Intimfeind
«Hetzkampagne»: Walter Dubler kritisiert SVP-Gallati in Leserbriefen – doch er bleibt anonym

Der ehemalige Wohler Gemeindeammann Walter Dubler kritisiert Regierungsratskandidat Jean-Pierre Gallati – doch er bleibt anonym.

Fabian Hägler
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Haben eine lange Vorgeschichte: Jean-Pierre Gallati (links) und Walter Dubler.

Haben eine lange Vorgeschichte: Jean-Pierre Gallati (links) und Walter Dubler.

Bildquellen: Alex Spichale, Chris Iseli

Seit der Nomination als Regierungsratskandidat gibt sich SVP-Politiker Jean-Pierre Gallati zurückhaltend und staatsmännisch. Schon am Parteitag, als er für Wahl vom Sonntag aufgestellt wurde, kündigte Gallati an, er werde im Wahlkampf weder andere Kandidaten noch bisherige oder aktuelle Regierungsmitglieder angreifen. Daran hat sich der SVP-Fraktionschef im Grossen Rat, der für seine scharfen Attacken auf politische Gegner bekannt war, bisher strikt gehalten.

Dennoch ist Gallati der einzige Kandidat für den Regierungsratssitz, bei dem es nicht nur Wahlempfehlungen, sondern auch heftige Kritik gibt. In den Leserbriefspalten der AZ und des «Wohler Anzeigers» liefern sich Gegner und Unterstützer von Gallati heftige Auseinandersetzungen. So schrieb zum Beispiel der Freiämter Komiker Peach Weber, Gallati habe «Kreide gefressen und seine unsäglichen Aktionen eingestellt, da er ein höheres Amt anstrebt».

Leserbrief-Autoren üben Kritik an Gallatis Rolle im Fall Dubler

Weber kritisierte in seinem Leserbrief auch, dass Gallati einen jahrelangen Rachefeldzug «gegen seinen Intimfeind Walter Dubler» geführt habe. Hintergrund sind politische Aktivitäten von Gallati gegen Dubler in den letzten Jahren. Der damalige Wohler SVP-Einwohnerrat löste mit Vorstössen im Ortsparlament diverse Verfahren gegen den parteilosen Gemeindeammann aus. Der Regierungsrat enthob Dubler aus dem Amt, weil dieser Reglemente verletzt, Kompetenzen überschritten und Gelder nicht der Gemeinde abgeliefert hatte.

Juristisch blieb an Dubler hingegen nichts hängen: Er wurde vom Bezirksgericht Zurzach und vom Aargauer Obergericht zwar des Betrugs und der ungetreuen Geschäftsbesorgung schuldig gesprochen – später hob das Bundesgericht die Urteile aber auf.

Weber kritisiert, Jurist Gallati kenne nicht einmal die Unschuldsvermutung, «einen der einfachsten Grundsätze unseres Rechts». Dass sich der Komiker gegen Gallati und für Dubler einsetzt, überrascht nicht: Der frühere Gemeindeammann von Wohlen politisierte einst in der Gruppe «Eusi Lüüt», die Peach Weber gegründet hatte.

Eine andere kritische Leserbriefschreiberin ist Ruth Ramstein aus Lenzburg. Sie bezeichnete Gallatis Vorgehen als «Hetzkampagne auf Kosten der Steuerzahler gegen den früheren Wohler Gemeindeammann Walter Dubler, welchem vor Bundesgericht mit einem vollständigen Freispruch Gerechtigkeit widerfuhr».

Kritik an Gallati übt auch Marcel Konrad aus Wohlen: Der SVP-Politiker habe im Grossen Rat zweimal gegen die Interessen seiner Wohngemeinde gestimmt, schreibt er in einem Leserbrief. So habe sich Gallati gegen Einzonungen für die Erweiterung der Sportanlagen und der Gewerbezone ausgesprochen und gegen den neuen Finanzausgleich gestimmt, der Wohlen 4,6 Millionen Franken einbringe.

Dubler verfasst Leserbriefe, andere reichen sie für ihn ein

Doch die beiden Leserbriefe mit Kritik an Gallati, die im Namen von Ruth Ramstein und Marcel Konrad publiziert wurden, stammen ursprünglich von einem anderen Autor. Verfasst hat sie Walter Dubler selber, wie ein Blick in die Eigenschaften der Word-Dokumente zeigt. Offenbar hat Dubler die kritischen Texte selber verfasst und dann per Mail an Ramstein und Konrad geschickt.

