Muri

Herr der Lüfte und von 100'000 Gleitschirmpiloten: Ein Freiämter ist neu der höchste Gleiter Europas

Hier fliegt Urs Frei, der neue Präsident der europäischen Gleiter, 2019 hoch über den Azoren.

Hier fliegt Urs Frei, der neue Präsident der europäischen Gleiter, 2019 hoch über den Azoren.

Der Murianer Urs Frei ist nicht mehr nur Oberhaupt der Schweizer Gleitschirm- und Deltapiloten, sondern neu von jenen ganz Europas.

Nein, hier geht es nicht darum, wer am höchsten fliegen kann. Auf solche Rekorde ist Urs Frei aus Muri auch gar nicht aus. Doch auch ohne Rekord ist er spätestens seit diesem Jahr international bekannt. Er repräsentiert all jene, die ganz ohne Motor durch den Himmel gleiten. Seit 2018 macht er das für die Schweiz als Präsident des Schweizerischen Hängegleiter-Verbandes. Anfang Februar durfte er nun einen noch grösseren Schritt machen: Er wurde für ein Jahr zum Präsidenten der Europäischen Vereinigung EHPU (European Hang Gliding And Paragliding Union) gewählt. Damit steht er an der Spitze von über 100'000 Piloten aus 19 Ländern. Doch wie kommt ein Murianer, der das Paragleiten als Hobby betreibt und ab und zu abends länger arbeitet, um nachmittags die Thermik ausnützen zu können, dazu, ein so hohes Amt zu übernehmen? «Ich war zur rechten Zeit am rechten Ort», erklärt Urs Frei gut gelaunt.

In Stockholm wurde Frei zum Präsidenten ernannt

2001 wurde der europäische Verband EHPU gegründet. «Turnusgemäss wechselt jedes Jahr das Präsidium», und zwar dem Alphabet entsprechend, letztes Jahr war Schweden dran, jetzt die Schweiz. «An der GV in Stockholm durfte ich das Präsidium übernehmen. Als Geschenk habe ich einen Richterhammer gekriegt, um für Ordnung sorgen zu können», erzählt er. «Mit Grossbritannien, Frankreich, Deutschland und der Schweiz sind Länder mit grossen Pilotenzahlen und professionellen Verbandsstrukturen dabei. Daneben gehören aber auch Nationen mit weniger Piloten, aber nicht minder engagierten Vertretern dazu, die für ein Meeting auch mal 17 Stunden quer durch Europa reisen.»

Urs Frei, Muri

Urs Frei, Muri

Im März 1989 hat Urs Frei mit dem Gleitschirmfliegen begonnen, damals noch mit rudimentärem Material, wie er der AZ 2018 erklärte. «‹Eins zu Stein› ist ein geflügeltes Wort für die damalige Technik. Pro Meter, den man heute an Höhe verliert, kommt man rund zehn Meter vorwärts. Damals kam man pro Meter Höhenverlust vielleicht drei Meter weit. Seither hat sich sehr viel verändert in Sachen Technik und Material. Es ist faszinierend, das alles mitzuerleben», sagte der heute 52-jährige Ehemann und Vater einer 3-jährigen Tochter und eines 20-jährigen Sohnes, der 2018 nach Muri gezogen ist.

«Eine Chance, die sich nur einmal im Leben bietet»

Nur rund alle 20 Jahre kommt die Schweiz dazu, das Präsidium zu übernehmen. «Insofern ist es eine grosse Ehre für mich, eine Chance, die sich wohl nur einmal im Leben bietet.» Ihm ist wichtig: «Vielleicht kann ich das eine oder andere in Bewegung bringen. Neben Standardisierungs- und Normierungsthemen, die sicherheitsrelevant sind, sehen wir Einschränkungstendenzen, die unsere Fliegerei betreffen: Kapazitätserweiterungen bei Flughäfen, geänderte Luftraumeinteilungen, vermehrte Aktivitäten von Naturschutzorganisationen, die uns kritisch begleiten», zählt er ein paar Beispiele auf. Auch repräsentative Aufgaben wird er übernehmen. Kommt er bei all dem noch zum Fliegen? «Nach einem Managementwechsel bin ich zurzeit in einer beruflichen Phase der Neuorientierung. Ich habe also Freiräume, um mich um diverse Aufgaben zu kümmern», ist Urs Frei zufrieden.

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