die Pflanzenwelt aufmerksam, die sich dort entwickelt.

Auf dem Weg durch die Unterstadt zeigte sich auf einem Spielplatz der Einfluss der Natur, denn neben den Rasenflächen gibt es absichtlich auch ungemähte Stellen. Ferner beeindruckte eine Wildblumenwiese mit Strukturen und einem Dornengestrüpp als Unterschlupf für Vögel, während die Mauersegler mit akrobatischen Flugmanövern über dem Quartier kreisten.

«Naturflecken in der Stadt»

«Wir haben mehr Naturflecken in der Stadt, als man meint. Man sieht viel davon aber erst, wenn man genau hinschaut», stellte Vizeammann Doris Stöckli fest. In der Oberstadt präsentierten sich schliesslich den am Gemeindeseminar Beteiligten einige gelungene Beispiele von Fassadenbegrünungen, bevor es auf dem Schellenhausplatz bei einem Apéro Gelegenheit gab, mit den Referenten und anderen Gemeindevertretern ins Gespräch zu kommen.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1