Freiamt
Herrscht in Wohlen ein Ladensterben?

Nein, sagt Urs Müller, Präsident des Hagewo, und zeigt auf, wie es um den Detailhandel in Wohlen steht.

Nora Güdemann
Drucken
Teilen
Was mit diesem leerstehenden Gebäudekomplex an der Zentralstrasse passieren wird, ist unklar.

Was mit diesem leerstehenden Gebäudekomplex an der Zentralstrasse passieren wird, ist unklar.

Nora Güdemann

Kürzlich wurde bekannt, dass die Chicoreé- Filiale an der Zentralstrasse in Wohlen schliesst. Das kam überraschend, denn nachdem Chicoreé im November ins alte Wohler Warenhaus Capitol einzog, hiess es, dass der Laden an der Zentralstrasse bestehen bleibt.

Inzwischen steht das Ladenlokal an der Zentralstrasse leer. Es ist nicht das einzige leere Geschäft in Wohlen. An der Bahnhofstrasse stehen gleich vier Lokale leer. «Der Detailhandel hat grundsätzlich Mühe, sich zu behaupten», sagt Urs Müller, Präsident des Handels- und Gewerbevereins Wohlen (Hagewo).

Der Verein sieht sich als Stimme aller selbstständig erwerbenden Personen in der Region. «Tendenziell müssen immer mehr Läden in Wohlen schliessen. Dennoch entstehen auch neue Geschäfte und solche, die investieren, um in Zukunft bestehen zu können.»

«Schade, dass ein ganzer Häuserkomplex leersteht»

Auf einem kleinen Spaziergang durch die vordere Bahnhofstrasse in Wohlen zeigt sich folgendes Bild: Das Geschäft des Hilfswerks Caritas ist voller Kunden, die in den gebrauchten Kleidern stöbern. Das Geschäft eröffnete im Jahr 2016, um den überfüllten Laden in Aarau zu entlasten. Dann, im nächsten Häuserkomplex, zeigt sich das Gegenteil: gähnende Leere. Früher waren dort einmal das Fotoatelier Meyer, der Herrencoiffeur Saxer, das CBD-Hanf-Geschäft Green Diamond und der Edelsteinshop Cosmolapis eingemietet. Coiffeur Saxer zog im letzten Herbst in ein Geschäft in der Jurastrasse.

«Die Zukunft hier an der Bahnhofstrasse ist mir zu unsicher», sagte Werner Saxer damals. Das Fotoatelier Meyer schloss schon 2017, der Edelsteinshop Cosmolapis zog nach Lenzburg und das CBD-Geschäft wurde nach einem Brand in der Liegenschaft geschlossen. Nachbar Falk Kellermann eröffnete im Frühling vergangenen Jahres das Optikergeschäft Augenzeit. Er findet es schade, dass an der Bahnhofstrasse ein gesamter Häuserkomplex leer steht. Er sagt: «Ich würde mir wünschen, dass Bahnhof- und Zentralstrasse aufgewertet werden.» Ausserdem wären ein paar Parkplätze mehr sicher kein Fehler.

Kampf gegen den Online-Handel

Laut Urs Müller ist Wohlen ein guter Standort für Geschäfte, auch wegen des grossen Kultur- und Wirtschaftsangebots: «Ausserdem ist Wohlen sehr zentral gelegen. Es gibt es viel Durchgangs verkehr, was wieder­um Potenzial für das Dorf bedeutet.» Ausserdem entstehe in so genannten Ersatzbauten, also Neubauten, die auf dem Boden alter Häuser gebaut werden, attraktive neue Ladenfläche. «Damit das auch zum Tragen kommt, muss die Aufwertung der Zentralstrasse endlich in Angriff genommen werden.»

Laut des Hagewo ist der grösste Konkurrent des lokalen Ladens das Onlineshopping. «Es ist nachhaltig und wertvoll, in diesem Zusammenhang Sensibilität zu schaffen», so Urs Müller. Optiker Falk Kellermann und die Mitinhaberin des Geschäfts, Cindy Müller, sagten im Artikel zur Eröffnung ihres Ladens, dass sie mit flexiblen Öffnungszeiten sowie mit professioneller und persönlicher Beratung gegen die Konkurrenz im Internet antreten wollen. Heute sagt Kellermann: «Zwar besteht Bedarf an flexiblen Öffnungszeiten, sie werden aber nicht stark genutzt. Jedoch sind die Leute, die auf diese Öffnungszeiten angewiesen sind, sehr dankbar.»

Aktion: «Ech poschte z’Wohle»

Ein Haus weiter führt Erika Nezic seit September 2017 das Bio+Reformhaus Eden. «Es werden immer mehr Kunden», sagt sie. «Und es kommen ständig noch Leute, die sagen, sie wussten gar nicht, dass es meinen Laden gibt.» Nezic sei sehr zufrieden mit dem Standort an der Bahnhofstrasse. Die leer­stehenden Häuser nebenan stören sie nicht: «Die stehen ja nicht leer, weil niemand mehr in Wohlen einkaufen geht, sondern wegen des Brandes.»

Wie es mit diesen leeren Liegenschaften weitergeht, weiss Urs Müller nicht. Der Hagewo habe es sich jedoch zur Aufgabe gemacht, Detailhändler zu unterstützen. Man sei stark an den Wünschen der Geschäftsführer interessiert und immer für Gespräche offen. Erfolgreiche Massnahme im Kampf gegen das Lädelisterben sei die Aktion «ech poschte z’Wohle». Müller sagt: «Dabei unterstützt der Hagewo die Läden nach Möglichkeit, ganz nach dem Motto ‹Gemeinsam sind wir stark›.»

Aktuelle Nachrichten