Bremgarten
Hexenturm soll neben Fledermäusen auch «Apérölern» eine Heimat bieten

Bisher ist der Bremgarter Hexenturm den Fledermäusen vorbehalten. Künftig sollen dort auch kleinere Anlässe stattfinden, man denkt dabei vornehmlich an Apérorunden. Dazu soll der Turm mit einer Stahltreppe erschlossen werden.

Lukas Schumacher
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Lukas Schumacher

Der Hexenturm am rechten Reussufer wird heute ausschliesslich von Fledermäusen als Unterkunft genutzt. Das will die Turmbesitzerin, die Ortsbürgergemeinde Bremgarten, nächstes Jahr ändern. Im markanten Rundturm, der vermutlich im 14. Jahrhundert errichtet und 1415 erstmals urkundlich erwähnt wurde, sollen bald kleinere Anlässe, vorab Apérorunden, stattfinden können. Den Turm will man auch bei künftigen Stadtführungen zugänglich machen, zumal von hier aus eine tolle neue Aussicht übers Stadtgebiet winkt.

Mit dem Hexenturm, ursprünglich Himmelrych- oder Fimmisturm genannt, ist ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte Bremgarten verknüpft. Im Mittelalter wurden hier mehrere Frauen als angebliche Hexen eingekerkert und gefoltert.

Stahltreppe und Turmstube

Das Sanierungs- und Ausbauprojekt sieht vor, den 22 Meter hohen Turm mittels einer Stahltreppe zu erschliessen, die sich um den Turm nach oben zum Zugang im ersten Obergeschoss schlängelt. Hier möchte man den Tonplattenboden erneuern und in eine Turmnische eine kleine Toilettenanlage einbauen. Die bestehenden historischen Treppenanlagen im Innern des Turms werden im Urzustand belassen. Vom zweiten bis ins vierte Stockwerk werden neue Böden aus Fichtenholz eingezogen.

Oben im Turm soll eine kleine Turmstube mit sechs Plätzen eingerichtet werden. Eine stilvolle Beleuchtung mit LED-Leuchten und Verglasungen der sechs Fensternischen sind ebenfalls Teil des Ausbau- und Sanierungskonzepts. Kostenpunkt: 339 000 Franken. Bei einem Ja der Ortsbürgergemeindeversammlung am 4. Dezember laufen die Sanierungsarbeiten im Frühjahr 2014 an.

Schutz der Fledermäuse ist zwingend

Der Hexenturm ist nicht nur wegen seiner Geschichte, sondern auch wegen seiner langjährigen Bewohner von grosser Bedeutung. Denn die Mauerlöcher in der Turmfassade werden im Sommer von Mauerseglern, im Rest des Jahres von Grossen Abendseglern, einer der grössten Fledermausarten der Schweiz, bewohnt. Andres Beck, der Aargauer Fledermausexperte, wird sich eingehend damit befassen.

Er kennt das genaue Projekt noch nicht. Auf Anfrage erklärt er: «Falls der Turm nur innen ausgebaut wird, stört das die Fledermäuse gar nicht. Wird aber die Aussenmauer saniert, müsste speziell darauf geachtet werden, dass die Löcher erhalten und nicht verschlossen werden. Auch eine permanente Aussenbeleuchtung des Turms würde die Tiere vertreiben.»

Einmaliges Ereignis

Die Ortsbürgerversammlung vom 4. Dezember im Reussbrückesaal wird in die Lokalgeschichte eingehen. Denn im Sog des Polit-Zusammenschlusses der Einwohnergemeinden Bremgarten und Hermetschwil-Staffeln nehmen erstmals auch die Ortsbürgerinnen und Ortsbürger des neuen Bremgarter Ortsteils Hermetschwil-Staffeln an der Versammlung teil. Sie können mitentscheiden bei den ersten drei Versammlungsgeschäften: Budget 2014, Kompetenzerneuerung an Stadtrat für den Erwerb und Verkauf von Grundstücken sowie Wahl von Finanzkommission, Stimmenzähler und Ersatzstimmenzähler der Amtszeit 2014 bis 2017.

Bei der Besetzung der fünf Sitze in der Finanzkommission kommt es zu einer Kampfwahl. Nebst den fünf bisherigen Kommissionsangehörigen Stefan Birchmeier, Erwin Kummer, Ralph Martin, Patrik Nauer und Priska Schindler (alle Bremgarten) kandidiert neu Thomas Keusch aus Hermetschwil-Staffeln.

Bei den restlichen Geschäften bleiben die Bremgarter Ortsbürger unter sich. Sie befinden über das Hexenturmprojekt und Einbürgerungsgesuche von Martin Indlekofer und der Familie Thomas und Regina Tardy.