Die Eigenschaften des Word-Files zeigen: Autor des Leserbriefs mit Kritik an Jean-Pierre Gallati ist Walter Dubler.

Die Eigenschaften des Word-Files zeigen: Autor des Leserbriefs mit Kritik an Jean-Pierre Gallati ist Walter Dubler.

Diese haben die Word-Files unverändert übernommen und den Zeitungen weitergeleitet, wo sie unter ihrem Namen publiziert wurden. Die AZ bat Walter Dubler um eine Stellungnahme zur Frage, weshalb er die Kritik an Jean-Pierre Gallati nicht unter seinem eigenen Namen als Leserbrief einreicht und wen er bei den Regierungsratswahlen stattdessen unterstützt. Dubler war telefonisch nicht erreichbar und liess eine Mail-Anfrage zwei Tage lang unbeantwortet.

«Ich schreibe meine Leserbriefe selber»

Gegendarstellung zu «Leserbriefe gegen den Rivalen unter anderem Namen», AZ vom 17. Oktober

Unter dem Titel «Leserbriefe gegen den Rivalen unter anderem Namen» in der AZ vom Donnerstag, 17. Oktober, schreibt Fabian Hägler: «Dubler verfasst Leserbriefe, andere reichen sie für ihn ein», und er behauptet, der von mir verfasste Leserbrief in der AZ vom Montag, 14. Oktober, sei von Walter Dubler verfasst und von mir «unverändert übernommen und den Zeitungen weitergeleitet» worden.
Obwohl ich gleichentags, also noch am 17. Oktober, bei Fabian Hägler und bei der verantwortlichen Redaktion protestierte, wiederholte die AZ in der Ausgabe vom Freitag, 18. Oktober unter dem Titel «Präzisierung – Peach Weber schreibt seine Leserbriefe selber» die mich einschliessende, unwahre Behauptung, «dass zwei Leserbriefschreiber einen von Walter Dubler vorgefertigten Text ... unverändert übernahmen und dann unter ihrem eigenen Namen bei der Zeitung einreichten.»
Diese Behauptungen der AZ sind falsch und unwahr. Ich fühle mich verleumdet und in der Ehre schwer verletzt. Dies umso mehr, als die AZ die unwahre, verletzende Behauptung trotz meiner Intervention ein zweites Mal publizierte. Richtig ist, dass ich am Wortlaut meiner Leserbriefe feile und Entwürfe gelegentlich Dritten unterbreite, um Korrektheit des Sachverhalts und Ausgewogenheit sicherzustellen. Walter Dubler hatte meinen Leserbrief vor der Publikation gelesen und hatte Vorschläge, welche ich alle verwarf. Der Inhalt meines Leserbriefes ist in allen Teilen von mir. Das können mehrere Personen, denen ich den Entwurf vor Zustellung an die AZ unterbreitete, bezeugen.

Vor der Veröffentlichung seiner Behauptung hätte Fabian Hägler deren Wahrheitsgehalt durch einen Anruf bei mir schnell und einfach klären können und müssen. Das unterliess er und die AZ missachtete meinen umgehenden Protest vor der zweiten Publikation.

Ruth Ramstein

«Leserbrief ist mein Gedankengut»

Stellungnahme von Marcel Konrad zu AZ-Artikel vom 17. Oktober.

In der Ausgabe vom 17. Oktober berichtete die AZ über kritische Leserbriefe gegen Regierungsratskandidat Jean-Pierre Gallati. Im Artikel hiess es, zwei Personen hätten Leserbriefe, die vom ehemaligen Wohler Gemeindeammann Walter Dubler verfasst worden seien, unter ihrem Namen bei Zeitungen eingereicht. Marcel Konrad aus Wohlen hält dazu fest: «Dies ist eine falsche Behauptung. Richtig ist, dass ich mit Walter Dubler, dem ehemaligen Wohler Gemeindeammann, Kontakt hatte und mich mit ihm austauschte, weil er die Fakten genau kennt. Ich wollte im Leserbrief präzis und korrekt sein. Es war ein Faktencheck. Der von mir unterschriebene Leserbrief ist mein Gedankengut und wurde von mir bearbeitet.» (az)

Der Artikel erschien am 17. Oktober 2019. Die beiden Gegendarstellungen wurden am 24. Oktober 2019 hinzugefügt.