Bremgarten

Heute wäre der Christchindlimärt eröffnet worden – immerhin der Glühwein ist wie gewohnt

Sabina Glarner (r.) und Ursula Lightowler in der Bremgarter Marktgasse.

Sabina Glarner (r.) und Ursula Lightowler in der Bremgarter Marktgasse.

Wegen der Coronapandemie fällt die Premiere von Sabina Glarner als Präsidentin aus.

Festlich geschmückte Weihnachtsstände, der leckere Geruch von heissem Punsch und Glühwein, ein feines Raclette und eine besinnliche Stimmung in der Altstadt. All das und vieles mehr macht den Bremgarter Christchindlimärt aus. Rund 100'000 Besucher lassen sich das viertägige Erlebnis alljährlich nicht nehmen.

Heute Donnerstagnachmittag wäre um 13.30 Uhr auf dem Obertorplatz die 26. Ausgabe eröffnet worden. Eigentlich ein schöner Moment, den die Mitglieder des Vereins Christchindlimärt nach vielen Stunden Vorarbeit geniessen könnten. Aus bekannten Gründen fällt dieser nun aber weg.

Froh, dass nicht das Jubiläum ausgefallen ist

Speziell bitter ist die Absage für Sabina Glarner. Sie hat Anfang Jahr das Vereinspräsidium von Ursula Lightowler übernommen, die zuvor 25 Jahre im Vorstand war und die vergangenen acht Jahre als Präsidentin fungierte. Ausgerechnet die Premiere fällt für Glarner aus.

Die «Aargauer Zeitung» trifft die beiden Frauen im Büro des Christchindlimärts in der Metzgergasse zum Gedankenaustausch. Sitzt der Frust tief? Für Sabina Glarner ist dies trotz allem kein Thema. «Frust zu haben, bringt nichts. Es ist, wie es ist. Ich bin einfach froh, dass es nicht letztes Jahr beim Jubiläum so weit gekommen ist», sagt die Bremgarterin. Ursula Lightowler pflichtet ihr bei, «du hast völlig recht. Das wäre extrem schade gewesen».

Im Normalfall beginnen die Vorbereitungen auf den Christchindlimärt im März. Auch heuer legte der Vorstand im Frühling gewohnt los, musste sich dann aber rasch mit den Auswirkungen der Coronapandemie beschäftigen. Im September fiel schweren Herzens der Entscheid, den Märt in seiner gewohnten Art abzusagen – rechtzeitig ohne grössere finanzielle Auswirkungen. Wobei die jährlichen Fixkosten trotz allem rund 35000 Franken betragen. Dazu gehören Lager, Reparaturen oder Versicherungen.

Eine verkleinerte Version hätte keinen Sinn gemacht

«Die Unsicherheit über die vergangenen Monate hinweg zerrte mir am meisten an den Nerven. Niemand wollte sich die Finger verbrennen», sagt Sabina Glarner. Sie rechnete verschiedene Varianten mit unterschiedlichen Besucherkapazitäten durch und sagt: «Es war eine Herausforderung, immer ­wieder neue Schutzkonzepte auszuarbeiten.» Doch am Ende machte es keinen Sinn – und eine verkleinerte Version nicht wünschenswert.

«Unser Markt kann nicht anders sein, er lebt vom gewohnten Ambiente. Mit der frühzeitigen Absage konnten wir aber allen beteiligten Marktfahrern und Vereinen Planungssicherheit geben», erklärt Glarner. Mitausschlaggebend war auch die Altersstruktur der vielen freiwilligen Helfer, die vor allem am Donnerstag und Freitag jeweils im Einsatz stehen und vielfach über 60 Jahre alt sind. Und damit zur Risikogruppe zählen.

Engagierte Helferin wäre auch Ursula Lightowler gewesen, natürlich nicht mehr an vorderster Front wie früher. Mit spürbarem Wehmut sagt sie: «Ich habe mich so darauf gefreut, Glühwein verkaufen zu dürfen.» Dass nun alles ausfällt, macht es für sie nicht einfach. Mit der Zeit Anfang Dezember verbindet sie spezielle Erinnerungen. «Für mich fing Weihnachten immer mit dem Christchindlimärt an», erzählt sie.

Glühweintassen mit Jahrgang 2020 gibt es

In den Bremgarter Gassen wird dennoch ein wenig Weihnachtsstimmung aufkommen. Am Wochenende vom 5./6. Dezember und auch am 19./20. Dezember sind die Läden offen und eine Handvoll Marktstände verkaufen Geschenkartikel.

Der Verein Christchindlimärt verkauft jeweils von 11 bis 17 Uhr zusätzlich den beliebten Glühwein. Zu kaufen gibt es auch die üblichen Glühweintassen mit aufgedrucktem Logo und Jahreszahl. «Wir bestellen die 3000 Tassen jeweils im Zweijahrestakt, zuletzt 2019 auch für dieses Jahr», erklärt Sabina Glarner.

Die nächste Bestellung ist kommendes Jahr fällig. Die Hoffnung ist gross, dass der Christchindlimärt dann wieder stattfinden kann. «Wir werden im Frühling sicher mit den Vorbereitungen beginnen. Es wird sich zeigen, was möglich ist», sagt Glarner.

Vorläufig kümmert sie sich noch um die letzten Details für den Glühweinverkauf am Wochenende. «Vielleicht stehe ich am Donnerstag um 13.30 Uhr aber trotzdem kurz auf dem Obertorplatz», meint sie, worauf Ursula Lightowler entgegnet: «Das können wir machen.» Ein bisschen Christchindlimärt-Gefühl muss sein.

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